Deutsche Tageszeitung - Rechtsextreme Straftaten 2024 auf Rekordhoch gestiegen

Rechtsextreme Straftaten 2024 auf Rekordhoch gestiegen


Rechtsextreme Straftaten 2024 auf Rekordhoch gestiegen
Rechtsextreme Straftaten 2024 auf Rekordhoch gestiegen / Foto: © AFP/Archiv

Die Zahl der rechtsextremen Straftaten in Deutschland hat im vergangenen Jahr einen neuen Höchststand erreicht. Das geht aus der Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage der Linken-Gruppe im Bundestag hervor, die der Nachrichtenagentur AFP am Montag vorlag. Demnach verzeichnete die Polizei bundesweit bis zum 30. November 2024 33.963 Delikte im Bereich "politisch motivierte Kriminalität – rechts" - das sind bereits 17 Prozent mehr als im gesamten Vorjahr.

Textgröße ändern:

Über die neuen Daten hatte zuerst das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) berichtet. Die abschließende Gesamtzahl rechtsextremer Straftaten in der BKA-Statistik für 2024, die voraussichtlich im Mai vorgestellt wird, dürfte nicht nur höher ausfallen, da im Dezember begangene Straftaten noch nicht berücksichtigt sind. Üblicherweise ist auch mit Nachmeldungen für die Monate davor zu rechnen.

Im Jahr 2023 hatte das Bundeskriminalamt insgesamt 28.945 rechtsmotivierte politische Straftaten erfasst. 2024 ist die Zahl solcher Straftaten damit um mindestens 17,34 Prozent angestiegen. Auch 2023 war bereits ein deutlicher Anstieg im Jahresvergleich verzeichnet worden. Die erneute Zunahme führte das Bundesinnenministerium unter anderem auf die große Zahl unterschiedlicher Wahlen im Jahresverlauf 2024 zurück.

Von den fast 34.000 bis einschließlich November registrierten rechtsmotivierten Straftaten waren 1136 Gewaltdelikte, davon 988 Körperverletzungen, fünf Tötungsdelikte und fünf versuchte Tötungsdelikte. Hinzu kamen 17 Brandstiftungen. Im gesamten Jahr 2023 waren 1270 Gewaltdelikte verzeichnet worden.

Den größten Anteil der Straftaten machten 2024 Propagandadelikte (21.311) und Volksverhetzungen (5097) aus, die Polizei verzeichnete außerdem 1942 Sachbeschädigungen sowie 608 Nötigungen und Bedrohungen.

Regierungssprecher Steffen Hebestreit sprach von "besorgniserregenden Entwicklungen". Bei rechtsextremistischen aber auch anderen extremistischen Straftaten sei die Gesellschaft zu Zivilcourage und eigenem Engagement aufgefordert, der Staat zudem zu Strafprävention und -verfolgung, betonte Hebestreit.

Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) erklärte, Politik und Sicherheitsbehörden setzten "alle Instrumente unseres Rechtsstaats ein, um Menschen in unserem Land vor rechtsextremistischen, rassistischen und antisemitischen Taten zu schützen". Der Anstieg zeigt aus ihrer Sicht auch: "Es wird mehr ermittelt und es werden mehr Taten verfolgt."

Die Linken-Bundestagsabgeordnete Martina Renner sprach von einer alarmierenden Entwicklung. "Die Zahlen steigen in den vergangenen Jahren kontinuierlich um 20 bis 25 Prozent. Durchgreifende Maßnahmen der Innenpolitik, diese gefährliche Entwicklung zu stoppen, sind nicht in Sicht", kritisierte Renner. Sie wies auch darauf hin, dass der Anteil der jugendlichen Gewalttäter zuletzt angestiegen sei.

Renner sah auch einen Zusammenhang zwischen dem Aufstieg der in Teilen rechtsextremen AfD und der wachsenden rechten Gewalt. Sie forderte daher den Bundestag auf, beim Bundesverfassungsgericht eine Überprüfung der Verfassungswidrigkeit der AfD zu beantragen. Ein Verbot der AfD würde "der wichtigsten Organisation der extremen Rechten ihre Funktion auch für die gewaltbereite Szene entziehen."

(N.Loginovsky--DTZ)

Empfohlen

19 Jahre alter Vermisstenfall in Bayern geklärt: 39-Jährige wurde getötet

Die Polizei in Bayern hat nach fast 20 Jahren den Cold Case der vermissten Kerstin Lee Langley aufgeklärt. Zwei Männer und eine Frau sollen die damals 39-Jährige im Jahr 2007 gemeinschaftlich getötet haben, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Montag in Regensburg mit. Einer der Männer wurde festgenommen, der zweite ist mittlerweile verstorben. Der Haftbefehl gegen die 56 Jahre alte Frau sei außer Vollzug gesetzt worden.

Nach tödlicher Messerattacke in Seniorenheim: Verletzte Frauen außer Lebensgefahr

Nach einer tödlichen Messerattacke in einem Seniorenheim in Nordrhein-Westfalen sind die beiden verletzten Bewohnerinnen außer Lebensgefahr. Die zunächst lebensgefährlich verletzte 83-Jährige und eine 81-Jährige, die schwere Verletzungen erlitten hatte, wurden am Wochenende operiert, wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Montag in Coesfeld und Münster mitteilten. Ein 72-Jähriger soll am Freitag eine 86-jährige Mitbewohnerin getötet und die beiden anderen Frauen schwer verletzt haben.

Nach Fund von totem 84-Jährigen in Ulm: Ermittler gehen von Verbrechen aus

Nach dem Fund eines toten 84-Jährigen vor rund zwei Wochen in Ulm wird wegen eines möglichen Tötungsdelikts ermittelt. Wie Staatsanwaltschaft und Polizei in der baden-württembergischen Stadt am Montag mitteilten, bestätigte eine Obduktion inzwischen erste Hinweise auf ein Verbrechen. Einzelheiten zur Tat oder möglichen Hintergründen nannten diese nicht.

43 Jahre nach Mord an Sexarbeiter in Hamburg: Urteil gegen 61-Jährigen rechtskräftig

Mehr als 43 Jahre nach dem gewaltsamen Tod eines transsexuellen Prostituierten in Hamburg ist der Schuldspruch gegen den wegen Mordes verurteilten Täter rechtskräftig. Der Bundesgerichtshof (BGH) verwarf die Revision des heute 61-jährigen Mannes, der die Tat im Alter von 18 Jahren begangen haben soll. Wie das Gericht am Montag in Karlsruhe weiter mitteilte, war der Beschuldigte vom Landgericht Hamburg im Mai 2026 zu einer Jugendstrafe von sechs Jahren und drei Monaten verurteilt worden.

Textgröße ändern: