Deutsche Tageszeitung - Generalbundesanwalt warnt vor Gefahr durch IS und radikalisierte Einzeltäter

Generalbundesanwalt warnt vor Gefahr durch IS und radikalisierte Einzeltäter


Generalbundesanwalt warnt vor Gefahr durch IS und radikalisierte Einzeltäter
Generalbundesanwalt warnt vor Gefahr durch IS und radikalisierte Einzeltäter / Foto: © AFP/Archiv

Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) und ihre Ableger sind nach Einschätzung der Bundesanwaltschaft weiter eine Gefahr. Dem IS gelinge es nach wie vor, Anhänger für Anschläge etwa in Deutschland zu mobilisieren, sagte Generalbundesanwalt Jens Rommel am Montagabend vor Journalisten in Karlsruhe. Anschläge der vergangenen Monate zeigten außerdem, dass von radikalisierten Menschen auch dann eine Gefahr ausgehe, wenn sie nicht direkt an eine terroristische Gruppe angebunden seien.

Textgröße ändern:

Rommel verwies auf den Messerangriff von Mannheim mit einem Toten im Mai 2024 und den Autoanschlag auf eine Gewerkschaftsdemonstration in München im Februar dieses Jahres mit zwei Toten. In beiden Fällen hätten sich die Beschuldigten vor der Tat mit vermeintlichen Islamgelehrten ausgetauscht, die sie darin bestärkt hätten, Gegner des Islams anzugreifen.

Beide Beschuldigte hätten vor den Taten als sehr gut integriert gegolten und keine szenetypischen Kontakte gehabt, sagte Rommel weiter. Selbst ihrem nahen Umfeld sei die bedrohliche Radikalisierung weitgehend verborgen geblieben.

In Mannheim soll ein aus Afghanistan stammender IS-Sympathisant am 31. Mai 2024 Mitglieder und Sympathisanten der islamkritischen Bürgerbewegung Pax Europa mit einem Messer angegriffen und einen zu Hilfe eilenden Polizisten getötet haben. Derzeit muss sich der mutmaßliche Täter vor dem Oberlandesgericht Stuttgart verantworten.

In München fuhr am 13. Februar ein aus Afghanistan stammender Mann mit einem Kleinwagen in eine Demonstration von Mitgliedern der Gewerkschaft Verdi. Eine 37-jährige Frau und ihre zweijährige Tochter wurden getötet. 54 weitere Menschen wurden verletzt.

"Übersteigerte religiöse und politische Vorstellungen" des Beschuldigten könnten seine Handlungen nach Angaben der Bundesanwaltschaft geleitet haben. Er habe offenbar gedacht, im Namen des Islams willkürlich ausgewählte Menschen töten zu müssen. Der Mann sitzt in Untersuchungshaft.

Rommel berichtete auch von den Ermittlungen zur Messerattacke von Bielefeld am 18. Mai. Ein 35 Jahre alter Syrer soll gezielt auf Gäste einer Bar eingestochen haben, die dort den Aufstieg ihres Fußballvereins feierten. Vier Menschen wurden schwer verletzt.

Der mutmaßliche Messerangreifer hatte womöglich schon vor der Tat Kontakt zum IS. Es gebe mittlerweile Anhaltspunkte dafür, dass er sich schon in Syrien für den IS betätigt habe, sagte der Generalbundesanwalt. Auch in dem Fall sitzt der Tatverdächtige in Untersuchungshaft.

(U.Kabuchyn--DTZ)

Empfohlen

"Rote Linie" Mekka: Saudi-Arabien wirft Huthis Angriff auf heilige Stadt vor

Saudi-Arabien hat der jemenitischen Huthi-Miliz einen Drohnenangriff auf die für Muslime heilige Stadt Mekka vorgeworfen und vor einer "roten Linie" gewarnt. Die von Riad angeführte Militärkoalition gegen die pro-iranischen Huthis erklärte am Mittwoch, die saudiarabische Luftabwehr habe die "feindliche" Drohne abgewehrt. Der Vorfall sorgte in der muslimischen Welt für Empörung und könnte den Konflikt in der Region weiter verschärfen. Die Huthis wiesen die Vorwürfe aber als "Lüge" zurück.

25 Jahre Haft für Kosovos Ex-Präsident Thaci wegen Kriegsverbrechen

Der im Kosovo weithin verehrte frühere Präsident und Guerillakämpfer Hashim Thaci ist wegen Kriegsverbrechen im Kosovo-Krieg zu 25 Jahren Haft verurteilt worden. Das Sondertribunal in Den Haag befand Thaci am Mittwoch unter anderem der "rechtswidrigen Festnahme, Folter, des Mordes und grausamer Behandlung" schuldig. Kosovos Regierungschef Albin Kurti bezeichnete das Urteil als "inakzeptable Ungerechtigkeit". In der Hauptstadt Pristina und in Den Haag kam es zu Konfrontationen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften.

Drei Jahre Haft in Prozess um tote Zwillinge auf E-Roller in Frankfurt am Main

Gut ein Jahr nach einem E-Rollerunfall mit einem toten Zwillingspaar und einem Schwerverletzten hat das Landgericht Frankfurt am Main einen 24-Jährigen zu drei Jahren Haft verurteilt. Schuldig gesprochen wurde er wegen fahrlässiger Tötung in zwei Fällen, fahrlässiger Körperverletzung und versuchten Mordes, wie ein Gerichtssprecher am Mittwoch sagte.

Über 60 Millionen Euro Schaden durch Geldwäsche und Steuerhinterziehung - Razzia

Weil sie den Behörden durch Geldwäsche und Hinterziehung mehr als 60 Millionen Euro an Steuern vorenthalten haben sollen, ermittelt der Zoll in Hessen gegen insgesamt 50 Beschuldigte. Sie sollen über ein Netz aus Scheinfirmen Bargeld gewaschen und Steuern sowie Sozialabgaben hinterzogen haben, wie das Hauptzollamt Frankfurt am Main am Mittwoch mitteilte. Demnach arbeitete die Gruppe seit 2017 als Dienstleister.

Textgröße ändern: