Deutsche Tageszeitung - Thailand entzieht US-Akademiker nach Vorwurf der Majestätsbeleidigung das Visum

Thailand entzieht US-Akademiker nach Vorwurf der Majestätsbeleidigung das Visum


Thailand entzieht US-Akademiker nach Vorwurf der Majestätsbeleidigung das Visum
Thailand entzieht US-Akademiker nach Vorwurf der Majestätsbeleidigung das Visum / Foto: © AFP/Archiv

Die thailändischen Behörden haben einem wegen Majestätsbeleidigung festgenommenen US-Akademiker das Visum entzogen. "Anwälte wurden darüber informiert, dass die Einwanderungspolizei das Visum von Paul Chambers widerrufen hat", schrieb die Organisation Thailändische Anwälte für Menschenrechte (TLHR) am Mittwoch im Kurzbotschaftendienst X. Chambers' Anwältin Wannaphat Jenroumjit sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Einwanderungspolizei habe den Südostasien-Experten in der Haftanstalt besucht und ihn über den Entzug des Visums informiert.

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TLHR erklärte später, ein Berufungsgericht habe angeordnet, den seit mehr als zehn Jahren an der nordthailändischen Naresuan-Universität lehrenden Dozenten gegen Kaution freizulassen. Chambers muss demnach aber so lange im Gefängnis der Provinz Phitsanulok bleiben, bis klar ist, welche Kaution die Einwanderungspolizei verlangt.

Der Akademiker war am Dienstag nach einer Anzeige wegen Majestätsbeleidigung festgenommen worden. Er hatte der AFP vergangene Woche gesagt, die Vorwürfe würden sich auf Äußerungen während eines Webinars im vergangenen Jahr beziehen. Dabei habe er über das Verhältnis zwischen dem thailändischen Militär und der Monarchie gesprochen. Das US-Außenministerium äußerte sich am Dienstag "alarmiert" über Chamber's Festnahme.

Der thailändische König Maha Vajiralongkorn und seine Familie werden durch das Gesetz gegen Majestätsbeleidigung mit mitunter drastischen Strafen bei Verstößen vor Kritik geschützt. Internationale Beobachter kritisierten wiederholt, das Gesetz werde zur Unterdrückung gesellschaftlicher Debatten missbraucht und gegen Akademiker, Aktivisten und Studenten angewandt.

Im vergangenen Jahr wurde ein Mann in Nordthailand wegen Majestätsbeleidigung zu fünfzig Jahren Haft verurteilt. 2023 erhielt ein Mann zwei Jahre Haft, weil er satirische Kalender verkauft hatte, die nach Ansicht eines Gerichts den König verleumdeten.

Das umstrittene Gesetz gegen Majestätsbeleidigung wurde bislang allerdings kaum gegen ausländische Staatsangehörige angewandt. Chambers sagte vergangene Woche: "Ich glaube, ich bin der erste Nicht-Thailänder seit Jahren, der mit diesem Vorwurf konfrontiert wird."

Chanatip Tatiyakaroonwong von der Menschenrechtsorganisation Amnesty International sagte AFP, der Entzug von Chambers' Visum sei eine "Botschaft an ausländische Journalisten und Akademiker, die in Thailand arbeiten, dass es Konsequenzen haben kann, über die Monarchie zu sprechen".

(S.A.Dudajev--DTZ)

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