Deutsche Tageszeitung - Prozess gegen Brasiliens Ex-Präsident Bolsonaro beginnt - Amtsverbot droht

Prozess gegen Brasiliens Ex-Präsident Bolsonaro beginnt - Amtsverbot droht


Prozess gegen Brasiliens Ex-Präsident Bolsonaro beginnt - Amtsverbot droht
Prozess gegen Brasiliens Ex-Präsident Bolsonaro beginnt - Amtsverbot droht / Foto: © AFP

Brasiliens früherem rechtsradikalen Präsidenten Jair Bolsonaro droht ein achtjähriger Ausschluss von öffentlichen Ämtern: Vor dem Obersten Wahlgericht des Landes hat ein Prozess gegen den 68-Jährigen wegen Äußerungen des Politikers zum brasilianischen Wahlsystem begonnen. Bolsonaro erschien, wie von ihm zuvor angekündigt, nicht zu der Verhandlung am Donnerstag. Ein Urteil wurde am ersten Verhandlungstag nicht erwartet.

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Die Staatsanwaltschaft wirft dem rechtsradikalen Politiker unter anderem Missbrauch politischer Macht vor. Dieser hatte im Wahlkampf vor der Präsidentschaftswahl im vergangenen Jahr vor ausländischen Diplomaten unbelegte Anschuldigungen gegen das elektronische Wahlsystem in Brasilien erhoben. Der 68-Jährige verlor später in einer Stichwahl knapp gegen seinen linken Herausforderer Luiz Inácio Lula da Silva. Bolsonaro beteuert seine Unschuld.

Richter Benedito Goncalves verlas zu Beginn des Prozesses am Donnerstag die Anklageschrift. Dem rechtsradikalen Politiker wird vorgeworfen, versucht zu haben, "das künftige Wahlergebnis vor der internationalen Gemeinschaft unglaubwürdig zu machen" - und das zu einem Zeitpunkt, an dem Bolsonaros Gegner "in Umfragen vorne lagen".

Anschließend begannen beide Seiten damit, ihre Argumente vorzutragen. Kommende Woche Dienstag und Donnerstag könnte es weitere Sitzungen geben, möglicherweise auch darüber hinaus. Ein Urteil der sieben Richter noch am Donnerstag galt als unwahrscheinlich.

Beobachter gehen von einer Verurteilung Bolsonaros aus, wodurch dieser nicht bei der nächsten Präsidentschaftswahl in Brasilien im Jahr 2026 antreten könnte. Gegen das Urteil könnte der 68-Jährige Berufung einlegen.

Unterdessen bestätigte der brasilianische Senat die Ernennung von Lulas langjährigem Rechtsanwalt zum Richter am Obersten Gericht des Landes. Cristiano Zanin hatte Lula in mehreren Korruptionsverfahren verteidigt. Nach einer achtstündigen Befragung durch die Senatoren stimmte das Oberhaus am Mittwoch mit 58 Ja-Stimmen für ihn. Es gab 18 Gegenstimmen.

Zanin versprach während der Befragung, er werde seine Pflicht erfüllen, ohne vor seinem ehemaligen Mandanten Lula "in irgendeiner Weise zu kapitulieren". "Unparteilichkeit ist für mich fundamental und ein strukturelles Element der Justiz selbst", sagte er. Der Verfassungs- und Justizausschuss hatte mit deutlicher Mehrheit für Zanin gestimmt.

Lula hatte den 47-Jährigen Anfang Juni für das Oberste Gericht vorgeschlagen und erklärt, dieser werde ein "außergewöhnlicher Richter" sein. Oppositionspolitiker kritisierten die Auswahl und warfen dem Präsidenten vor, das Gericht mit ihm wohlgesonnenen Richtern besetzen zu wollen.

Zanin, spezialisiert auf Zivilrecht, vertrat Lula seit 2013 und war sein Verteidiger in mehreren Korruptionsfällen. Zwischen 2018 und 2019 saß Lula rund anderthalb Jahre lang wegen Korruptionsvorwürfen im Gefängnis. Seine Anhänger sahen hinter der Verurteilung ein politisches Manöver - Lula wurde damit aus dem Präsidentschaftsrennen ausgeschlossen, der rechtsradikale Bolsonaro siegte.

Im März 2021 hob der Oberste Gerichtshof dann das Urteil gegen Lula wegen Verfahrensfehlern auf - und machte damit den Weg frei für seine Rückkehr an die Macht.

(Y.Leyard--DTZ)

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