Deutsche Tageszeitung - Hongkong trauert um die Opfer der Brandkatastrophe

Hongkong trauert um die Opfer der Brandkatastrophe


Hongkong trauert um die Opfer der Brandkatastrophe
Hongkong trauert um die Opfer der Brandkatastrophe / Foto: © AFP

Nach der Brandkatastrophe in einem Hochhauskomplex hat in Hongkong eine offizielle, dreitägige Trauer begonnen. Tausende Menschen erwiesen den 128 Todesopfern am Samstag die letzte Ehre, legten Blumen nieder und trugen sich in Kondolenzbücher ein. Regierungsvertreter hielten am Morgen drei Schweigeminuten ab, während die Flaggen Hongkongs und Chinas auf Halbmast wehten. Peking startete unterdessen eine Kampagne gegen Brandrisiken in Hochhäusern.

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Aus der ganzen Stadt strömten Bewohnerinnen und Bewohner der Millionenmetropole zu einem kleinen Park in der Nähe der verkohlten Hochhaus-Gerippe. Die Trauernden legten weiße und gelbe Blumen und handgeschriebene Kondolenzkarten nieder. Mehr als 40 Stunden lang hatten die Flammen in dem Wohnkomplex Wang Fuk Court gewütet.

Die Schlange vor dem Park wurde im Laufe des Tages immer länger. Bei Einbruch der Dunkelheit war das Gebiet voller Menschen mit ernsten Gesichtern, viele von ihnen trugen dunkle Trauerkleidung.

Das Flammeninferno in einem Wohnkomplex mit acht Wolkenkratzern hatte Hongkong erschüttert. In der Millionenmetropole stehen einige der höchsten Häuserblöcke der Welt mit entsprechend vielen Bewohnern.

Der Regierungschef der chinesischen Sonderverwaltungszone, John Lee, stand mit mehreren Ministern und Dutzenden hochrangigen Beamten am Morgen drei Minuten lang schweigend vor dem Regierungssitz, wo die Flaggen Chinas und Hongkongs auf Halbmast wehten.

Die Polizei teilte am Samstag bei einer Pressekonferenz mit, die Zahl von 128 Todesopfern habe sich nicht verändert. 44 Tote seien noch nicht identifiziert.

Zahlreiche Polizisten der Abteilung zur Opferidentifikation, alle in weiße Overalls gehüllt, beendeten die Durchsuchung von zwei der acht Hochhaustürme und fanden dabei keine weiteren Toten.

Rettungskräfte versuchten weiter den Verbleib von rund 150 Menschen zu klären, die als vermisst gemeldet wurden und nicht erreichbar waren. Angehörige der Vermissten klapperten verzweifelt Krankenhäuser und Einrichtungen zur Identifikation der Opfer ab.

Mehr als 40 Menschen wurden am Samstag noch im Krankenhaus behandelt, elf von ihnen schwebten in Lebensgefahr, der Zustand von 21 Verletzten galt als "ernst".

Am Freitag hatte die Antikorruptionsbehörde der Stadt acht weitere Menschen im Zusammenhang mit dem Großbrand festgenommen. Die unabhängige Antikorruptionskommission (ICAC) erklärte, bei den sieben Männern und einer Frau handele es sich um "Berater, Gerüstbau-Subunternehmer und (einen) Mittelsmann des Projekts". Zuvor hatte die Polizei bereits die Festnahme von drei Mitarbeitern einer Baufirma gemeldet.

Der Großbrand war am Mittwoch im Wohnkomplex Wang Fuk Court im nördlichen Stadtteil Tai Po ausgebrochen. Das Feuer wütete über 40 Stunden lang in sieben der acht Hochhausblöcke der Wohnanlage, die insgesamt fast 2000 Wohneinheiten umfasst. Am Freitagmorgen erklärte die Feuerwehr, dass die Löscharbeiten beendet seien. An dem Komplex fanden gerade Renovierungsarbeiten statt, weshalb er mit Bambusgerüsten eingerüstet war.

Laut am Freitag vorgelegten Ermittlungsergebnissen wurde das Feuer durch die Bambusgerüste und andere brennbare Materialien, die zum Schutz vor Staub und herabfallenden Gegenständen verwendet wurden, angefacht. Eine besondere Rolle spielten offenbar Schaumstoffplatten vor Fenstern sowie Schutznetze.

Bewohner hatten AFP berichtet, dass kein Feueralarm zu hören gewesen sei und sie von Tür zu Tür gegangen seien, um Nachbarn vor dem Feuer zu warnen.

Der staatliche chinesische Fernsehsender CCTV meldete, der Ausschuss für Arbeitssicherheit des Staatsrates habe eine Kampagne zur Inspektion und Behebung von Brandrisiken und Gefahren in Hochhäusern angekündigt. Demnach sollen die Hochhäuser auf brennbare oder leicht entzündbare Baustoffe untersucht werden. Außerdem soll die Verwendung von Materialien wie Baugerüsten aus Bambus oder nicht feuerfesten Sicherheitsnetzen überprüft werden.

Immerhin eine gute Nachricht hatte der örtliche Polizeichef Lam Man-han nach der Durchsuchung von zwei Gebäuden: "Wir haben keine sterblichen Überreste gefunden", sagte er und fügte hinzu. "Wir haben drei Katzen aus dem Wang Yan-Haus und eine Schildkröte aus dem Wang Tao-Haus gerettet."

(G.Khurtin--DTZ)

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