Deutsche Tageszeitung - Proteste gegen Habeck an Fähranleger: Staatsanwaltschaft ermittelt weiter

Proteste gegen Habeck an Fähranleger: Staatsanwaltschaft ermittelt weiter


Proteste gegen Habeck an Fähranleger: Staatsanwaltschaft ermittelt weiter
Proteste gegen Habeck an Fähranleger: Staatsanwaltschaft ermittelt weiter / Foto: © AFP/Archiv

Nach Bauernprotesten gegen Vizekanzler Robert Habeck (Grüne) an einem Fähranleger im schleswig-holsteinischen Schlüttsiel vor gut einem Jahr laufen noch Ermittlungen der Staatsanwaltschaft "wegen Straftaten zum Nachteil von Passagieren". Dies geschehe "aufgrund einer Neubewertung des Sachverhalts", teilte die Staatsanwaltschaft in Flensburg am Donnerstag ohne Nennung von Details mit.

Textgröße ändern:

Ihre Ermittlungen wegen Verdachts des Landfriedensbruchs hatte die Behörde kürzlich eingestellt. Die Überprüfung der Abläufe vom 4. Januar hätten keine Anhaltspunkte ergeben, dass Gewalttätigkeiten von Teilnehmern des Protests "gezielt und organisiert" verübt worden wären, teilte sie vor etwa einem Monat mit. Ermittelt werde nur gegen einen Demonstranten wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte. Er soll eine Polizeikette durchbrochen haben.

Aufgrund der unübersichtlichen Lage hätten die Einsatzkräfte damals keine weitere Verdächtigen identifizieren können, teilte die Staatsanwaltschaft am 10. Januar zur Begründung weiter mit. "Deeskalationsmaßnahmen" hätten Vorrang gehabt. Deshalb seien auch die Ermittlungen wegen weiterer in Frage kommender Straftatbestände wie Nötigung und Beleidigung eingestellt worden.

Am Abend des 4. Januars hatten sich etwa 250 bis 300 Demonstranten an einem Anleger im Hafen von Schlüttsiel versammelt, an dem eine von der Hallig Hooge kommende Inselfähre mit Habeck an Bord anlegen sollte. Es handelte sich um ein normales Schiff, an Bord waren auch zahlreiche andere Fahrgäste.

Aufgrund von Sicherheitsbedenken wegen der aufgeheizten Stimmung ging Habeck damals nicht von Bord. Er fuhr mit dem Schiff nach Hooge zurück. Während des Ablegevorgangs versuchte mehrere Demonstrationsteilnehmer eine Polizeikette zu durchbrechen und sich über die Rampe des Anlegers zum Schiff zu begeben.

Früheren Medienberichten zufolge verließen damals die meisten der übrigen Passagiere die Fähre, bevor sie wieder ablegte. Demnach sollten Landwirte allerdings einen Lastwagen blockiert haben, der das Schiff verlassen wollte.

Der Zwischenfall ereignete sich während einer Phase bundesweiter Proteste von Landwirten gegen die geplante Streichung von Subventionen durch die Bundesregierung. Die Stimmung bei Demonstrationen war teils aufgeheizt, es kam unter anderem zu illegalen Blockaden von Autobahnen und Hafenzufahrten.

Habeck war damals privat an der Nordsee unterwegs. Die Blockade der Fähre mit dem Bundeswirtschaftsminister und Vizekanzler sorgte bundesweit für Aufsehen sowie parteiübergreifende Kritik, der Deutsche Bauernverband distanzierte sich. Habeck selbst äußerte sich besorgt über die aufgeheizte Stimmung im Land. Später sagte er in einem Interview, er habe danach mit seiner Familie über einen möglichen Rückzug aus der Politik gesprochen.

(W.Budayev--DTZ)

Empfohlen

Prozess um Sprengung von Nord-Stream-Pipelines mit Anklageverlesung begonnen

Mit der Verlesung der Anklage hat am Mittwoch in Hamburg der Prozess um die Sprengung der Nord-Stream-Pipelines vor rund vier Jahren begonnen. Vor dem Oberlandesgericht der Hansestadt muss sich der 50-jährige ukrainische Staatsbürger Serhii K. verantworten. Laut Anklage der Bundesanwaltschaft soll es sich um einen früheren Offizier der ukrainischen Streitkräfte handeln, der den Plan zur Sprengung der Erdgasleitungen mit anderen Militärangehörigen entwickelte und das Sabotageteam anführte.

24-Jähriger bei tödlichem Arbeitsunfall in Bremen in Maschine eingeklemmt

Ein 24-Jähriger ist bei einem Arbeitsunfall in Bremen in einer Maschine eingeklemmt worden und gestorben. Der Mann erlag seinen Verletzungen noch vor Ort, wie die Polizei am Mittwoch mitteilte. Demnach ereignete sich das Unglück in der Nacht im Stadtteil Häfen.

Fußfessel statt Haftanstalt: Österreichischer Investor Benko darf in Hausarrest

Der wegen Betrugs verurteilte österreichische Investor René Benko darf Medienberichten zufolge das Gefängnis verlassen - mit einer Fußfessel. Wie die österreichische Nachrichtenagentur APA am Mittwoch berichtete, wurde ein entsprechender Antrag auf Überstellung in den elektronisch überwachten Hausarrest bei einer Haftprüfungsverhandlung am Innsbrucker Landesgericht bewilligt. Benkos Verteidiger geht demnach davon aus, dass sein Mandant noch diese Woche in den Hausarrest kommt.

Lungenkrebs: Papst Leo XIV. erholt sich von Operation

Einen Tag nach seiner Operation an der Lunge wegen eines bösartigen Tumors erholt sich Papst Leo XIV. im Krankenhaus. Der Papst habe eine "ruhige Nacht" verbracht, teilte der Vatikan am Mittwoch mit. Im Zuge der Operation war beim Pontifex Lungenkrebs festgestellt worden. Um eine vollständige Entfernung eines "Adenokarzinoms der Lunge" sicherzustellen, sei dem Oberhaupt der katholischen Kirche während des 90-minütigen Eingriffs der "Unterlappen des rechten Lungenflügels entfernt" worden, erklärte der Heilige Stuhl. Aus aller Welt erreichten den Papst Genesungswünsche.

Textgröße ändern: