Deutsche Tageszeitung - Katholische Klinik darf Abtreibung verbieten: Chefarzt scheitert vor Gericht

Katholische Klinik darf Abtreibung verbieten: Chefarzt scheitert vor Gericht


Katholische Klinik darf Abtreibung verbieten: Chefarzt scheitert vor Gericht
Katholische Klinik darf Abtreibung verbieten: Chefarzt scheitert vor Gericht / Foto: © AFP/Archiv

Ein neuerdings katholisches Krankenhaus im westfälischen Lippstadt hat einem Gerichtsurteil zufolge seinem Chefarzt nach dem Trägerwechsel zu Recht untersagt, Abtreibungen vorzunehmen. Im Rahmen des zustehenden Direktionsrechts habe das Krankenhaus dem Chefarzt der Gynäkologie, Joachim Volz, die entsprechende Dienstanweisung geben dürfen, entschied das Arbeitsgericht Hamm am Freitag. Es sei auch zulässig gewesen, Volz Abtreibungen in seiner eigenen Praxis in Bielefeld zu untersagen.

Textgröße ändern:

Die Klinik war bis Dezember in evangelischer Trägerschaft, seit einer Fusion mit mehreren Krankenhäusern hat sie einen katholischen Träger. Nach einer direkt im Anschluss an den Trägerwechsel ergangenen Dienstanweisung darf Volz dort nur bei akuter Lebensgefahr für die Mutter oder das ungeborene Kind abtreiben, sollte es keine medizinische Alternative geben, mit der das Leben des Kinds gerettet werden könnte.

Volz wehrte sich gegen diese Dienstanweisung. Das Arbeitsgericht hält diese aber mit dem Direktionsrecht für gerechtfertigt und wies seine Klage ab. Eine nähere Urteilsbegründung lag zunächst noch nicht vor. Der Anwalt des Mediziners, Till Müller-Heidelberg, kündigte Rechtsmittel zum Landesarbeitsgericht an.

Volz forderte daneben eine politische Lösung. "Wenn das Gericht sich nicht traut, klare Kante gegen kirchliche Bevormundung zu zeigen, dann müssen wir den politischen Druck erhöhen." Solange religiöse Träger Einfluss auf grundlegende medizinische Entscheidungen nehmen könnten, sei das Selbstbestimmungsrecht von Patientinnen und Patienten in Gefahr.

Das Verfahren wurde neben einer Petition mit mehr als 230.000 Unterzeichnern von Solidaritätsbekundungen mit dem Mediziner begleitet. Laut Polizei beteiligten sich bis zu 2000 Menschen an der Versammlung unter dem Titel "Gegen das Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen am neuen Christlichen Klinikum". Zu einer Gegendemonstration mit dem Titel "Gegen Abtreibung" seien fünf Menschen gekommen - beide Demos seien ohne Störungen verlaufen.

Das katholische Erzbistum Paderborn, zu dem Lippstadt zählt, rechtfertigte die Dienstanweisung als aus dem katholischen Glauben begründet. "Uns ist bewusst, dass diese Haltung in Grenzsituationen als Zumutung empfunden werden kann", erklärte das Bistum. Sie werde aber nicht aus "vermeintlicher moralischer Überlegenheit" vertreten, sondern "mit Ernsthaftigkeit, Zuwendung und Verantwortung".

Das Bistum wies die Darstellung zurück, dass Frauen im Schwangerschaftskonflikt nun in der Region keine ortsnahe Abtreibung mehr vornehmen lassen könnten: "Eine solche Versorgung ist im Umfeld sehr wohl gewährleistet."

(P.Hansen--DTZ)

Empfohlen

Nach Hackerangriff auf Berliner Senatsverwaltung: Bundesregierung schaltet sich ein

Nach der Veröffentlichung der von Hackern gestohlenen Daten der Berliner Senatsverwaltung hat sich auch die Bundesregierung eingeschaltet. Sie verfolge die Informationen und Ermittlungen zu dem Datenabfluss genau, erklärte am Samstag ein Regierungssprecher. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) sagte der "Bild"-Zeitung, nach der Veröffentlichung der sensiblen Daten sei jetzt das Ziel, mögliche Betroffene "schnellstmöglich zu erreichen".

Zwölf Sprengstoffvorrichtungen in Sachsen gefunden - Polizei prüft Verbindung

Nach den Anschlägen auf Umspannwerke in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen sind auch in Sachsen an zwei Umspannwerken insgesamt zwölf Sprengstoffvorrichtungen entdeckt worden. Generalstaatsanwaltschaft Dresden, Landeskriminalamt Sachsen und Polizeidirektion Görlitz teilten am Samstag mit, es werde eine Verbindung zu den Ermittlungsverfahren in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen geprüft. Grund sei ein in einem Bekennerschreiben des Verdächtigen aus Gevelsberg erwähnter Tatort sowie die Art der Sprengvorrichtungen.

Nach Sturzflut in Nepal: Rettung von zwei weiteren Überlebenden weckt neue Hoffnung

Die Rettung von zwei Menschen in Nepal zehn Tage nach der verheerenden Sturzflut hat neue Hoffnung auf weitere Überlebende geweckt. Ein chinesischer Staatsbürger sei aus einem Tunnel gerettet worden, sagte ein Sprecher der nepalesischen Armee am Samstag der Nachrichtenagentur AFP. Zudem bargen Einsatzkräfte im Bezirk Nuwakot eine Frau lebend aus ihrem verschütteten Haus.

Rechtsstreit um Briefwahl in den USA geht in weitere Runde

Rund zwei Monate vor den Kongresswahlen in den USA schaukelt sich der Rechtsstreit über die Briefwahl weiter hoch: Eine US-Bundesrichterin setzte am Freitag (Ortszeit) ein Dekret von Präsident Donald Trump für eine erschwerte Briefwahl erneut aus - dieses Mal bis zum Wahltag am 3. November. Die Regierung legte umgehend Berufung gegen diese Entscheidung ein. Im Bundesstaat North Carolina begann ungeachtet dessen der Versand der Briefwahlunterlagen, womit die sogenannten Zwischenwahlen zum US-Kongress formell begannen.

Textgröße ändern: