Deutsche Tageszeitung - Amnesty International: Iran geht verstärkt gegen Frauen und Mädchen ohne Kopftuch vor

Amnesty International: Iran geht verstärkt gegen Frauen und Mädchen ohne Kopftuch vor


Amnesty International: Iran geht verstärkt gegen Frauen und Mädchen ohne Kopftuch vor
Amnesty International: Iran geht verstärkt gegen Frauen und Mädchen ohne Kopftuch vor / Foto: © AFP/Archiv

Die iranischen Behörden gehen nach einem Bericht von Amnesty International wieder verstärkt gehen Frauen und Mädchen vor, die sich dem Kopftuchzwang widersetzen. So werde etwa Massenüberwachung genutzt, um unverschleierte Frauen in Autos oder Fußgängerzonen zu identifizieren, betonte Katja Müller-Fahlbusch, Expertin für die Region bei der Menschenrechtsorganisation, am Mittwoch. "Die sogenannte 'Sittenpolizei' im Iran war nie wirklich weg und geht nun erneut brutal gegen Frauen und Mädchen vor", sagte sie.

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Mitte Juli habe ein Sprecher der iranischen Polizei angekündigt, wieder Patrouillen einzusetzen, um Frauen zu kontrollieren. In sozialen Netzwerken verbreiten sich nach dem Amnesty-Bericht Videos von Übergriffen der Polizei auf unverschleierte Frauen in Teheran und Rascht. Seit Mitte April hätten mehr als eine Million Iranerinnen Textnachrichten erhalten, die sie warnten, dass ihr Auto beschlagnahmt werden könne, falls sie auf Bildern von Überwachungskameras ohne Kopftuch zu sehen seien.

"Behörden verbannen Frauen ohne Kopftücher aus Hochschulen und öffentlichen Verkehrsmitteln, verwehren ihnen den Zugang zu Finanzdienstleistungen und schließen Unternehmen, die die Kopftuchpflicht nicht umsetzen", betont Amnesty International. Die Menschen im Iran ließen sich nicht dadurch täuschen, dass die 'Sittenpolizei' die Abzeichen von ihren Uniformen und Streifenwagen entferne. Die Repression sei derzeit "noch umfassender und härter".

In der vergangenen Woche hatte ein Gericht im Iran die prominente Schauspielerin Afsaneh Bajegan zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, weil sie in der Öffentlichkeit kein Kopftuch, sondern lediglich einen Hut getragen hatte. Das iranische Gesetz schreibt vor, dass Frauen in der Öffentlichkeit Kopf und Nacken mit einem Tuch bedecken müssen. Seit Beginn der landesweiten Proteste im vergangenen Jahr gehen aber immer mehr Frauen im Iran ohne Kopftuch auf die Straße.

Die Proteste waren im September durch den Tod der 22-jährigen Kurdin Mahsa Amini nach ihrer Festnahme durch die Sittenpolizei in der Hauptstadt Teheran ausgelöst worden. Amini war festgenommen worden, weil sie ihr Kopftuch nicht ordnungsgemäß getragen haben soll.

(Y.Leyard--DTZ)

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