Deutsche Tageszeitung - Mindestens 38 Tote bei schlimmstem Zugunglück der griechischen Geschichte

Mindestens 38 Tote bei schlimmstem Zugunglück der griechischen Geschichte


Mindestens 38 Tote bei schlimmstem Zugunglück der griechischen Geschichte
Mindestens 38 Tote bei schlimmstem Zugunglück der griechischen Geschichte / Foto: © AFP

Nach dem frontalen Zusammenstoß zweier Züge in Griechenland mit mindestens 38 Toten hat Regierungschef Kyriakos Mitsotakis das Unglück auf menschliches Versagen zurückgeführt. "Alles weist darauf hin, dass das Drama, traurigerweise, hauptsächlich aufgrund eines tragischen menschlichen Fehlers" passiert sei, sagte Mitsotakis am Mittwoch in einer Fernsehansprache. Bei dem schlimmsten Zugunglück in der Geschichte Griechenlands wurden dutzende Menschen verletzt, mehrere weitere wurden am Mittwochabend noch vermisst.

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Verkehrsminister Kostas Karamanlis erklärte wenige Stunden nach dem Unglück seinen Rücktritt. "Wenn etwas so Tragisches passiert, können wir nicht weitermachen, als sei nichts passiert", erklärte Karamanlis.

Das Unglück ereignete sich am Dienstagabend kurz vor Mitternacht auf der Strecke zwischen der Hauptstadt Athen und der Hafenstadt Thessaloniki, nahe der Stadt Larisa. Die Lokomotiven und die ersten Wagen beider Züge wurden durch die Kollision fast vollständig zerstört, beide Lokführer sind unter den Toten. Mehrere Waggons stürzten von den Gleisen, einige fingen Feuer.

Bis Mittwochabend wurden 38 Tote geborgen und 85 Verletzte ins Krankenhaus gebracht. Die Opferzahl könnte nach Angaben der Feuerwehr noch steigen, weil noch Menschen in den Trümmerhaufen vermutet wurden. "Der Einsatz zur Befreiung eingeschlossener Menschen dauert an", sagte der Feuerwehr-Sprecher Vassilis Vathrakogiannis.

Die Rettungsarbeiten seien "sehr schwierig", sagte Konstantinos Giannakopoulos von der Ärztegewerkschaft in Larisa im Fernsehsender ERT. Einige der 500 Einsatzkräfte versuchten mit Metallscheren, in die zerquetschten Waggons zu gelangen. Mit zwei großen Kränen wurden die Wracks angehoben, die neben der Bahnstrecke lagen. Der Regionalgouverneur Kostas Agorastos sagte im Sender Skai, die Zahl der Todesopfer werde am Ende wahrscheinlich "sehr hoch" sein.

Der griechische Regierungssprecher Giannis Oikonomou sagte, die Züge seien vor dem Unglück "mehrere Kilometer lang" auf demselben Gleis unterwegs gewesen. Nach Polizeiangaben wurde der Bahnhofsvorsteher von Larisa festgenommen. Ihm wird fahrlässige Tötung vorgeworfen.

Der Vorsitzende der Lokführergewerkschaft OSE, Kostas Genidounias, sagte, die Strecke zwischen Athen und Thessaloniki sei in einem sehr schlechten Zustand. Alle Signale würden manuell gesteuert, sagte er im Fernsehsender ERT. "Seit dem Jahr 2000 haben die Systeme nicht funktioniert."

In einem offenen Brief hatten Bahnmitarbeiter im Februar darauf hingewiesen, die Sicherheitssysteme für die Gleise seien unvollständig und schlecht gewartet. Ein Sicherheitskontrolleur hatte im vergangenen Jahr gekündigt und gewarnt, dass wegen unvollständiger Sicherheitsnachrüstungen Zugreisen mit einer Geschwindigkeit von bis zu 200 Stundenkilometern auf der Strecke gefährlich seien.

"So etwas habe ich noch nie in meinem Leben gesehen", sagte ein Rettungshelfer, der völlig erschöpft aus einem zerstörten Waggon kam. "Es ist so tragisch."

"Es war ein Albtraum, ich zittere noch immer", sagte der 22-jährige Passagier Angelos an der Unglücksstelle der Nachrichtenagentur AFP. "Glücklicherweise waren wir im vorletzten Waggon und kamen lebend heraus." Der Zusammenstoß habe sich wie ein "riesiges Erdbeben" angefühlt. "Es gab ein Feuer in den ersten Waggons und totale Panik", berichtete er.

"Im Moment des Unfalls sind die Fenster plötzlich explodiert", berichtete ein anderer Passagier im Fernsehen. "Zum Glück konnten wir die Tür aufmachen und schnell entkommen. In anderen Wagen ist es den Leuten nicht gelungen."

Gesundheitsminister Thanos Plevris sagte, in dem Personenzug mit insgesamt 342 Fahrgästen hätten viele junge Leute gesessen. Seinen Angaben zufolge hatten viele Studierende den Zug genommen, um nach einem langen Wochenende zurück nach Thessaloniki zu fahren.

Ministerpräsident Mitsotakis besuchte am Mittwoch die Unglücksstelle und rief eine dreitägige Staatstrauer aus. Er versprach, die Umstände des Unglücks vollständig aufzuklären.

(I.Beryonev--DTZ)

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