Deutsche Tageszeitung - Parteichef droht Absetzung: Gerichtsentscheidung zur CHP in der Türkei verschoben

Parteichef droht Absetzung: Gerichtsentscheidung zur CHP in der Türkei verschoben


Parteichef droht Absetzung: Gerichtsentscheidung zur CHP in der Türkei verschoben
Parteichef droht Absetzung: Gerichtsentscheidung zur CHP in der Türkei verschoben / Foto: © AFP

Ein Gericht in Ankara hat seine Entscheidung in einem Fall verschoben, der die Zukunft der Oppositionspartei CHP bestimmen könnte. Das Gericht in Ankara vertagte am Montag nach einer mehr als einstündigen Anhörung seine Entscheidung in dem Fall auf den 24. Oktober, wie ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP berichtete. In dem Verfahren um angeblichem Stimmenkauf bei der Wahl der CHP-Parteispitze droht Parteichef Özgür Özel die Absetzung.

Textgröße ändern:

Die linksnationalistische Oppositionspartei wirft der islamisch-konservativen Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan vor, die Justiz zu instrumentalisieren, um bei der nächsten Wahl nicht gegen die CHP zu verlieren. Kritiker sprechen von einem Angriff auf die Demokratie in der Türkei.

Regierungstreue Vertreter der türkischen Justiz gehen seit Monaten verstärkt gegen die CHP vor, die bei den Kommunalwahlen im vergangenen Jahr deutlich vor Erdogans AKP gelandet war. Prominentester Fall ist der des im März unter anderem wegen Korruptionsvorwürfen verhafteten Istanbuler Bürgermeisters Ekrem Imamoglu. Der 55-Jährige gilt als größter Rivale von Erdogan. Seine Festnahme hatte die größte Protestwelle in der Türkei seit den sogenannten Gezi-Protesten im Jahr 2013 ausgelöst.

In dem Verfahren in Ankara wirft die Staatsanwaltschaft dem mit Unterstützung von Imamoglu an die Parteispitze gewählten Özel und den anderen Vorstandsmitgliedern vor, beim Parteitag der CHP 2023 Stimmen von Delegierten gekauft zu haben, um eine Abwahl des damaligen Parteichefs Kemal Kilicdaroglu sicherzustellen. Kilicdaroglu hatte zuvor bei der Präsidentenwahl gegen Erdogan verloren. Sollte das Gericht die Vorstandswahl für ungültig erklären, könnte Özel des Amtes enthoben und der unbeliebte Kilicdaroglu wieder eingesetzt werden.

Als am Montagmorgen die Anhörung begann, war der kleine Gerichtssaal völlig überfüllt. Einige Juristen konnten den Saal nicht einmal mehr betreten. Ugur Poyraz, einer der Anwälte der CHP, bat den Richter, die Anhörung in einen größeren Saal zu verlegen: "Millionen schauen Ihnen zu, Euer Ehren. Ihre Entscheidung ist sehr wichtig." Nach etwa einer Stunde wurde die Verhandlung dann vertagt.

Vor dem Gerichtsgebäude war die türkische Polizei mit einem Großaufgebot im Einsatz. Vor dem Eingang standen bewaffnete Polizisten, hunderte weitere Polizisten hielten sich in Bussen in der Nähe bereit. Aus Protest gegen das Vorgehen der Regierung waren am Sonntagabend in Ankara zehntausende Menschen auf die Straße gegangen, um für die CHP zu demonstrieren.

(O.Tatarinov--DTZ)

Empfohlen

Fünf Tote nach Schüssen in niedersächsischem Stade - Mutmaßlicher Schütze festgenommen

Im niedersächsischen Stade sind am Montag durch Schüsse in einer Jugendhilfeeinrichtung fünf Menschen getötet worden. Mehrere weitere Menschen seien verletzt worden, teilte die Polizei im sozialen Netzwerk Whatsapp mit. Zwei Verdächtige, darunter der mutmaßliche Schütze, wurden demnach festgenommen.

Raubkopienportal movie2k: Justiz zieht Millionenbetrag von Verurteiltem ein

Im Fall des ehemals führenden deutschen Raubkopienportals movie2k hat die Justiz bei einem Mittäter erstmals Taterlöse von mehr als zweieinhalb Millionen Euro eingezogen. Der 44-jährige Immobilienmakler aus Berlin wurde im April vom Amtsgericht Leipzig wegen Geldwäsche zu zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt, wie die Generalstaatsanwaltschaft Dresden am Montag mitteilte.

Suche nach Erdbeben-Überlebenden in Venezuela: Vater und Sohn gerettet

Nach dem schweren Doppel-Erdbeben in Venezuela suchen Rettungsmannschaften in einem Wettlauf mit der Zeit in den Trümmern eingestürzter Gebäude weiter nach Überlebenden. Der Präsident der venezolanischen Nationalversammlung, Jorge Rodríguez, bezifferte die Zahl der Toten am Sonntag auf 1450, tausende Menschen wurden verletzt. Doch es gab auch Lichtblicke: Ein Vater und sein Sohn wurden am Sonntag in Caraballeda lebend aus den Trümmern geborgen.

Elf Tote bei Flugzeugabsturz in Frankreich - Opfer wollten Tandemsprung absolvieren

Sie wollten nur einen Tandem-Fallschirmsprung absolvieren: Beim Absturz eines Kleinflugzeugs im Osten Frankreichs sind alle zehn Passagiere sowie der Pilot ums Leben gekommen. Das Unglück ereignete sich nach Angaben des örtlichen Präfekten am Sonntag in der Nähe von Nancy. Nach Angaben der französischen Flugsicherheitsbehörde BEA handelt sich um eines der folgenschwersten Unglücke mit einem Kleinflugzeug in Frankreich. Die Unglücksursache war zunächst unklar.

Textgröße ändern: