Deutsche Tageszeitung - Frauenrat zum Tag gegen Gewalt gegen Frauen: Gefahr zu Hause am größten

Frauenrat zum Tag gegen Gewalt gegen Frauen: Gefahr zu Hause am größten


Frauenrat zum Tag gegen Gewalt gegen Frauen: Gefahr zu Hause am größten
Frauenrat zum Tag gegen Gewalt gegen Frauen: Gefahr zu Hause am größten / Foto: © AFP

Anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt gegen Frauen und Mädchen hat der Deutsche Frauenrat auf die Gefahr für die Betroffenen im eigenen Zuhause hingewiesen. Nicht im nächtlichen Park oder in der dunklen Unterführung seien Frauen am meisten gefährdet, "sondern im eigenen Wohnzimmer", sagte die Gewaltschutzexpertin des Dachverbands, Sylvia Haller, den Zeitungen der Mediengruppe Bayern vom Samstag. Bundesfrauenministerin Lisa Paus (Grüne) warb für ihr geplantes Gewalthilfegesetz.

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Es fehle ein "gesellschaftliches Bewusstsein" dafür, dass Frauen vor allem zu Hause nicht sicher seien, sagte Haller. Jede Stunde erlebten mehr als 14 Frauen in Deutschland Partnerschaftsgewalt. "Gewalt gegen Frauen passiert 365 Tage im Jahr", sagte Haller. Im vergangenen Jahr habe es laut Bundeskriminalamt 454 weibliche Betroffene von Tötungsdelikten gegeben - nach Recherchen des Frauenrats stünden 118 davon im Zusammenhang mit einer Partnerschaft oder Ex-Partnerschaft.

Wichtig sei, "dass die Partner und Ex-Partner als Täter klar benannt werden", sagte die Gewaltschutzexpertin weiter. Das gelte auch für die Räume und Umstände, in denen diese Frauen getötet worden seien. Die Ausübung von Gewalt lasse sich außerdem nicht einer bestimmten Schicht oder Bevölkerungsgruppe zuordnen, sie habe vielmehr "strukturelle als individuelle Gründe".

Haller forderte zum Schutz von Frauen hierzulande "genügend Plätze in Frauenhäusern und gut erreichbare Angebote in den Frauenberatungsstellen". Dabei gelte es, eine ausreichende Finanzierung sicherzustellen.

Auch Familien- und Frauenministerin Paus äußerte sich anlässlich des Internationalen Tags zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen und Mädchen an diesem Samstag und bezeichnete es als "sicherheitspolitische Aufgabe, Frauen, die Gewaltopfer sind, eine Schutzinfrastruktur bereitzuhalten". Das wolle sie mit ihrem Gewalthilfegesetz verbessern, mit dem noch in dieser Legislatur ein Rechtsanspruch auf Schutz und Beratung bei geschlechtsspezifischer und häuslicher Gewalt eingeführt werden soll.

Mecklenburg-Vorpommerns Gleichstellungsministerin Jacqueline Bernhardt (Linke) erklärte, Gewalterfahrung sei eines der größten Gesundheitsrisiken für Frauen und Mädchen weltweit. Sie warb vor diesem Hintergrund für das Hilfetelefon mit der Nummer 116 016.

Mehrere Polizeistellen in Deutschland machten am Samstag ebenfalls auf das Thema Gewalt gegen Frauen aufmerksam. Die Präsidentin der Polizeidirektion Göttingen, Tanja Wulff-Bruhn, rief dazu auf, "aktiv gegen Gewalt an Frauen einzustehen, Betroffene zu unterstützen und gemeinsam an einer Gesellschaft zu arbeiten, in der Frauen ohne Angst vor Gewalt leben können". Die Polizei Essen stellte eine orangefarbene Bank vor ihr Präsidium - die Farbe gilt in weltweiten Aktionen als Zeichen gegen Gewalt gegen Frauen.

(P.Vasilyevsky--DTZ)

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