Deutsche Tageszeitung - Mutmaßlicher Undercover-Agent verklagt Geheimdienste Dänemarks wegen Terrorismus-Urteil

Mutmaßlicher Undercover-Agent verklagt Geheimdienste Dänemarks wegen Terrorismus-Urteil


Mutmaßlicher Undercover-Agent verklagt Geheimdienste Dänemarks wegen Terrorismus-Urteil
Mutmaßlicher Undercover-Agent verklagt Geheimdienste Dänemarks wegen Terrorismus-Urteil / Foto: © POOL/AFP

In einem eher ungewöhnlichen Fall stehen seit Donnerstag in Dänemark die Geheimdienste des Landes vor Gericht: Ein nach eigenen Angaben als Undercover-Agent in Syrien eingesetzter Mann hat geklagt, weil er wegen des Einsatzes als islamistischer Terrorist verurteilt worden sei und Jahre im Gefängnis saß. "Mein Mandant will vor Gericht die Anerkennung erreichen, dass er ein Agent für die dänischen Geheimdienste war", erklärte Verteidiger Erbil Kaya vor Prozessbeginn.

Textgröße ändern:

Der Fall ist einmalig und für die dänischen Geheimdienste etwas peinlich: Diese verweigern bislang jede Aussage darüber, ob der 34-jährige Ahmed Samsam, ein Däne mit syrischen Wurzeln, wirklich für Dänemark in Syrien aktiv war und dort das Terrornetzwerk Islamischer Staat (IS) ausspionierte. Recherchen verschiedener Medien in dem Fall scheinen die Darstellung des Mannes zu decken.

Nach Angaben seines Verteidigers war Samsam in den Jahren 2013 und 2014 ausschließlich nach Syrien gekommen, um dänischen Behörden von dort aus die Namen mutmaßlicher Islamisten zu liefern. Das rechtliche Neuland an dem Fall sei nun, ob Geheimdienste verpflichtet werden können, "diese Zusammenarbeit anzuerkennen", sagte Kaya.

Samsam, der ein langes Vorstrafenregister hat, war ursprünglich 2012 auf eigene Faust nach Syrien gereist, um nach eigenen Angaben gegen die Regierung von Machthaber Baschar al-Assad zu kämpfen. Er gibt an, nach einer Rückkehr in Dänemark erst von den Geheimdiensten befragt und dann angeworben worden zu sein. Er sei mit Geld und Ausrüstung der dänischen Geheimdienste wiederholt als Spion ins Kriegsgebiet nach Syrien geschickt worden.

2017 wurde Samsam in Spanien festgenommen, wo die Polizei Facebook-Fotos von ihm neben einer IS-Flagge gefunden hatte. Im Jahr darauf verurteilte ihn ein spanisches Gericht zu acht Jahren Haft wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung - von denen er einen Großteil der später auf sechs Jahre reduzierten Strafe letztlich in Dänemark absaß. In den kommenden Monaten soll er entlassen werden.

"Unsere Position ist, dass kein Justizirrtum vorliegt", erläuterte der Verteidiger der Geheimdienste, Peter Biering. Die spanischen Behörden hätten genug Beweise für eine Verurteilung gesammelt und damit richtig gehandelt - "selbst wenn er tatsächlich für die dänischen Dienste gearbeitet hätte".

Der Fall schlägt in Dänemark hohe Wellen. Das Parlament beschloss im Februar, einen eigenen Untersuchungsausschuss zu dem Fall einzurichten. Mehreren Medienberichten zufolge war Samsam tatsächlich nie ein Mitglied des IS, zudem gebe es Überweisungsbelege der Geheimdienste an Samsam.

(N.Loginovsky--DTZ)

Empfohlen

Rassistischer Angriff in Pariser Vorstadt: Psychisch kranker Täter stand unter Drogen

Der Angreifer, der in zwei Pariser Vorstädten aus mutmaßlich rassistischen Motiven einen Menschen getötet und fünf weitere verletzt hat, leidet offenbar an Schizophrenie und stand während der Tat unter Drogeneinfluss. Nachdem der Polizeigewahrsam des 39-jährigen Kevin T. am Samstag aufgehoben worden war, wurde er am Sonntag in die Psychiatrie eingewiesen, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. In einem Trauermarsch gedachten hunderte Angehörige und Unterstützer des 26-jährigen afrikanischstämmigen Todesopfers.

Migrationskommissar Brunner will Frontex zur "zentralen EU-Abschiebeagentur" machen

EU-Migrationskommissar Magnus Brunner will die europäische Grenzschutzagentur Frontex zur "zentralen EU-Abschiebeagentur" machen. "Wir werden am Dienstag einen Gesetzesvorschlag präsentieren, um Frontex breiter und stärker aufzustellen", erklärte Brunner am Sonntag. "Wer kein Recht hat, in der EU zu bleiben, muss sie auch tatsächlich verlassen", fügte er hinzu. Die "europäische Migrationswende" werde "konsequent" fortgesetzt.

Erste Herbststürme sorgen für Schäden: Tausende Haushalte in Freiburg ohne Strom

Die ersten Herbststürme sind am Wochenende über Deutschland gezogen und haben für Schäden gesorgt. In Freiburg und Umgebung fiel am Sonntag aufgrund von Unwetterschäden in rund zehntausend Haushalten stundenlang der Strom aus, wie der Versorger Badenova mitteilte. Insbesondere im Westen des Landes meldeten die Feuerwehren Einsätze unter anderem wegen umgestürzter Bäume. Laut Wetterdienst drohten bis Sonntagabend lokale Sturmböen, an der Nordsee und in Höhenlagen Orkan.

60-Jähriger bei antisemitischem Angriff in Berlin verletzt

Ein Unbekannter soll einen Mann in Berlin-Schöneberg nach der Frage nach dessen jüdischer Identität beleidigt und niedergeschlagen haben. Der Staatsschutz ermittelt.

Textgröße ändern: