Deutsche Tageszeitung - Trauer und Wut: Griechenland gedenkt Opfer von schwerem Zugunglück vor einem Jahr

Trauer und Wut: Griechenland gedenkt Opfer von schwerem Zugunglück vor einem Jahr


Trauer und Wut: Griechenland gedenkt Opfer von schwerem Zugunglück vor einem Jahr
Trauer und Wut: Griechenland gedenkt Opfer von schwerem Zugunglück vor einem Jahr / Foto: © AFP

Zwischen Trauer und Wut hat Griechenland am ersten Jahrestag der Opfer des schwersten Zugunglücks in der Geschichte des Landes gedacht. Mit landesweiten Demonstrationen mit mehr als 30.000 Teilnehmern und einem 24-stündigen Streik in öffentlichem Dienst und Verkehr unterstrichen die Menschen am Mittwoch ihre Forderung, die Ursachen des Zugunglücks mit 57 Toten endlich aufzuklären. Regierungschef Kyriakos Mitsotakis sprach von einem "nationalen Trauma".

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Am Jahrestag versammelten sich allein in der Hauptstadt Athen mehr als 20.000 Demonstranten, um die Aufarbeitung des Unglücks einzufordern. Vor dem Parlament schrieben Demonstranten die Namen der 57 Unglücksopfer in roter Farbe nieder.

Einige Protestteilnehmer warfen Molotowcocktails auf das Parlamentsgebäude. Die Polizei trieb die Menge daraufhin mit Tränengas auseinander, wie AFP-Reporter berichteten. Auch bei einer Demonstration in Griechenlands zweitgrößter Stadt Thessaloniki mit rund 10.000 Teilnehmern kam es laut Polizei zu Zusammenstößen.

Im Rahmen eines 24-stündigen Streiks kam seit Mitternacht der Zug- und Fährverkehr in Griechenland praktisch zum Erliegen. U-Bahnen und Taxis standen ebenfalls still. Taxifahrer und Fluglotsen nutzten den Streik zudem, um gegen die hohen Lebenshaltungskosten zu protestieren.

Auch Adedy, die Gewerkschaft für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst, rief dazu auf, die Arbeit 24 Stunden lang niederzulegen. "Ein Jahr danach sind die für die Tragödie Verantwortlichen immer noch nicht für ihre kriminellen Taten zur Verantwortung gezogen worden", hieß es zur Begründung.

Am Vormittag hatten in allen Kirchen des Landes die Glocken 57 Mal geläutet, um an die 57 Todesopfer des Zugunglücks zu erinnern. Für Sonntag ist ein Gedenkgottesdienst geplant.

Am Unglücksort in Tempi nahe der zentralgriechischen Stadt Larissa versammelten sich am Mittwoch mehr als tausend Menschen, zumeist Angehörige der Todesopfer des Zugunglücks sowie Überlebende. Sie legten in der Nähe der Bahngleise Blumen und Fotos nieder. Auch Rettungskräfte kamen zu dem Gedenken rund 350 Kilometer nördlich von Athen.

"Für uns alle ist die Zeit am 28. Februar 2023 stehen geblieben", sagte Antonis Psaropoulos, dessen 19-jährige Tochter Marthi damals starb. "Wir hören ihre Stimmen, die Gerechtigkeit fordern und eine exemplarische Bestrafung der Verantwortlichen", fügte er mit Blick auf die Verstorbenen hinzu. Einige riefen "Mörder ins Gefängnis!".

Fotini Kokkala-Beza, die bei dem Unglück ihre 20-jährige Tochter Francesca verloren hatte, sagte: "Der Friedhof ist unser zweites Zuhause geworden und unser Zuhause ist zu einem Friedhof geworden."

Am 28. Februar 2023 waren ein Güterzug und ein Passagierzug kollidiert, nachdem sie bereits 19 Minuten lang auf demselben Gleis gefahren waren. In dem Passagierzug waren wegen eines langen Wochenendes etwa 350 Menschen unterwegs, darunter viele Studenten.

Verursacht wurde das Unglück nach den bisherigen Erkenntnissen nicht nur durch menschliches Versagen, sondern auch durch schwerwiegende strukturelle Mängel bei der Bahn. Auch bei den folgenden Ermittlungen gab es offenbar schwere Pannen.

Mitsotakis sprach zum Jahrestag von einem "Kollektivversagen", das zu einem "nationalen Trauma" geführt habe. "Das menschliche Versagen ist auf fatale Weise mit dem anhaltenden Versagen des Staates zusammengefallen", räumte der Ministerpräsident, der vor einem Jahr bereits im Amt war, ein. Er versprach, dass die Schuldigen bestraft würden.

Die Befragungen der offiziellen Untersuchung des Unglücks sollen bis zum 8. Mai abgeschlossen werden. Gegen 34 Bahn-Mitarbeiter und Behördenvertreter wird ermittelt. Ein erster Prozess dürfte nicht vor Juni beginnen. Der damals zuständige Bahnhofsvorsteher und sein Vorgesetzter sitzen in Untersuchungshaft.

Das Zugunglück hatte den Rücktritt des Verkehrsministers, Massenproteste sowie eine Petition für eine leichtere Strafverfolgung von Politikern nach sich gezogen. Mit der Behebung der zahlreichen Mängel im Schienenverkehr wurde begonnen, allerdings kommt die Modernisierung nur langsam voran.

(W.Uljanov--DTZ)

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