Deutsche Tageszeitung - Polizei erfasst Anstieg von Gewalttaten - besonders bei Kindern und Jugendlichen

Polizei erfasst Anstieg von Gewalttaten - besonders bei Kindern und Jugendlichen


Polizei erfasst Anstieg von Gewalttaten - besonders bei Kindern und Jugendlichen
Polizei erfasst Anstieg von Gewalttaten - besonders bei Kindern und Jugendlichen / Foto: © AFP

Mehr Körperverletzungen und Sexualstraftaten, weniger Drogendelikte und Fälle von Cybercrime: Die Polizei hat im vergangenen Jahr in Deutschland einen Anstieg der Gewalttaten, in anderen Kriminalitätsbereichen aber auch teils erhebliche Rückgänge registriert. Die am Mittwoch veröffentlichte Polizeiliche Kriminalstatistik weist für 2024 einen Rekordwert von 217.277 Fällen von Gewaltkriminalität aus - das sind 1,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Gestiegen sind in dem Bereich die Zahlen minderjähriger und ausländischer Tatverdächtiger.

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Anstiege gab es im Bereich Gewaltkriminalität bei Sexualdelikten (9,3 Prozent), Körperverletzungen (2,4 Prozent), aber auch bei Mord, Totschlag und Tötung auf Verlangen (0,9 Prozent). Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) forderte bei der Vorstellung der Statistik "null Toleranz" bei Straftaten. "Strafe muss wenn möglich auf dem Fuß folgen", sagte die Ministerin. Das gelte insbesondere für Jugendliche.

Denn hier stieg die Zahl der Verdächtigen von Gewalttaten besonders: Bei Kindern um 11,3 Prozent, bei Jugendlichen um 3,8 Prozent. Faeser machte vor allem "mangelnde Perspektiven" und "steigende Armut" unter Jugendlichen verantwortlich. Bundeskriminalamts-Chef Holger Münch sieht auch Spätfolgen durch psychische Belastungen der Corona-Einschränkungen als Gründe.

Die Gesamtzahl der erfassten Straftaten lag 2024 bei 5,84 Millionen - das sind 1,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Hauptgrund dafür ist, dass ein früherer Deliktsbereich seit 1. April 2024 weitgehend abgeschafft ist: Konsum und Anbau von Cannabis. Die Zahl gilt somit als kaum vergleichbar mit dem Vorjahr. Hätten sich die Fallzahlen im Fünf-Jahres-Durchschnitt entwickelt, wäre ein leichter Anstieg verzeichnet worden, schreiben die Autorinnen und Autoren.

Bei Drogendelikten insgesamt gab es einen Rückgang von 34,2 Prozent auf 228.104. 2023 hatten die Polizeibehörden gut 215.000 Cannabis-Delikte erfasst, 2024 waren es noch 101.345. Auch bei Heroin gab es einen Rückgang - hier von 14,8 Prozent. Straftaten im Zusammenhang mit anderen Drogen wie Kokain, LSD oder Metamphetaminen stiegen allerdings.

Im Feld Cybercrime gingen die Zahlen um 2,2 Prozent auf 131.391 zurück. Das ist der zweite Rückgang in Folge. Hier gibt es aber üblicherweise ein großes Dunkelfeld, also Taten, die nicht gemeldet werden.

Gemessen am Anteil der Gesamtbevölkerung registrierte die Polizei unter Tatverdächtigen bei Gewaltkriminalität einen viermal höheren Ausländeranteil, über alle Straftaten hinweg war dieser knapp dreimal höher. BKA-Chef Münch erklärte das mit dem hohen Anteil junger Männer unter Ausländern - einer Gruppe, die grundsätzlich eher gewalttätig wird als Ältere und Frauen. Zudem spielten Gewalterfahrungen und psychische Belastungen aus den Herkunftsländern oft eine Rolle.

"Migratiossteuerung ist enorm wichtig, um dieses Problem überhaupt beherrschen zu können", sagte Münch. Ministerin Faeser sagte, über Ausländerkriminalität müsse "ohne Scheu, aber auch ohne Ressentiments" gesprochen werden. "Wir wollen, dass Straftäter schneller abgeschoben werden", sagte sie. "Wer sich nicht an die Regeln hält, muss gehen."

Auch der Chef der Innenministerkonferenz, Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD), forderte konsequentere Abschiebungen. "Die Realität ist, dass von zehn Personen, die einwandern, neun hier bleiben", beklagte er bei der Vorstellung der Statistik.

AfD-Chefin Alice Weidel schrieb bei X: "Es wird immer gefährlicher in Deutschland: Die Gewaltkriminalität nimmt weiter zu." Es brauche daher "eine Sicherheitsoffensive und eine wirkliche Migrationswende". BSW-Chefin Sahra Wagenknecht sagte der Zeitung "Welt", Deutschland sei unter Faeser "ein unsicheres Land" geworden. Die innere Sicherheit müsse einer der Schwerpunkte der neuen Regierung werden.

Ministerin Faeser äußerte sich besorgt wegen der gestiegenen Zahl von Frauen, die Opfer von Gewalt werden. Sie forderte in dem Zusammenhang erneut unter anderem die Einführung der elektronischen Fußfessel für Gewalttäter.

"Alarmiert" zeigte sich davon auch die Grünen-Politikerin Irene Mihalic. "Dass Männer in diesem Ausmaß Gewalt gegen Frauen ausüben, insbesondere gegen Partnerinnen und Ex-Partnerinnen, darf keine Normalität sein", sagte Mihalic AFP. Die künftige Bundesregierung müsse "deutlich mehr Geld für breit angelegte Programme zur Gewaltprävention zur Verfügung stellen."

(Y.Ignatiev--DTZ)

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