Deutsche Tageszeitung - Angeklagter in Flensburger Heilpraktikerprozess aus Untersuchungshaft entlassen

Angeklagter in Flensburger Heilpraktikerprozess aus Untersuchungshaft entlassen


Angeklagter in Flensburger Heilpraktikerprozess aus Untersuchungshaft entlassen
Angeklagter in Flensburger Heilpraktikerprozess aus Untersuchungshaft entlassen / Foto: © AFP/Archiv

Spektakuläre Wende im Fall eines wegen Mordes an seiner Ehefrau und Vergewaltigung mehrerer Patientinnen angeklagten angeblichen Heilpraktikers vor dem Landgericht Flensburg: Dreieinhalb Monate nach Prozessbeginn gegen den Mann aus Schleswig-Holstein hat das Gericht am Donnerstag dessen sofortige Entlassung aus der Untersuchungshaft angeordnet. Als einen Grund gab das Gericht den Wegfall eines dringenden Tatverdachts an, was sich sowohl auf den angeklagten Mord als auch auf mehrere Sexualdelikte bezieht.

Textgröße ändern:

Der ohne Qualifikation praktizierende Mann soll laut Anklage von 2014 bis 2022 sechs Frauen sexuell missbraucht und sie dabei teils auch körperlich verletzt haben. Als seine Taten aufzufliegen drohten, soll der Angeklagte demnach zudem seine schwerkranke Ehefrau getötet haben, um an ihr Erbe zu gelangen. Die Staatsanwaltschaft klagte ihn wegen Mordes aus Habgier, Vergewaltigung, gefährliche Körperverletzung und einer Reihe weiterer Delikte an.

Im Fall des Tods der schwerkranken Ehefrau kommt dem Gericht zufolge eine Tötung auf Verlangen in Betracht. Demnach kommt nun doch der ursprünglich verworfene Ablauf in Betracht, wonach der Mann zunächst seine schwerkranke Frau töten und dann selbst Suizid begehen wollte.

So soll er ebenfalls eine vollständige Dosis eines als tödlich geltenden Medikaments eingenommen und sich außerdem selbst schwerere Verletzungen mit einem Messer zugefügt haben, als von der Anklage vorgeworfen. Die Verletzungen seien tatsächlich so erheblich gewesen, dass sie zum Hervortreten einer Darmschlinge aus dem Bauchraum geführt hätten.

Im Fall der vorgeworfenen Sexualdelikte soll eine als Nebenklägerin auftretende Zeugin durch Fremdsuggestion durch Dritte zu einer falschen Erinnerung gebracht worden sein. In einem anderen Fall soll der Angeklagte ohne Unrechtsbewusstsein einen Vaginalabstrich bei einer Patientin gemacht haben.

Zudem sei dem Mann nicht immer eine sexuelle Motivation seiner Taten nachzuweisen. So habe eine Expertin ausgesagt, dass das Einführen von Fingern in die Vagina eine in der Alternativmedizin angewandte Behandlungsmethode sei.

Der Prozess gegen den Heilpraktiker wird auch nach dessen Entlassung aus der Untersuchungshaft fortgesetzt. Zuletzt waren Termine bis zum 10.Oktober angesetzt.

(M.Dorokhin--DTZ)

Empfohlen

Tödliche Attacke in Pariser Vorstadt: Hitlers "Mein Kampf" bei Angreifer gefunden

Nach dem offenbar rassistisch motivierten Anschlag im Großraum Paris mit einem Toten und fünf Verletzten haben die Ermittler in der Wohnung des mutmaßlichen Angreifers eine Ausgabe von Adolf Hitlers "Mein Kampf" gefunden. Das Buch sei bei einer Durchsuchung der Wohnung im westlich von Paris gelegenen Plaisir entdeckt worden, erfuhr die Nachrichtenagentur AFP am Samstag aus Ermittlerkreisen. Gefunden wurden außerdem eine Bibel und ein Koran.

Herbststurm "Luise" sorgt für Zugausfälle und Feuerwehreinsätze

Der Herbststurm "Luise" hat am Freitag im Westen und Südwesten Deutschlands für Beeinträchtigungen im Bahnverkehr und zahlreiche Feuerwehreinsätze gesorgt. In Nastätten in Rheinland-Pfalz kippte auf einem Stadtfest ein Gestell um, dabei wurden ein 58-Jähriger und ein 72-Jähriger schwer verletzt. Beide wurde mit einem Hubschrauber in ein Krankenhaus geflogen, wie die Polizei in Koblenz mitteilte.

Zehntausende in Taiwan nach Durchzug von Taifun "Champi" ohne Strom

Hunderte Verletzte, entwurzelte Bäume, zehntausende Haushalte ohne Strom: Der Taifun "Champi" ist über Taiwan hinweggefegt und hat dabei erhebliche Schäden in dem Inselstaat angerichtet. Zahlreiche Einsatzkräfte arbeiteten nach Angaben der Behörden am Samstag daran, die Stromversorgung für rund 56.000 Haushalte wiederherzustellen. Seit Donnerstag, als die ersten Warnungen vor dem Taifun ausgegeben wurden, kam ein Mensch ums Leben und etwa 500 weitere wurden verletzt.

Nach tödlichem Angriff auf Soldaten: Netanjahu droht Großoffensive im Westjordanland an

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat nach dem Tod von zwei Soldaten bei einem Angriff bewaffneter Palästinenser im besetzten Westjordanland eine großangelegte Militäroffensive angekündigt. Vier Tage vor der Parlamentswahl in Israel ordnete Netanjahu am Freitag eine "vollständige Abriegelung" des Palästinensergebiets an. Er stellte zudem eine Militäroffensive in Aussicht, wie es sie seit dem Sechstagekrieg im Jahr 1967 nicht gegeben habe.

Textgröße ändern: