Deutsche Tageszeitung - Piwowarow: Hätten ohne Unterstützung Deutschlands "Haft nicht überlebt"

Piwowarow: Hätten ohne Unterstützung Deutschlands "Haft nicht überlebt"


Piwowarow: Hätten ohne Unterstützung Deutschlands "Haft nicht überlebt"
Piwowarow: Hätten ohne Unterstützung Deutschlands "Haft nicht überlebt" / Foto: © AFP

Nach seiner Freilassung im Rahmen des größten Gefangenenaustauschs zwischen Russland und dem Westen seit dem Kalten Krieg hat der russische Oppositionspolitiker Andrej Piwowarow Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) für seine aktive Rolle gedankt. Scholz am Vorabend bei seiner Ankunft am Flughafen Köln/Bonn zu treffen, sei "unglaublich" gewesen, sagte Piwowarow am Freitag bei einer Pressekonferenz in Bonn mit weiteren Freigekommenen. "Ohne die Unterstützung Deutschlands hätte niemand den Ort, wo wir waren, überleben können. Viele wurden vor dem Tod gerettet."

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Wenn er nicht "auf dieser Liste gelandet" wäre, würde er "immer noch" in seiner Zelle sitzen, sagte Piwowarow bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit den ebenfalls freigekommenen russischen Oppositionellen Wladimir Kara-Mursa und Ilja Jaschin. Er sei sicher, dass von dem Austausch "viele Menschen in Russland inspiriert" seien.

In seiner Gefängniszelle habe er viel Zeit zum Nachdenken gehabt, sagte Piwowarow. Und er sei zu der Erkenntnis gelangt, dass die Menschen im Westen "die Menschen in Russland nicht mit dem Staat assoziieren" sollten. Es gebe "viel Angst". Nicht jeder sei bereit, ins Gefängnis zu gehen. "Doch die Kräfte des Guten sind stark", betonte er.

An den Westen appellierte er: "Strecken Sie Hand aus, wenden sie sich den Menschen zu." Dies seien Schritte, "die uns allen helfen würden".

Denn das Weltbild, das die Propaganda zeige, beginne auseinanderzufallen. Die Menschen würden verstehen, "dass der Westen nicht der Feind ist, wie es das russische Fernsehen behauptet". Mit Blick auf die Rolle der freigekommenen russischen Oppositionellen sagte Piwowarow: "Wir wollen den Menschen in Russland, die jetzt unter Druck stehen, Hoffnung geben."

Russland und sein Verbündeter Belarus sowie auf der anderen Seite Deutschland, die USA und drei weitere Nato-Staaten hatten den Gefangenenaustausch am Donnerstagnachmittag in der türkischen Hauptstadt Ankara vollzogen. Russland ließ 15 Inhaftierte frei, unter ihnen vier Gefangene mit deutschem Pass.

Auch die Freilassung eines in Belarus zunächst zum Tode verurteilten und später begnadigten Deutschen konnte erreicht werden. Nach russischen Angaben wurden im Gegenzug acht russische Häftlinge und zwei Minderjährige, die Kinder von zwei der Freigelassenen, nach Russland ausgeflogen.

Piwowarow gehört zu den bekanntesten Oppositionspolitikern in Russland. Er war 2022 wegen unerlaubter Publikationen zu vier Jahren Haft in einem Straflager verurteilt worden. Piwowarow befand sich zu diesem Zeitpunkt bereits seit mehr als einem Jahr in Haft. In dem Prozess wurde ihm vorgeworfen, im Onlinenetzwerk Facebook für eine verbotene Organisation geworben zu haben.

Der 42-Jährige war früher Chef der Oppositionsbewegung Offenes Russland, die von dem Oligarchen und Kreml-Kritiker Michail Chodorkowski gegründet worden war. Ende Mai 2021 gab Piwowarow die Auflösung der Organisation bekannt, was er damit begründete, dass deren Mitglieder vor Strafverfolgung geschützt werden sollten.

Offenes Russland war 2014 von Chodorkowski gegründet worden, um die pro-europäische Opposition in Russland zu einen. Chodorkowski lebt seit seiner Begnadigung nach zehn Jahren Haft seit 2013 im Ausland.

(P.Hansen--DTZ)

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