Deutsche Tageszeitung - BKA-Chef Münch: AfD-Regierungsbeteiligung wäre nationales Sicherheitsrisiko

BKA-Chef Münch: AfD-Regierungsbeteiligung wäre nationales Sicherheitsrisiko


BKA-Chef Münch: AfD-Regierungsbeteiligung wäre nationales Sicherheitsrisiko
BKA-Chef Münch: AfD-Regierungsbeteiligung wäre nationales Sicherheitsrisiko / Foto: © AFP/Archiv

Der Chef des Bundeskriminalamts (BKA), Holger Münch, hat für den Fall einer Regierungsbeteiligung der AfD auf Landesebene vor massiven Sicherheitsrisiken für Deutschland gewarnt. "Die Partei könnte dann Zugriff auf schützenswerte und sensible Daten und Informationen haben, was Auswirkungen auf die übergreifende Zusammenarbeit haben würde", sagte Münch dem Berliner "Tagesspiegel". Auch Politiker von CDU, SPD und Grünen äußerten sich besorgt.

Textgröße ändern:

Münch sagte mit Blick auf ein solches Szenario, Sicherheitsbehörden des Bundes und anderer Bundesländer müssten dann darüber nachdenken, wie offen bestimmte Informationen noch geteilt werden könnten. Hintergrund sind aktuelle Umfrageergebnisse, denen zufolge es nach den Landtagswahlen im September in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern dort schwierig sein könnte, ohne die AfD eine Landesregierung zu bilden.

"Wer regiert, hat Zugriff auf sensible Informationen und setzt politische Leitplanken für Sicherheitsbehörden", sagte der Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums des Bundestages, Marc Henrichmann (CDU), dem Düsseldorfer "Handelsblatt". Er fügte jedoch hinzu, das eigentliche sicherheitspolitische Risiko liege aus seiner Sicht in der "Demokratiezersetzungsagenda" der AfD. Es sei daher wichtig, praktisch zu zeigen, dass man die freiheitlich-demokratische Grundordnung schütze.

Scharfe Warnungen vor einer AfD-Regierungsbeteiligung äußerte der innenpolitische Sprecher der SPD im Bundestag, Sebastian Fiedler. "Wenn eine in den betreffenden Bundesländern gesichert rechtsextreme Partei die Kontrolle über Verfassungsschutz, Polizei und Steuerfahndung bekommt, ist das ein massives Problem", sagte er ebenfalls dem "Handelsblatt".

Schon der mögliche Zugriff der AfD auf sensible Daten könne "Vertrauen und Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden im In- und Ausland schwächen", warnte auch der Grünen-Innenexperte Marcel Emmerich. Dies sei auch in Österreich während der Regierungsbeteiligung der FPÖ dort der Fall gewesen. "Der Schutz sensibler Informationen, die Resilienz unserer Sicherheitsarchitektur und die Verteidigung demokratischer Institutionen müssen entschlossen angegangen werden", forderte Emmerich weiter.

Münch räumte allerdings in dem Interview auch ein, keine Kenntnisse darüber zu haben, wie viele AfD-Mitglieder derzeit bereits beim BKA tätig seien. Erst wenn die Partei offiziell als gesichert rechtsextremistisch eingestuft sei, hätte dies demnach Auswirkungen auf die Sicherheitsüberprüfungen der Behörde.

Die Einstufung als "gesichert rechtsextremistisch" gibt es durch die jeweiligen Verfassungsschutzbehörden bislang für die AfD-Landesverbände in Sachsen-Anhalt sowie in Sachsen, Thüringen und Brandenburg. Als rechtsextremer Verdachtsfall eingestuft sind zudem die Bundespartei sowie die Landesverbände in Bremen, Niedersachsen, Baden-Württemberg, Hessen und Bayern.

(W.Budayev--DTZ)

Empfohlen

Haftstrafe wegen Veruntreuung für Ex-Mann von Schottlands früherer Regierungschefin Sturgeon

Der Ex-Mann von Schottlands ehemaliger Regierungschefin Nicola Sturgeon und frühere Chef der Regierungspartei SNP, Peter Murrell, ist am Dienstag wegen der Veruntreuung von Parteifinanzen zu fünf Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden. Murrell hatte sich im vergangenen Monat schuldig bekannt, mehr als 400.000 Pfund (rund 464.000 Euro) der SNP veruntreut zu haben.

Polizist stirbt bei Fahrsicherheitstraining auf dem Hockenheimring

Bei einem dienstlichen Fahrsicherheitstraining auf dem Hockenheimring ist ein Polizist tödlich verunglückt. Der 53 Jahre alte Mann sei am Montagabend mit seinem Dienstmotorrad aus noch unklarer Ursache in einer Rechtskurve von der Fahrbahn abgekommen, teilte die Polizei am Dienstag im baden-württembergischen Aalen mit. Er sei dann mit einer Reifenwand kollidiert. Trotz sofortiger Rettungsmaßnahmen sei der Polizeibeamte noch vor Ort verstorben.

ARD und ZDF streiten vor Verfassungsgericht für höheren Rundfunkbeitrag

Der Dauerstreit über den Rundfunkbeitrag ist am Dienstag vor dem Bundesverfassungsgericht ausgetragen worden. Karlsruhe verhandelte über Beschwerden von ARD und ZDF. Sie wehren sich dagegen, dass der Beitrag 2025 nicht erhöht wurde - anders als es die unabhängige Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) empfohlen hatte. Das verstoße gegen die Rundfunkfreiheit, argumentieren sie. Die Sender hoffen, dass das Gericht nachträglich eine Beitragssteigerung anordnet. (Az. 1 BvR 2524/24 und 1 BvR 2525/24)

WM unter Wasser: Zehntausende Fans in Philadelphia müssen Stadionplätze verlassen

Blitze in der Nähe des Stadions, klatschnasse Fans und eine lange Unterbrechung: Ein Unwetter in Philadelphia hat den Zuschauern des WM-Spiels zwischen Frankreich und dem Irak einiges abverlangt. Zehntausende Fans mussten am Montagabend ihre Plätze verlassen und in geschützten Stadion-Bereichen Unterschlupf suchen. Erst nach mehr als zwei Stunden wurde die zur Halbzeit unterbrochene Partie fortgesetzt. Die Vorsichtsmaßnahme stieß bei einigen Fans auf Unverständnis.

Textgröße ändern: