Deutsche Tageszeitung - In sozialen Netzwerken stark präsent: Niedersachsen verbietet salafistischen Verein

In sozialen Netzwerken stark präsent: Niedersachsen verbietet salafistischen Verein


In sozialen Netzwerken stark präsent: Niedersachsen verbietet salafistischen Verein
In sozialen Netzwerken stark präsent: Niedersachsen verbietet salafistischen Verein / Foto: © AFP/Archiv

Das niedersächsische Innenministerium hat den stark in sozialen Netzwerken präsenten radikalislamischen Verein Deutschsprachige Muslimische Gemeinschaft verboten. Bei den in Braunschweig ansässigen Verein handle es sich um "einen der zentralen Knotenpunkte" in der salafistischen Szene, erklärte das Ministerium am Mittwoch. Er verfüge über "ein massives und diversifiziertes Onlineangebot" und richte sich "gegen die verfassungsmäßige Ordnung und den Gedanken der Völkerverständigung".

Textgröße ändern:

Nach Angaben des Ministeriums in Hannover durchsuchten Einsatzkräfte der Polizei am Mittwochmorgen in Braunschweig sowie Berlin acht Objekte, um das Verbot durchzusetzen und Beweismittel zu suchen. Mit einem Verbot geht die Auflösung der Vereinsstrukturen einher, Vereinsvermögen wird beschlagnahmt.

Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens (SPD) bezeichnete das Verbot als "harten Schlag gegen die salafistische Szene in Niedersachsen und darüber hinaus". Die Sicherheitsbehörden in ihrem Bundesland gingen "konsequent" vor, sobald sich ein zentraler Anlaufpunkt der Szene entwickle.

Nach Angaben des Innenministeriums in Hannover bildet die Deutschsprachige Muslimische Gemeinschaft einen Schwerpunkt salafistisch-extremistischer Aktivitäten in Niedersachsen. Von besonderer Relevanz sei deren "enorme Reichweite, gerade in den für junge Menschen relevanten sozialen Medien". Der Verein übertrage unter anderem salafistische Predigten im Livestream und kommuniziere über große Plattformen wie Youtube, Tiktok und Instagram.

"Wir dulden keine Vereine, in denen regelmäßig vermeintlich Ungläubige, Frauen oder Juden sowie unsere Gesellschaftsordnung im Gesamten abgewertet werden und zu deren Bekämpfung aufgerufen wird", erklärte Behrens weiter.

Vereinsverbote sind neben strafrechtlichen Ermittlungen ein wesentliches Instrument von Behörden im Kampf gegen extremistische Gruppierungen. Die Innenministerien von Bund und Ländern können Vereine verbieten, wenn sie gegen Strafgesetze verstoßen oder die demokratische verfassungsmäßige Ordnung untergraben. Das ist im Vereinsgesetz entsprechend geregelt.

Verfassungsschützer warnen vor einer "Tiktokisierung des Islamismus" durch eine neue Generation jüngerer salafistischer Prediger. Gemeint ist, dass diese gezielt große soziale Netzwerke nutzen, um junge Menschen anzuziehen und zu beeinflussen. Der Verfassungsschutz in Brandenburg bezeichnete die Entwicklung jüngst als "Brandbeschleuniger" für Radikalisierungsprozesse.

(I.Beryonev--DTZ)

Empfohlen

Herbststurm "Luise" sorgt für Zugausfälle und Feuerwehreinsätze

Der Herbststurm "Luise" hat am Freitag im Westen und Südwesten Deutschlands für Beeinträchtigungen im Bahnverkehr und zahlreiche Feuerwehreinsätze gesorgt. In Nastätten in Rheinland-Pfalz kippte auf einem Stadtfest ein Gestell um, dabei wurden ein 58-Jähriger und ein 72-Jähriger schwer verletzt. Beide wurde mit einem Hubschrauber in ein Krankenhaus geflogen, wie die Polizei in Koblenz mitteilte.

Zehntausende in Taiwan nach Durchzug von Taifun "Champi" ohne Strom

Hunderte Verletzte, entwurzelte Bäume, zehntausende Haushalte ohne Strom: Der Taifun "Champi" ist über Taiwan hinweggefegt und hat dabei erhebliche Schäden in dem Inselstaat angerichtet. Zahlreiche Einsatzkräfte arbeiteten nach Angaben der Behörden am Samstag daran, die Stromversorgung für rund 56.000 Haushalte wiederherzustellen. Seit Donnerstag, als die ersten Warnungen vor dem Taifun ausgegeben wurden, kam ein Mensch ums Leben und etwa 500 weitere wurden verletzt.

Nach tödlichem Angriff auf Soldaten: Netanjahu droht Großoffensive im Westjordanland an

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat nach dem Tod von zwei Soldaten bei einem Angriff bewaffneter Palästinenser im besetzten Westjordanland eine großangelegte Militäroffensive angekündigt. Vier Tage vor der Parlamentswahl in Israel ordnete Netanjahu am Freitag eine "vollständige Abriegelung" des Palästinensergebiets an. Er stellte zudem eine Militäroffensive in Aussicht, wie es sie seit dem Sechstagekrieg im Jahr 1967 nicht gegeben habe.

Medienbericht: Weitere Anklage im Fall Wirecard

Im Wirecard-Skandal hat die Staatsanwaltschaft München I einem Medienbericht zufolge eine weitere Anklage erhoben. Wie das Nachrichtenmagazin "Spiegel" am Freitag berichtete, handelt es sich dabei um eine frühere Mitarbeiterin, die von Dezember 2019 bis zur Wirecard-Insolvenz im Juni 2020 im Zuständigkeitsbereich von Vorstand Jan Marsalek arbeitete. Zuvor war sie demnach in der Konzernbuchhaltung beschäftigt.

Textgröße ändern: