Deutsche Tageszeitung - Israels Armee leitet Wasser in Hamas-Tunnel im Gazastreifen ein

Israels Armee leitet Wasser in Hamas-Tunnel im Gazastreifen ein


Israels Armee leitet Wasser in Hamas-Tunnel im Gazastreifen ein
Israels Armee leitet Wasser in Hamas-Tunnel im Gazastreifen ein / Foto: © Israeli Army/AFP

In ihrem Kampf gegen die radikalislamische Hamas hat die israelische Armee nach eigenen Angaben "große Mengen Wasser" in die Tunnel der islamistischen Palästinenserorganisation im Gazastreifen eingeleitet. Auf diese Weise solle "die Bedrohung durch das unterirdische Tunnelnetz der Hamas ausgeschaltet werden", erklärte die Armee am Dienstag. Dem wegen mutmaßlicher Beteiligung mehrerer Mitarbeiter an Hamas-Gräueltaten massiv kritisierten UN-Palästinenserhilfswerk UNRWA warf Israel derweil vor, "eine Fassade für die Hamas" zu sein.

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Das Tunnelsystem unter dem Gazastreifen gilt als eine der größten Herausforderungen für die israelische Armee im Kampf gegen die Hamas. Seit deren beispiellosem Angriff auf den Süden Israels am 7. Oktober ist die Armee entschlossen, die Tunnel zu zerstören.

Bei der Einleitung von Wasser in die Tunnel sei darauf geachtet worden, "das Grundwasser in dem Gebiet nicht zu beeinträchtigen", erklärte die israelische Armee. Der Zugang zu Trinkwasser für die Zivilbevölkerung sei nicht gefährdet. "Die Einleitung von Wasser wurde nur an geeigneten Tunnelrouten und Orten ausgeführt."

Einer Studie der US-Militärakademie West Point zufolge gibt es unter dem Gazastreifen rund 1300 Tunnel mit einer Gesamtlänge von 500 Kilometern. Anfang Dezember hatte die Armee erklärt, sie habe mehr als 800 Tunneleingänge entdeckt, von denen 500 zerstört worden seien.

Bei ihrem beispiellosen Angriff auf Israel am 7. Oktober hatten Kämpfer der von den USA und der EU als Terrororganisation eingestuften Hamas nach israelischen Angaben etwa 1140 Menschen getötet und rund 250 weitere als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt.

An dem Großangriff sollen auch zwölf Mitarbeiter des UN-Palästinenserhilfswerks beteiligt gewesen sein. Die UNRWA sei "in dreierlei Hinsicht grundlegend kompromittiert: Sie heuert massiv Terroristen an, lässt zu, dass ihre Infrastruktur für militärische Aktivitäten der Hamas genutzt wird und verlässt sich bei der Verteilung von Hilfsgütern im Gazastreifen auf die Hamas", sagte Regierungssprecher Eylon Levy am Dienstag in einem Video.

Israel geht seit Beginn des durch den Hamas-Überfall ausgelösten Krieges massiv militärisch im Gazastreifen vor. Nach jüngsten Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums, die nicht unabhängig überprüft werden können, wurden seit Kriegsbeginn mehr als 26.750 Menschen im Gazastreifen getötet.

Nach fast vier Monaten Krieg ist die humanitäre Lage im Gazastreifen katastrophal. Die Arbeit der UNRWA, das eine entscheidende Rolle bei der Versorgung der Zivilbevölkerung in dem Küstengebiet spielt, ist durch die jüngsten Enthüllungen gefährdet. UN-Generalsekretär António Guterres wollte sich am Dienstag in New York in Gesprächen mit wichtigen Geberländern für eine weitere Unterstützung des UNRWA einsetzen, wie sein Sprecher ankündigte. Guterres wolle erreichen, dass "zumindest die Kontinuität der Arbeit des UNRWA" sichergestellt werde.

Staaten wie Deutschland, Großbritannien, Japan, Kanada, Neuseeland und die USA hatten als Reaktion auf die Vorwürfe angekündigt, ihre Zahlungen an das Hilfswerk vorerst zu stoppen. Die Europäische Kommission - eine der größten Geldgeberinnen des UNRWA - kündigte an, ihre Hilfen für das UN-Hilfswerk zu überprüfen.

Am Wochenende hatten Vertreter der USA, Israels, Katars und Ägyptens in Paris über ein Abkommen beraten, das im Gegenzug für eine Feuerpause die Freilassung der Geiseln aus der Gewalt der Hamas im Gazastreifen vorsieht. Die Hamas erklärte am Dienstag, sie prüfe die in Paris ausgearbeiteten Vorschläge und bereite eine Antwort vor.

Nach Angaben des katarischen Regierungschefs Scheich Mohammed bin Abdulrahman Al Thani sieht der Plan eine stufenweise Waffenruhe vor, bei der zunächst als Geiseln festgehaltene Frauen und Kinder freigelassen würden und auch mehr Hilfsgüter nach Gaza kämen.

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu schloss derweil die Freilassung "tausender Terroristen" aus israelischen Gefängnissen als Teil einer Vereinbarung aus. "Ich möchte das klarstellen", sagte Netanjahu am Dienstag: "Wir werden die Armee nicht aus dem Gazastreifen abziehen und wir werden nicht tausende Terroristen freilassen. Nichts davon wird geschehen."

(I.Beryonev--DTZ)

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