Deutsche Tageszeitung - Weiterhin große Sorge um slowakischen Regierungschef Fico nach Attentat

Weiterhin große Sorge um slowakischen Regierungschef Fico nach Attentat


Weiterhin große Sorge um slowakischen Regierungschef Fico nach Attentat
Weiterhin große Sorge um slowakischen Regierungschef Fico nach Attentat / Foto: © AFP

Zwei Tage nach dem Attentat auf den slowakischen Ministerpräsidenten Robert Fico bleibt die Sorge um dessen Gesundheitszustand groß. Wie Vize-Regierungschef Robert Kalinak am Freitag sagte, wurde Fico erneut operiert, nach dem fast zweistündigen Eingriff war sein Zustand weiterhin "sehr ernst". Unterdessen durchsuchten Ermittler die Wohnung des mutmaßlichen Attentäters, der am Samstag erstmals vor Gericht erscheinen muss.

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Der pro-russische Regierungschef wurde weiterhin in dem Krankenhaus in der Stadt Banska Bystrica behandelt, in das er nach dem Attentat am Mittwoch eingeliefert worden war. Es werde voraussichtlich "ein paar Tage dauern, um zu sehen, wie sich sein Zustand entwickelt", sagte Kalinak weiter.

Am Donnerstag hatte der designierte neue Präsident der Slowakei, der Fico politisch nahestehende Peter Pellegrini, gesagt, der Regierungschef sei nach dem Attentat bei Bewusstsein geblieben. "Er erinnert sich an die Schüsse. Er war überrascht, dass es passieren konnte und wie schnell es ging", sagte Pellegrini dem Nachrichtensender TA3.

Die Ärzte würden am Montag über das weitere Vorgehen beraten, sagte Pellegrini. Dann solle auch erörtert werden, ob Fico weiter im Krankenhaus von Banska Bystrica behandelt werde oder ob er zur weiteren Behandlung "näher an seinen Wohnort" Bratislava gebracht werden könne.

Der ungarische Regierungschef Viktor Orban sagte in einem Radiointerview, selbst wenn sich Fico erhole, "wird er voraussichtlich monatelang abwesend sein". Die Europäische Union befinde sich gerade an einem "entscheidenden Moment". Bei der Europawahl im Juni müsse das Gleichgewicht im Parlament verändert werden, um das "Kriegsfieber" in Brüssel zu beenden, sagte Orban mit Blick auf den Ukraine-Krieg. Fico wie Orban leisten der von Russland angegriffenen Ukraine keine militärische Unterstützung.

Fico war nach einer Kabinettssitzung in der Kleinstadt Handlova von mehreren Schüssen getroffen worden, als er sich nach der Sitzung auf der Straße mit Bürgern unterhielt. Ein Augenzeuge, der 21-jährige Zugschaffner Richard Krajcik, sagte der Nachrichtenagentur AFP, Fico habe seine Hand ausgestreckt, um die Menge zu begrüßen, die hinter einer Sicherheitsabsperrung stand, als der Schütze mehrere Schüsse hintereinander abfeuerte.

Krajcik sagte weiter, er sei zur Begegnung mit Fico in der Hoffnung gekommen, ein Selfie-Foto mit ihm ergattern zu können. Dass auf den Regierungschef ein Attentat verübt wurde, habe er erst beim zweiten Knall verstanden. Selbst, als Fico schon zu Boden fiel, habe er zunächst an Feuerwerkskörper gedacht.

Der mutmaßliche Attentäter, ein Schriftsteller aus der zentralslowakischen Stadt Levice, war am Tatort von Sicherheitskräften überwältigt und festgenommen worden. Bei dem 71-Jährigen handelt es sich nach Angaben von Innenminister Matus Sutaj Estok um einen "Einzelgänger", der verärgert gewesen sei über den Ausgang der Präsidentschaftswahl. Bei dieser hatte der Fico-Verbündete Pellegrini gewonnen.

Wie eine Gerichtssprecherin in der westslowakischen Stadt Pezinok mitteilte, muss der mutmaßliche Schütze am Samstag erstmals vor Gericht erscheinen. Die Staatsanwaltschaft habe für ihn Untersuchungshaft beantragt, hieß es weiter.

Örtlichen Medien zufolge handelt es sich bei dem mutmaßlichen Attentäter um den 71-jährigen Schriftsteller Juraj Cintula. Gegen ihn war am Donnerstag ein Ermittlungsverfahren wegen versuchten Mordes eingeleitet worden. Die Behörden sprachen von einer politisch motivierten Tat.

Medienberichten zufolge durchsuchte die Polizei am Freitag die Wohnung des mutmaßlichen Angreifers in Levice. Demnach blieben die Polizisten mehrere Stunden in der Wohnung und beschlagnahmten einen Computer und Dokumente. Wenige Wochen vor der Europawahl hat das Attentat Befürchtungen vor weiterer Gewalt in der politisch stark gespaltenen Slowakei ausgelöst.

(Y.Ignatiev--DTZ)

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