Deutsche Tageszeitung - Bundesarchiv verzeichnet großes Interesse an Schicksal von Jüdinnen und Juden

Bundesarchiv verzeichnet großes Interesse an Schicksal von Jüdinnen und Juden


Bundesarchiv verzeichnet großes Interesse an Schicksal von Jüdinnen und Juden
Bundesarchiv verzeichnet großes Interesse an Schicksal von Jüdinnen und Juden / Foto: © AFP/Archiv

Das Bundesarchiv verzeichnet weiterhin ein erhebliches Interesse am Schicksal von Jüdinnen und Juden, die während der NS-Zeit in Deutschland lebten. Allein 2023 seien mehr als tausend diesbezügliche Anfragen eingegangen, wie die Behörde am Montag in Berlin mitteilte. Im laufenden Jahr seien es bis Ende April bereits etwa 500 Anfragen gewesen.

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Die Motive für Anfragen sind demnach unterschiedlich. Teilweise geht es um Fragen von Wiedergutmachung, Einbürgerungen oder andere Staatsangehörigkeitsfragen. Frühere Deutsche, welche die Staatsbürgerschaft in der NS-Zeit aus politischen, rassischen oder religiösen Gründen verloren hatten oder nicht erlangen konnten, können den deutschen Pass erhalten oder zurückerhalten. Seit 2021 gilt dies zudem auch für deren Nachfahren. Viele derartige Anfragen kommen den Angaben zufolge aus Israel.

Weitere Recherchen betreffen dem Archiv zufolge Auskunftswünsche von Angehörigen, wissenschaftliche Forschungsarbeiten sowie Stolperstein-Projekte. Dabei wird in der NS-Zeit Verfolgten an deren früherem Wohnort gedacht.

Grundlage der Datenbank des Bundesarchivs ist die sogenannte Residentenliste, die etwa 810.000 Personeneinträge umfasst. Sie wird mit dem Ziel gepflegt, das Verfolgungsschicksal von Jüdinnen und Juden zu dokumentieren. Die Datenbank stützt sich auf mehr als 3,8 Millionen Belegstellen aus knapp 1800 Quellen. Ein Online-Gedenkbuch, das auf den Angaben der Residentenliste beruht, umfasst Einträge von etwa 180.000 ermordeten Jüdinnen und Juden, die in der NS-Zeit ihren Wohnsitz in Deutschland hatten.

Teilweise geht der Datenbestand auf Volkszählungsdaten aus der NS-Zeit zurück. Damals sollte die jüdische Bevölkerung möglichst vollständig erfasst werde, um deren Verfolgung zu organisieren. Erfasst wurden bei der Zählung 1939 277.500 Menschen, die gemäß damaliger Definition als jüdisch eingestuft wurden. 1933 waren es noch mehr als 500.000 Menschen gewesen.

(A.Nikiforov--DTZ)

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