Deutsche Tageszeitung - Polizei: Dutzende Tote und rund 100 Verletzte bei Feuer in Bar in Schweizer Skiort

Polizei: Dutzende Tote und rund 100 Verletzte bei Feuer in Bar in Schweizer Skiort


Polizei: Dutzende Tote und rund 100 Verletzte bei Feuer in Bar in Schweizer Skiort

Flammeninferno in der Silvesternacht: Bei einem verheerenden Feuer in einer Bar im Schweizer Nobel-Skiort Crans-Montana sind nach Einschätzung der Polizei Dutzende Menschen ums Leben gekommen. Mit den etwa hundert Verletzten waren die Krankenhäuser im Kanton Wallis am Donnerstag überlastet, einige wurden in andere Kliniken gebracht. Das Feuer in der bei Touristen beliebten Bar "Le Constellation" war aus noch unklarer Ursache während einer Silvester-Party ausgebrochen.

Textgröße ändern:

Es sei mit "mehreren Dutzend Toten" zu rechnen, zudem gebe es etwa 100 Verletzte, sagte der Chef der Kantonspolizei Wallis, Frédéric Gisler, am Donnerstagvormittag auf einer Pressekonferenz. Mittlerweile seien alle Verletzten in Behandlung, die meisten hätten schwere Verletzungen erlitten.

Die Nationalitäten der Opfer waren zunächst unbekannt. Weil Crans-Montana ein international bekannter Urlaubsort ist, wurde mit Nicht-Schweizern unter den Opfern gerechnet. Das französische Außenministerium erklärte, dass mindestens zwei Franzosen verletzt worden seien.

Die Polizei hatte zunächst lediglich von mehreren Toten und Verletzten gesprochen. In der Bar "Le Constellation" hatte sich demnach gegen 01.30 Uhr eine "Explosion unbekannter Ursache" ereignet. Einen Anschlag schlossen die Behörden aus.

Der für Sicherheit zuständige Staatsrat des Wallis, Stéphane Ganzer, sagte bei der Pressekonferenz, die Explosion habe sich erst nach dem Ausbruch des Feuers ereignet, der Brand sei nicht durch explosive Gegenstände ausgelöst werden. Er sprach von "Chaos" und dramatischen Szenen am Brandort.

Ein junger Mann, der sich während des Unglücks in der Bar aufhielt, sagte der Schweizer Zeitung "24 Heures", Feuerwerkskörper auf Flaschen hätten einen Deckenbrand ausgelöst, der sich schnell ausgebreitet und Panik ausgelöst habe. Zwei Franzosen nannten dem Sender BFMTV Geburtstagskerzen auf Champagnerflaschen als Brandauslöser.

Die Notaufnahme im wichtigsten Krankenhaus im Wallis war voll, die Brandopfer wurden auf Kliniken im ganzen Land verteilt. Mehr als ein Dutzend Verletzte wurden in die auf Brandverletzungen spezialisierte Züricher Uni-Klinik gebracht, wie die Schweizer Nachrichtenagentur Keystone-ATS berichtete. Die Uni-Klinik Lausanne, die ebenfalls auf Brandopfer spezialisiert ist, nahm demnach 22 Verletzte auf. Andere Verletzte kamen nach Genf.

Der italienische Außenminister Antonio Tajani bot im Onlinedienst X die Unterstützung in einem Klinikzentrum für schwere Brandverletzungen in Mailand an.

Auch Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) brachte sein Mitgefühl zum Ausdruck. "Ich bin zutiefst erschüttert über den tödlichen Brand in Crans-Montana in der Silvesternacht", schrieb er auf X. Seine Gedanken seien "bei den Opfern und ihren Familien". Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron reagierte ebenfalls bestürzt und sprach der Schweiz Frankreichs "volle Solidarität" aus.

Das Unglück löste einen Großeinsatz von Polizei, Feuerwehr und Rettungskräften aus. Auch etwa zehn Hubschrauber waren die Nacht über im Einsatz. Über Crans-Montana wurde wegen des Großeinsatzes eine Flugverbotszone verhängt. Für Angehörige wurden eine Notrufnummer und ein Informationszentrum eingerichtet.

Wie ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP berichtete, standen am Vormittag des Neujahrstags immer noch Krankenwagen und andere Fahrzeuge von Rettungskräften vor der Bar, deren Scheiben zersprungen waren.

Nach Angaben der Website von Crans-Montana hatte die Bar Platz für 300 Gäste im Inneren und 40 weitere auf der Terrasse. Laut "24 Heures" befindet sich das Lokal im Erdgeschoss eines Gebäudes, verfügt aber auch über ein Untergeschoss, das für Veranstaltungen genutzt wurde.

Ein Tourist aus New York filmte, wie orangefarbene Flammen aus der Bar schlugen. Er schilderte AFP, dass Menschen hinausgelaufen seien und in der Dunkelheit geschrien hätten.

Eine Anwohnerin sagte "24 Heures", als sich das Unglück ereignet habe, seien die Silvester-Feierlichkeiten in Crans-Montana "in vollem Gange" gewesen, der Champagner sei "in Strömen geflossen". Nach Ausbruch des Feuers hätten sich die Menschen "fassungslos, besorgt, still" auf den Straßen versammelt. Ein weiterer Anwohner sagte der Zeitung: "Es ist furchtbar, viele junge Menschen gehen in diese Bar."

Die Generalstaatsanwältin des Wallis, Béatrice Pilloud, sagte, für die Identifizierung der Todesopfer und deren schnellstmögliche Übergabe an die Hinterbliebenen werde großer Aufwand betrieben. Staatsrat Ganzer sagte, von dem Feuer und seinen Folgen seien "hunderte Menschen", darunter Rettungskräfte und Ermittler, betroffen.

Der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin sprach auf X von einer "Tragödie": "Was ein Moment der Freude sein sollte, verwandelte sich in der Nacht in Crans-Montana in eine Trauer, die die ganze Schweiz und das Ausland betrifft."

(P.Hansen--DTZ)

Empfohlen

Israelisches Parlament billigt Gesetz zur Todesstrafe für verurteilte "Terroristen" 

Das israelische Parlament hat ein umstrittenes Gesetz zur Todesstrafe für verurteilte "Terroristen" gebilligt. Bei der dritten und abschließenden Lesung stimmten am Montag 62 Knesset-Abgeordnete für das von der rechtsextremen Koalitionspartei Otzma Jehudit eingebrachte Vorhaben, darunter Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, 48 sprachen sich dagegen aus. Das Gesetz sieht die Einführung der Todesstrafe für palästinensische Straftäter vor, die Israelis aus "terroristischen" Motiven töten - nicht aber für Israelis, die einen Palästinenser töten.

Merz dringt bei Antrittsbesuch von syrischem Präsidenten auf Flüchtlingsrückkehr

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat beim Antrittsbesuch des syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa in Berlin auf eine beschleunigte Rückkehr syrischer Flüchtlinge gedrungen. In den nächsten drei Jahren sollten "rund 80 Prozent" der derzeit in Deutschland lebenden Syrer in ihr Heimatland zurückkehren, sagte Merz am Montag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit al-Scharaa im Kanzleramt. "Wir arbeiten gemeinsam daran, dass Syrerinnen und Syrer aus Deutschland in ihre Heimat zurückkehren können."

Neuer Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz bei Papst Leo XIV.

Der neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer, ist am Montag zum Antrittsbesuch im Vatikan von Papst Leo XIV. empfangen worden. Zentrales Thema des Gesprächs war die Verkündigung des Evangeliums und die Situation der Kirche in Deutschland, wie die Deutsche Bischofskonferenz in Bonn mitteilte. Bischof Wilmer habe dem Heiligen Vater zudem für das Vertrauen angesichts seiner Berufung als Bischof von Münster gedankt.

Syrischer Übergangspräsident al-Scharaa von Merz im Kanzleramt empfangen

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat den syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa bei dessen Antrittsbesuch in Berlin empfangen. Merz begrüßte al-Scharaa am Montag am Bundeskanzleramt mit einem Handschlag. Geplant waren unter anderem ein Vier-Augen-Gespräch und ein Mittagessen. Im Anschluss (gegen 14.00 Uhr) wollen Merz und al-Scharaa gemeinsam vor die Presse treten.

Textgröße ändern: