Deutsche Tageszeitung - Türkischer Oppositionskandidat bricht mit Bekenntnis zum Alevitentum mit Tabu

Türkischer Oppositionskandidat bricht mit Bekenntnis zum Alevitentum mit Tabu


Türkischer Oppositionskandidat bricht mit Bekenntnis zum Alevitentum mit Tabu
Türkischer Oppositionskandidat bricht mit Bekenntnis zum Alevitentum mit Tabu / Foto: © AFP

Der Präsidentschaftskandidat des türkischen Oppositionsbündnisses, Kemal Kilicdaroglu, hat erstmals öffentlich seine Zugehörigkeit zum Alevitentum thematisiert - und so mit einem großen Tabu in der Türkei gebrochen. Es sei an der Zeit, dieses "sehr sensible" Thema anzusprechen, sagte Kilicdaroglu in einem im Onlinedienst Twitter veröffentlichten Video. "Ich bin Alevit, ich bin ein aufrichtiger Muslim", fügt er darin hinzu.

Textgröße ändern:

Die Aleviten, die einigen Regeln und Riten des Islam nicht folgen, sind in der Vergangenheit in der Türkei Opfer von Diskriminierung und Massakern geworden. Strengen Sunniten gelten sie nach wie vor als Ketzer.

Kilicdaroglu könnte bei einem Sieg bei der Präsidentschaftswahl im Mai der erste alevitische Staatschef der Türkei werden. Im Falle seiner Wahl hat er ein Ende der Diskriminierung sowie der "konfessionellen Streitigkeiten, die Leid verursacht haben", versprochen.

Kilicdaroglu stammt aus der historisch rebellischen Provinz Dersim (heute Tunceli), in der hauptsächlich Kurden und Aleviten leben. Vor seiner Kandidatur hatten Beobachter prophezeit, der 74-Jährige werde es schwer haben, konservative sunnitische Wähler zu überzeugen.

Präsident Recep Tayyip Erdogan hat in der Vergangenheit die Aleviten ins Visier genommen. So behauptete er etwa, die Mitglieder der Minderheit seien unter den Richtern in der Türkei "dominant" und versuchten, "eine neue Religion" zu erfinden. Während des laufenden Wahlkampfes hat Erdogan seinen Herausforderer bisher allerdings nicht offen wegen dessen religiöser Identität angegriffen.

(U.Beriyev--DTZ)

Empfohlen

Geplanter Überfall in Bochum: Urteil gegen "Ausbrecherkönig" vor Brüsseler Gericht verschoben

Im Prozess gegen den als "Ausbrecherkönig" bekannten Kriminellen Antonio Ferrara wegen eines geplanten Raubüberfalls in Bochum ist die für Freitag geplante Urteilsverkündung kurzfristig verschoben worden. Das Brüsseler Gericht teilte ohne Angaben von Gründen mit, es werde seine Entscheidung erst am 5. November verkünden. Die Staatsanwaltschaft hat 18 Jahre Haft für Ferrara gefordert, der in Frankreich wegen mehrerer Raubüberfälle und versuchten Mordes sowie wegen zweier Gefängnisausbrüche bereits zu Gefängnisstrafen verurteilt worden war.

Nach Festnahme in Brandenburg: Mutmaßlicher Russland-Spion in Untersuchungshaft

Der am Donnerstag in Brandenburg gefasste mutmaßliche Russland-Spion sitzt nun in Untersuchungshaft. Ein Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs habe den Haftbefehl gegen den ukrainischen Staatsangehörigen Vadym Y. in Vollzug gesetzt, teilte die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe am Freitag mit.

Sieben Festnahmen bei Razzia wegen gefälschter Sprachzertifikate

In einem großen Ermittlungskomplex zu gefälschten Sprachzertifikaten haben bayerische Ermittler sieben weitere Menschen festgenommen. Bei einer Razzia in über 30 Objekten in Nordrhein-Westfalen und München seien am Mittwoch sechs Haftbefehle vollstreckt worden, am Donnerstag dann ein siebter, teilten das Polizeipräsidium Unterfranken und die Staatsanwaltschaft Aschaffenburg am Freitag mit. Die Ermittlungen in der Sache laufen schon länger, es gibt um die 50 Tatverdächtige.

Mit 19 Messerstichen getötete Frau aus Hessen: Verdächtiger in Polen gefasst

Im Falle einer mit 19 Messerstichen getöteten 35-Jährigen aus Hessen haben Ermittler in Polen einen Verdächtigen festgenommen. Bei ihm handelt es sich um einen 42-Jährigen, wie die Polizei Gießen und die Staatsanwaltschaft Marburg am Freitag mitteilten. Er soll die 35-Jährige mit 19 Messerstichen getötet und sich anschließend nach Polen abgesetzt haben.

Textgröße ändern: