Deutsche Tageszeitung - Prozess in Frankreich zum Tod von 39 Migranten im Kühl-Lkw

Prozess in Frankreich zum Tod von 39 Migranten im Kühl-Lkw


Prozess in Frankreich zum Tod von 39 Migranten im Kühl-Lkw
Prozess in Frankreich zum Tod von 39 Migranten im Kühl-Lkw / Foto: © Essex Police/AFP/Archiv

Dreieinhalb Jahre nach dem Fund von 39 erstickten vietnamesischen Migranten in einem Kühllastwagen in Großbritannien haben Untersuchungsrichter in Frankreich einen Strafprozess gegen 19 mutmaßliche Mitglieder eines Schlepper-Rings angeordnet. Französische Justizkreise bestätigten am Mittwoch einen entsprechenden Bericht der Zeitung "Le Parisien".

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Die 19 Männer, die aus Vietnam, Frankreich, China und dem Maghreb stammen, sind heute zwischen 21 und 58 Jahre alt. Sie sollen teils den Transport der Vietnamesen organisiert haben, teils Übernachtungsmöglichkeiten im Großraum Paris zur Verfügung gestellt haben. In abgehörten Telefongesprächen nannten sie die Migranten "Hühnchen" oder "die Ware".

Vier von ihnen stehen im Verdacht der fahrlässigen Tötung, da ihnen die Risiken des Transports von Menschen in dem Kühl-Lkw bewusst gewesen sein mussten, betont die Staatsanwaltschaft. Den übrigen wird vorgeworfen, die Notlage der Migranten ausgenutzt und hohe Geldsummen von ihnen verlangt zu haben. Alle Angeklagten müssen sich zudem wegen Beihilfe zur illegalen Einreise und Bildung einer kriminellen Vereinigung vor Gericht verantworten.

Die Vietnamesen hatten den Lkw-Container in Nordfrankreich bestiegen. Dieser wurde im belgischen Hafen Zeebrügge auf eine Fähre nach Großbritannien verladen.

Die Leichen der 39 Migranten waren Ende Oktober 2019 in dem Kühlcontainer in einem Industriegebiet östlich von London entdeckt worden. Schlepper nutzen häufig Kühlcontainer, weil diese so stark isoliert sind, dass die Menschen darin nicht so leicht entdeckt werden können.

Laut Obduktionsbericht starben die in dem Container eingesperrten Menschen an Sauerstoffmangel und Überhitzung. Unter den Opfern waren auch zwei 15-jährige Jungen.

Die 19 Verdächtigen gehörten nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft zu einem internationalen Schleppernetz. Die Vietnamesen sollen den Menschenhändlern teils zehntausende Euro bezahlt haben, um nach Großbritannien geschleust zu werden.

In Belgien waren im vergangenen Jahr in dem Fall 18 Menschen zu Haftstrafen verurteilt worden. Zuvor waren sieben Männer in Großbritannien und vier weitere in Vietnam verurteilt worden.

(P.Vasilyevsky--DTZ)

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