Deutsche Tageszeitung - Illegale Schiffsverschrottung an indischem Strand: Anklage in Hamburg erhoben

Illegale Schiffsverschrottung an indischem Strand: Anklage in Hamburg erhoben


Illegale Schiffsverschrottung an indischem Strand: Anklage in Hamburg erhoben
Illegale Schiffsverschrottung an indischem Strand: Anklage in Hamburg erhoben / Foto: © AFP/Archiv

Die Hamburger Staatsanwaltschaft hat drei Vertreterinnen und Vertreter einer Reederei wegen einer illegalen Schiffsverschrottung angeklagt. Den zwei Frauen und einem Mann wird nach Angaben der Behörde vom Dienstag zur Last gelegt, ein ausgemustertes mehr als 200 Meter langes Containerschiff zwecks Entsorgung in Indien an einen Geschäftsmann im chinesischen Hongkong verkauft zu haben.

Textgröße ändern:

An Bord des Schiffs, das laut Staatsanwaltschaft anschließend an einem Strand im indischen Alang unter Umgehung der "üblichen Umweltstandards" abgewrackt wurde, befanden sich demnach rund 14.000 Tonnen gefährlicher Abfälle. Darunter waren unter anderem 970 Tonnen Ölrückstände sowie 500 Kilogramm Blei aus Akkus. Der Rest entfiel auf Metalle und Metalllegierungen.

Den Beschuldigten wird ein Verstoß gegen EU-Vorschriften und internationale Abkommen zur Kontrolle des Exports gefährlicher Abfälle vorgeworfen. Bei ihnen handelt es sich laut Staatsanwaltschaft um zwei Prokuristinnen der Reederei sowie einen Mann, der den Verkauf organisierte und den Kapitän des Schiffs anwies, es nach Alang zu fahren und auf den Strand zu setzen. Nähere Angaben zu dem Unternehmen und den drei Beschuldigten wurden nicht gemacht.

Das illegale Geschäft wurde demnach bereits 2016 abgewickelt. Beim Verkauf des Schiffs an den Hongkonger Geschäftsmann erhielten die Beschuldigten etwa viereinhalb Millionen Euro. Die Anklage erging zum Landgericht Hamburg. Es muss diese prüfen und über die Eröffnung einer Hauptverhandlung entscheiden.

International tätige Schrotthändler kaufen ausgemusterte Schiffe, um diese an Stränden insbesondere in Ländern wie Indien, China und Bangladesch von Hand unter primitiven Bedingungen zerlegen lassen. Sie sind am Weiterkauf des Stahls interessiert, aus dem die Schiffe bestehen. Ebenfalls in den Schiffen enthaltener Sondermüll wird in der Regel nicht fachgerecht entsorgt.

Umweltschutz- und Menschenrechtsorganisationen protestieren gegen die mit großen Gefahren für Arbeiter und Natur verbundene Praxis. In der EU und damit auch in Deutschland ist das unsachgemäße Abwracken von Schiffen im Ausland verboten. Das gilt aufgrund ihrer Kontamination mit gefährlichen Stoffen als illegaler Sondermüllexport. Es drohen Geld- oder Haftstrafen.

(G.Khurtin--DTZ)

Empfohlen

Geplante Jugendproteste: Innenpolitiker warnen vor Gewalt und Unterwanderung

Vor den geplanten bundesweiten Jugendprotesten am kommenden Samstag warnen Innenpolitiker von Union und SPD vor der Unterwanderung durch extremistische Kräfte. Sie verwiesen am Montag auf die teils gewaltsamen Proteste in Frankreich und anderen europäischen Ländern. Grüne und Linke hoben die legitimen Anliegen junger Menschen hervor und forderten mehr demokratische Teilhabe.

Kreuzfahrt nach Kollision in Bremerhaven abgesagt - Sturmflutwarnung für Nordseeküste

Nach der Kollision eines Kreuzfahrtschiffes beim Auslaufen in Bremerhaven während eines Sturms fällt die geplante Reise aus. Die Fahrt von "Mein Schiff 3" mit mehr als 2400 Gästen an Bord auf die Kanaren sei angesichts der Schäden abgesagt worden, teilte der Veranstalter TUI Cruises am Montag in Hamburg mit. Unterdessen gab das Bundesamt für Schifffahrt und Hydrographie (BSH) eine Sturmflutwarnung für die Nordseeküste am Montagmittag heraus.

Mutmaßlicher IS-Anhänger am Frankfurter Flughafen festgenommen

Die Bundesanwaltschaft hat einen aus Berlin stammenden mutmaßlichen Anhänger der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) festnehmen lassen. Joshua W. sei am Freitagabend bei seiner Rückkehr nach Deutschland am Frankfurter Flughafen festgenommen worden, teilte die Ermittlungsbehörde am Montag in Karlsruhe mit. Ein Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs habe den Vollzug der Untersuchungshaft angeordnet.

Nach Kollision in Bremerhaven: Kreuzfahrt für rund 2400 Passagiere abgesagt

Nach der Kollision eines Kreuzfahrtschiffes beim Auslaufen in Bremerhaven fällt die geplante Reise aus. Die Fahrt von "Mein Schiff 3" mit insgesamt 2428 Gästen an Bord auf die Kanaren sei angesichts der Schäden abgesagt worden, teilte der Veranstalter TUI Cruises am Montag in Hamburg der Nachrichtenagentur AFP mit. Das Schiff müsse in einer Werft repariert werden.

Textgröße ändern: