Deutsche Tageszeitung - Mindestens 51 Tote bei Waldbränden in Chile

Mindestens 51 Tote bei Waldbränden in Chile


Mindestens 51 Tote bei Waldbränden in Chile
Mindestens 51 Tote bei Waldbränden in Chile / Foto: © AFP

Bei den schweren Waldbränden in Chile sind neuen Angaben zufolge mindestens 51 Menschen ums Leben gekommen. Die Behörden hatten zunächst 45 Todesopfer gemeldet, am Sonntag sagte Innenstaatssekretär Manuel Monsalve, sechs weitere Menschen seien in Krankenhäusern an den Folgen von Verbrennungen gestorben. Auch am Sonntag kämpften Feuerwehrleute weiter gegen die Flammen. Besonders schlimm traf es die Stadt Viña del Mar.

Textgröße ändern:

Im Zentrum und im Süden Chiles wüteten bei starker Trockenheit derzeit Dutzende Brände. Die Flammen griffen auch auf etliche Häuser über, unter anderem in der bei Touristen beliebten Küstenstadt Viña del Mar.

Präsident Gabriel Boric rief in den betroffenen Regionen den Notstand aus. Nach einem Rundflug mit einem Helikopter versprach er den betroffenen Menschen: "Wir werden als Regierung da sein, um Ihnen zu helfen, wieder auf die Beine zu kommen."

Um die Versorgung der betroffenen Gebiete mit Hilfsgütern zu ermöglichen, verhängten die Behörden eine Ausgangssperre, die am Samstag um 21.00 Uhr (Ortszeit) begann. Zudem wurden neue Evakuierungsanordnungen erlassen. Es war jedoch unklar, wie viele Menschen genau aufgefordert wurden, das betroffene Gebiet zu verlassen.

In den Hügeln rund um die Küstenstadt Viña del Mar waren in der Nacht zu Samstag ganze Straßenzüge niedergebrannt. Tausende Menschen, die ihre Häuser nach einer Evakuierungsanordnung verlassen hatten, fanden bei ihrer Rückkehr nur noch ausgebrannte Ruinen vor. In den Straßen lagen mit Tüchern abgedeckte Leichen. Über der Stadt hing dichter grauer Rauch.

Die 63-jährige Rosana Avendano war nicht zu Hause, als das Feuer in El Olivar, einem Stadtteil von Viña del Mar, ausbrach. "Es war schrecklich, wir haben alles verloren", sagte sie der Nachrichtenagentur AFP. Sie habe stundenlang um das Leben ihres Mannes gebangt, schließlich sei es ihr aber gelungen, ihn zu erreichen.

Viña del Mar liegt in der Touristenregion Valparaíso und ist etwa eineinhalb Autostunden von der Hauptstadt Santiago de Chile entfernt. In den Sommermonaten ist sie ein beliebter Urlaubsort. Die Bürgermeisterin Macarena Ripamonti sprach von einer "beispiellosen Katastrophe". Eine Krise "dieser Größenordnung hat es in der Region Valparaíso noch nie gegeben", sagte sie.

Nach Angaben von Innenministerin Carolina Tohá wurden bis Samstagmittag 92 Brände registriert. Landesweit seien schon 43.000 Hektar Land von den Flammen zerstört worden. Am Nachmittag kämpfte die Feuerwehr den Angaben zufolge immer noch 29 Brände. 40 Brände wurden unter Kontrolle gebracht.

Auch in den Städten Estrella und Navidad südwestlich der Hauptstadt Santiago de Chile wurden Häuser von den Flammen zerstört. Betroffen waren auch die südlich der Hauptstadt gelegenen Regionen O'Higgins, Maule, Biobío, La Araucanía und Los Lagos. In der Stadt Pichilemu, die als Surfparadies gilt, gab es ebenfalls Evakuierungen.

Bilder von Autofahrern, die auf der Flucht vor den Flammen nicht mehr weiterkamen, wurden vielfach in den Online-Netzwerken geteilt. Andere Fotos zeigten brennende Berge an der Autobahn Ruta 68, die im Sommer auch viele Urlauber nutzen.

"Das war ein Inferno", sagte Rodrigo Pulgar, der sein Haus in der im Landesinneren gelegenen Stadt El Olivar verlor, der AFP. Er habe noch versucht, seinem Nachbarn zu helfen, als plötzlich sein eigenes Haus in Flammen stand. "Es regnete Asche", sagte er.

Auch andere Länder in Südamerika sind von Bränden infolge der Dürre betroffen. In Argentinien kämpft die Feuerwehr seit Ende Januar gegen ein riesiges Feuer, das schon mehr als 3000 Hektar Land im Nationalpark Los Alerces zerstört hat. Wissenschaftler warnen, dass die Erderwärmung die Risiken von Naturkatastrophen verstärkt.

(V.Sørensen--DTZ)

Empfohlen

Jordanien meldet mehr als 20 getötete Dschihadisten nach Luftangriffen in Syrien

Bei jordanischen Vergeltungsangriffen in Syrien nach einem Anschlag auf eine christliche Kirche in Jordanien sind jordanischen Angaben zufolge mehr als 20 Dschihadisten getötet worden. Auch ein großes Waffenlager der Islamisten sei bei dem Angriff am Montag zerstört worden, teilte der jordanische Regierungssprecher Mohammed Al Momani am Dienstag mit. Zugleich war Amman bemüht, die Beziehungen zu Syrien nicht zu beeinträchtigen und erklärte, es habe "großen Respekt" für den syrischen Staat. Syrien schloss als Reaktion auf den jordanischen Angriff in Syrien einen Grenzübergang zu Jordanien und prangerte eine Verletzung seines Luftraums an.

Anschlag bei Paris: Prominente protestieren gegen Rassismus in Frankreich

Nach dem rassistischen Anschlag nahe Paris, bei dem ein Mensch getötet und fünf weitere verletzt wurden, haben etwa 100 Persönlichkeiten aus Kultur und Sport gegen Rassismus protestiert. "Wir wussten, dass die Worte des Hasses erneut mit Töten enden würden", steht über dem am Dienstag von dem Magazin "Politis" veröffentlichten Aufruf. Zu den Unterzeichnern zählen der Schauspieler Omar Sy, der Filmemacher Michel Hazanavicius, der ehemalige Fußballstar Lilian Thuram und zahlreiche Rapper. Die Unterzeichner wandten sich gegen "Gleichgültigkeit" und forderten eine Schweigeminute in der Nationalversammlung für den Getöteten.

EU schlägt Frontex-Einsatztruppe für Grenzschutz und Abschiebungen vor

Die EU-Kommission hat vorgeschlagen, innerhalb der europäischen Grenzschutzagentur Frontex eine Art flexible Einsatztruppe einzurichten. Frontex solle bis 2041 auf insgesamt 30.000 Mitarbeiter aufgestockt und eine "neue 'Europäische Reserve für Grenzschutz und Abschiebung' mit 17.000 Einsatzkräften geschaffen" werden, erklärte die Brüsseler Behörde am Dienstag. Diese solle "den Mitgliedstaaten zur Verfügung stehen und bei Bedarf eingesetzt werden können".

Prozess um Nord-Stream-Sprengung: Gericht lehnt Antrag auf Einstellung ab

Im Hamburger Prozess um die Sprengung der Nord-Stream-Pipelines ist die Verteidigung mit einem Antrag auf Verfahrenseinstellung gescheitert. Das Oberlandesgericht Hamburg lehnte diesen am Dienstag als unbegründet ab. In dem Verfahren ist ein früherer Offizier der ukrainischen Streitkräfte unter anderem wegen eines Kriegsverbrechens angeklagt. Er soll die Sprengung mitgeplant und zum Sabotageteam gehört haben. Das Gericht setzte Verhandlungstermine bis Ende Januar an.

Textgröße ändern: