Deutsche Tageszeitung - Nach Erdbeben in Afghanistan Bergungs- und Versorgungseinsätze unter Hochdruck

Nach Erdbeben in Afghanistan Bergungs- und Versorgungseinsätze unter Hochdruck


Nach Erdbeben in Afghanistan Bergungs- und Versorgungseinsätze unter Hochdruck
Nach Erdbeben in Afghanistan Bergungs- und Versorgungseinsätze unter Hochdruck / Foto: © AFP

Nach dem verheerenden Erdbeben im Osten Afghanistans bemühen sich Helfer aus dem In- und Ausland unter Hochdruck um die Bergung weiterer Verschütteter und die Versorgung der Bevölkerung mit dem Nötigsten. Am Donnerstag trafen erste Hilfsflüge aus dem Ausland ein, wie ein Sprecher der Taliban-Regierung mitteilte. Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) sagte nach der Katastrophe mit mehr als tausend Toten und 1500 Verletzten zügige deutsche Hilfe für die betroffenen Menschen zu.

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Zwei Flugzeuge aus Katar und dem Iran brachten dringend benötigte Hilfsgüter ins Land, wie Regierungssprecher Sabihullah Mudschahid im Onlinedienst Twitter mitteilte. Acht Lastwagen aus Pakistan lieferten Nahrungsmittel und andere Hilfsgüter in die schwer betroffene Provinz Paktika. Auch die EU und die USA erklärten sich zur Hilfe bereit.

Das Erdbeben der Stärke 5,9 hatte in der Nacht zum Mittwoch den an Pakistan grenzenden Osten Afghanistans erschüttert. Saitullah Ghursiwal, ein Bewohner des Bezirks Bermal, sagte der Nachrichtenagentur AFP, das Beben habe ihn im Schlaf überrascht. "Als ich aus meinem Haus gelaufen bin, war alles still, weil die Leute unter ihren Häusern verschüttet waren." Den Überlebenden fehle es nun an Zelten, Decken, Trinkwasser und Essen.

Nach UN-Schätzungen wurden etwa 2000 Häuser durch das Erdbeben zerstört, die örtliche durchnittlichen Haushaltsgröße liegt bei mehr als 20 Menschen. Nach vorläufigen Angaben vom Mittwoch kamen mindestens tausend Menschen ums Leben, rund 1500 weitere erlitten Verletzungen. Damit ist es das tödlichste Erdbeben in Afghanistan seit mehr als zwei Jahrzehnten. Es wurde mit einem weiteren Anstieg der Opferzahlen gerechnet.

Weil durch das Erdbeben viele Mobilfunkmasten und Stromleitungen zerstört sind, ist es für die Behörden schwierig, sich ein Bild von der Lage zu verschaffen. "Informationen von vor Ort zu bekommen, ist sehr schwierig wegen schlechter Netzwerke", sagte der Informationschef von Paktika, Mohammed Amin Husaifa, am Donnerstag zu AFP. Deswegen gebe es keine Aktualisierung der Opferzahl.

Laut Husaifa behinderten durch heftige Regenfälle ausgelöste Überschwemmungen und Erdrutsche den Rettungs- und Bergungseinsatz. Für die Jahreszeit ist es ungewöhnlich kalt. Zudem ist das Katastrophengebiet gebirgig und schwer zu erreichen. Die regierenden radikalislamischen Taliban schickten die Armee in das Erdbebengebiet, haben ansonsten aber wenig Ressourcen für den Katastropheneinsatz.

So verfügt das Land über nur wenige Hubschrauber und Flugzeuge für Rettungseinsätze und kaum Räumfahrzeuge. Vielerorts graben die Menschen mit bloßen Händen nach Verschütteten. Mohammed Jahja Wiar, Chef einer Klinik in Paktikas Hauptstadt Scharan, schilderte AFP, wie überfordert das afghanische Gesundheitssystem mit der Katastrophe sei. "Das ist eine humanitäre Krise. Es ist wie ein Tsunami", sagte er.

Außerdem steckte Afghanistan schon vor dem Erdbeben in einer Wirtschaftskrise. Nach der Machtübernahme der Taliban im vergangenen August hat der Westen seine Milliardenhilfen für Afghanistan eingefroren.

Nach dem Erdbeben baten die Taliban um Hilfe aus dem Ausland, um eine "humanitäre Katastrophe" zu verhindern. UN-Generalsekretär António Guterres versicherte, die UN-Organisationen seien "vollständig mobilisiert" für Hilfseinsätze in Afghanistan.

Baerbock sagte in Berlin, in einem "solchen Moment zählt allein das Gebot der Humanität". Die Bundesregierung werde ihre Hilfen für die Johanniter aufstocken, die bereits mit einem Team ins Katastrophengebiet unterwegs seien, und auch andere Hilfen zur Verfügung stellen. Diese würden nicht über die Taliban, sondern etwa über UN-Organisationen geleistet.

Entwicklungsstaatssekretär Niels Annen (SPD) sagte im Deutschlandfunk, Deutschland knüpfe "unmittelbare Hilfe zum Überleben" nicht "an politische Konditionen". Wenn die Führung in Kabul aber regelmäßig internationale Hilfe erhalten wolle, müsse sie umsteuern. Er hoffe, "dass das Erdbeben und alles, was das mit sich bringt auch an internationaler Aufmerksamkeit, dazu führt, dass die Taliban-Verantwortlichen hier einen Kurswechsel einleiten".

(T.W.Lukyanenko--DTZ)

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