Deutsche Tageszeitung - Trauer und Wut nach Absturz von Militärjet auf Schule in Bangladesch

Trauer und Wut nach Absturz von Militärjet auf Schule in Bangladesch


Trauer und Wut nach Absturz von Militärjet auf Schule in Bangladesch
Trauer und Wut nach Absturz von Militärjet auf Schule in Bangladesch / Foto: © AFP

Nach dem Absturz eines Militärjets auf eine Schule in Bangladesch hat sich Wut in die Trauer um die mehr als 30 Todesopfer gemischt. Bei einem Protest auf dem Schulgelände warfen Schüler den Behörden vor, die wahre Opferzahl zu verschweigen. Zugleich gedachten Lehrer und Angehörige der Toten und bangten um dutzende Verletzte, von denen einige noch in Lebensgefahr schwebten.

Textgröße ändern:

Bei der Protestaktion hielten Schüler Plakate mit Aufschriften wie "Wir wollen Gerechtigkeit" und "Wo sind die Leichen unserer Brüder und Schwester?" hoch. "In diesem Lehrgebäude waren hunderte Schüler", sagte ein 17-jähriger Schüler, der anonym bleiben wollte, der Nachrichtenagentur AFP. "Wir haben überall auf dem Gelände Körperteile gesehen." Nun sei unklar, wo die vielen Opfer geblieben seien.

Zwischen Demonstrierenden und Sicherheitskräften kam es kurzzeitig zu Handgemengen. "Einige Soldaten sind mit Schülern aneinandergeraten", sagte Justizminister Asif Nazrul und bat um Entschuldigung. Zugleich sicherte er zu, dass die Regierung die Opfer und ihre Angehörigen unterstützen und entschädigen werde.

Ein Jagdflieger der Armee war am Montag während eines Übungsflugs abgestürzt und auf die Schule im Nordwesten der Hauptstadt Dhaka gekracht. Nach neuen Erkenntnissen seien mindestens 31 Menschen ums Leben gekommen, sagte Sayedur Rahman vom Ministerium für Gesundheit und Familienfürsorge. Zuvor hatte er von 27 Toten gesprochen, darunter 25 Kinder sowie der Pilot des Flugzeugs.

Insgesamt wurden mehr als 170 Menschen auf dem Schulgelände, das 7000 Schüler beherbergt, verletzt. 69 von ihnen würden derzeit noch im Krankenhaus behandelt, sagte der Ministeriumsvertreter. Zehn von ihnen schwebten demnach in Lebensgefahr.

Wegen des Unglücks fiel der Unterricht am Dienstag aus. Dennoch versammelten sich viele Lehrer, Schüler, Angehörige sowie Behördenvertreter dort. "Die Schule hat ihr Leben verloren, genau wie ihre Kinder", sagte der Lehrer Shahadat Hossain. "Ich weiß nicht, wie lange es dauern wird, bis wieder Normalität einkehrt und die Kinder von diesem Trauma befreit sind."

Ein weiterer Lehrer namens Saiful Islam sagte, das Unglück sei "unerträglich". Die Kinder hätten kurz vor dem Flugzeugabsturz auf ihre Eltern gewartet, um nach Hause zu fahren - "und heute sind sie nicht mehr", fügte der 40-Jährige hinzu.

Unter den Trauernden waren auch Abul Bashar und sein Sohn. Der beste Freund des Sechstklässlers ist unter den Unglücksopfern. "Er konnte die Nacht nicht durchschlafen und wollte unbedingt, dass ich ihn heute Morgen zur Schule bringe", sagte Bashar über seinen Sohn, der schweigend neben ihm stand. Tipu Sultan, dessen Tochter das Unglück unbeschadet überlebte, sagte: "Der Tod dieser unschuldigen Kinder wäre verhindert worden, wenn das Flugzeug nicht dieses Gebiet überflogen hätten."

Der 27-jährige Pilot hatte nach Angaben seines Onkels seinen ersten Flug mit diesem Flugzeugtyp ohne Ausbilder absolviert. Die Armee versicherte, er habe vor dem Absturz versucht, die Maschine von dicht besiedelten Gebieten wegzusteuern.

Das Flugzeugunglück ist das schlimmste in Bangladesch seit Jahrzehnten. Interims-Regierungschef Muhammad Yunus sprach von einem "Moment tiefen Schmerzes für unsere Nation". M Dienstag galt Nationaltrauer.

Das in China hergestellte Flugzeug vom Typ F-7 BJI war kurz nach 13.00 Uhr Ortszeit zu seinem Übungsflug gestartet. Kurz darauf stürzte es auf dem Schulgelände auf ein zweistöckiges Gebäude, aus dem gerade Grundschüler ins Freie gingen. Der Absturz ereignete sich "mutmaßlich wegen mechanischer Fehler", erklärte die Armee. Die genaue Ursache werde jedoch weiter untersucht.

(V.Korablyov--DTZ)

Empfohlen

Großbrand auf Großmarkt in Stuttgart - Mehr als 150 Feuerwehrleute im Einsatz

Auf einem Großmarkt in Stuttgart ist am späten Freitagabend ein massiver Brand ausgebrochen. Es seien mehr als 150 Feuerwehrleute vor Ort, teilte die Feuerwehr am Samstagmorgen mit. Bei Eintreffen der Einsatzkräfte auf dem Markt in Stuttgart-Wangen habe eine Lagerhalle komplett in Flammen gestanden. Das Feuer habe zudem auf eine weitere Halle übergegriffen.

250. Geburtstag der USA: Papst fordert "Mäßigung" im öffentlichen Diskurs

Papst Leo XIV. hat zum 250. Geburtstag der USA zur "Mäßigung" im öffentlichen Diskurs in seinem Heimatland aufgerufen. Dieser müsse auch von "Respekt vor den Ansichten anderer und einem fortwährenden Bemühen um die Suche nach gemeinsamem Boden geprägt" sein, sagte das in Chicago geborene Oberhaupt der katholischen Kirche in einem am Freitag veröffentlichten Video, ohne US-Präsident Donald Trump namentlich zu nennen.

"Bild": Ermittlungen gegen zwei weitere Verdächtige nach Angriff in Stade

Im Fall der Bluttat mit sechs Toten im niedersächsischen Stade ermitteln die Behörden einem Medienbericht zufolge gegen zwei weitere Verdächtige. Wie die "Bild" am Freitag berichtete, handelt es sich dabei um die Mutter des drei Monate alten Babys des mutmaßlichen Schützen und um die Patentante des Kindes. Der 45-jährige Vater des Babys war nach dem Verbrechen festgenommen worden, am Dienstag wurde gegen ihn Haftbefehl wegen sechsfachen Mordes erlassen.

Neuneinhalb Jahre Haft wegen sexuellen Kindesmissbrauchs in privater Kita

Das Landgericht Stuttgart hat einen 53-Jährigen wegen sexuellen Kindesmissbrauchs in 38 Fällen in einer von ihm betriebenen Kindertagesstätte zu neuneinhalb Jahren Haft verurteilt. Die zuständige Kammer ordnete zudem die Sicherungsverwahrung an, wie ein Gerichtssprecher am Freitag mitteilte. Demnach hatte der 53-Jährige zwischen 2015 und 2025 an seiner Adresse eine Kita betrieben. Ab 2020 nutzte er das Betreuungsverhältnis aus und missbrauchte Kinder überwiegend im Kleinkindalter.

Textgröße ändern: