Deutsche Tageszeitung - Witwe des russischen Oppositionellen Nawalny: "Alexej wurde vergiftet"

Witwe des russischen Oppositionellen Nawalny: "Alexej wurde vergiftet"


Witwe des russischen Oppositionellen Nawalny: "Alexej wurde vergiftet"
Witwe des russischen Oppositionellen Nawalny: "Alexej wurde vergiftet" / Foto: © AFP/Archiv

Der 2024 in einem Straflager gestorbene russische Oppositionspolitiker Alexej Nawalny ist nach Angaben seiner Witwe "vergiftet" worden. Julia Nawalnaja erhob den Vorwurf am Mittwoch in einem in Onlinenetzwerken veröffentlichten Video unter Berufung auf Laboranalysen "biologischer Proben", die Vertraute Nawalnys vor dessen Beerdigung heimlich entnommen und außer Landes geschmuggelt hätten. Der Kreml äußerte sich zu den Vorwürfen nicht.

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"Labore in zwei Ländern sind zu dem Schluss gekommen, dass Alexej getötet wurde. Genauer gesagt: vergiftet", sagte Nawalnaja zur Todesursache ihres Mannes. Weitere Angaben zu den Proben und den Laboruntersuchungen machte sie zunächst nicht und veröffentlichte keine Analyse-Ergebnisse.

Derzeit sei sie nicht in der Lage, die "offiziellen Resultate" zu veröffentlichen, aus denen genau hervorgehe, welches Gift gegen ihren Mann verwendet worden sei. Nawalnaja rief die beiden Labore auf, ihre Analysen zu veröffentlichten.

Ihr Team habe jedoch Zugang zu den Aussagen von fünf Gefängnismitarbeitern in dem Straflager Charp am Polarkreis erhalten, in dem Nawalny im Ferbruar 2024 gestorben war. Die Aussagen seien zwar teils widersprüchlich, vermittelten jedoch "einen allgemeinen Eindruck davon, was geschehen ist", erklärte Nawalnaja.

Zu den mutmaßlichen Umständen von Nawalnys Tod äußerten sich auch weitere Mitarbeiter des Oppositionellen. Maria Pewtschich schrieb im Onlinedienst Telegram, zum Zeitpunkt seines Todes habe Nawalny "auf dem Boden gelegen, sich erbrochen und vor Schmerz geschrien". Statt ihn zu retten, hätten Gefängniswärter ihn aber in seiner Zelle liegen lassen, das Gitter und die Tür seiner Zelle geschlossen.

Pewtschisch veröffentlichte Fotos einer Zelle, die nach ihren Angaben nach Nawalnys Tod aufgenommen wurden. Darauf scheinen auf dem Fußboden Spuren von Erbrochenem und Blut sichtbar zu sein.

Der Nawalny-Vertraute Leonid Wolkow warf dem russischen Präsidenten Wladimir Putin im Onlinedienst Telegram vor, den Oppositionellen "ermordet" zu haben. Nawalny sei "auf grausame Weise getötet, vergiftet" worden, schrieb Wolkow und fügte an: "Auch, wenn die Daten aus den Krankenakten getilgt und die Spuren verwischt wurden, wissen wir alles über seinen letzten Tag - und wie er ermordet wurde."

Nawalny war bereits im August 2020 in Sibirien mit dem Nervengift Nowitschok vergiftet worden und ins Koma gefallen. Der Kreml-Kritiker wurde anschließend nach Deutschland gebracht und in der Berliner Universitätsklinik Charité behandelt. Im Januar 2021 kehrte er nach Russland zurück und wurde bei seiner Ankunft in Moskau verhaftet.

Nawalnaja selbst wurde nach dem Tod ihres Mannes von der russischen Finanzbehörde Rosfinmonitoring auf eine Schwarze Liste von "Terroristen und Extremisten" gesetzt. Zudem erließ ein russisches Gericht gegen sie einen Haftbefehl wegen "Beteiligung an einer extremistischen Organisation".

Nawalny galt als der schärfste Widersacher Putins. Der von den russischen Behörden als "Extremist" eingestufte Oppositionspolitiker starb im Februar 2024 im Alter von 47 Jahren unter ungeklärten Umständen in dem Straflager in der Arktis, wo er eine 19-jährige Haftstrafe verbüßte.

Die russischen Behörden erklärten damals, Nawalny sei bei einem Hofgang plötzlich zusammengebrochen und gestorben. Seine Angehörigen mussten nach seinem Tod mehrere Tage warten, bis die Leiche freigegeben wurde. Nawalnys Anhänger und zahlreiche westliche Politiker machten die russische Führung für den Tod des Oppositionellen verantwortlich. Der Kreml weist die Anschuldigungen zurück.

Zu den Vorwürfen Julia Nawalnajas Mittwoch äußerte sich Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Mittwoch nicht. Auf eine Frage dazu in seinem täglichen Pressebriefing sagte Peskow, er habe dazu "nichts zu sagen" und fügte an: "Ich weiß nichts zu diesem Thema."

(Y.Leyard--DTZ)

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