Deutsche Tageszeitung - Europol zerschlägt riesiges Drogennetzwerk: Razzien auch in Deutschland

Europol zerschlägt riesiges Drogennetzwerk: Razzien auch in Deutschland


Europol zerschlägt riesiges Drogennetzwerk: Razzien auch in Deutschland
Europol zerschlägt riesiges Drogennetzwerk: Razzien auch in Deutschland / Foto: © AFP/Archiv

Nach mehr als einjährigen Ermittlungen haben die europäischen Sicherheitsbehörden zum entscheidenden letzten Schlag gegen ein auf synthetische Drogen spezialisiertes kriminelles Netzwerk ausgeholt. Wie die EU-Polizeibehörde Europol am Mittwoch im niederländischen Den Haag mitteilte, wurden bei abschließenden Razzien in Deutschland und Polen nochmals 20 Verdächtige festgenommen sowie dort und in Belgien 50 Objekte durchsucht. Die Gesamtzahl der Festnahmen in dem Komplex stieg damit auf 85. Bereits in den Monaten zuvor hatten Ermittler dutzende Drogenlabore und tonnenweise Rauschgift beschlagnahmt.

Textgröße ändern:

Europol sprach in seiner abschließenden Einsatzbilanz am Mittwoch vom bislang "größten Einsatz aller Zeiten" gegen synthetische Drogen in Europa. Demnach stießen die Ermittler bei insgesamt 20 Razzien seit Februar vergangenen Jahres auf 24 Drogengroßlabore "in industriellem Maßstab", 16 Lagerstandorte, mehr als dreieinhalb Tonnen Rauschgift, tausend Tonnen Chemikalien und zigtausende Liter giftige chemische Abfälle. Der Einsatz lief unter der Bezeichnung "Operation Fabryka".

Europol zufolge handelte es sich um ein Netzwerk aus verschiedenen kriminellen Gruppierungen, deren Kern eine hochprofessionelle Bande in Polen bildete. Diese importierte Chemikalien aus China und Indien für angeblich legale industrielle Zwecke und verteilte diese über ein Tarnfirmennetzwerk an die verschiedenen Drogenlabore, wo in großem Stil Rauschgifte wie Amphetamine, MDMA oder 4-CMC hergestellt wurden.

Ermittlungen liefen in Polen, Belgien, Tschechien, den Niederlanden, Spanien sowie maßgeblich auch in Deutschland. Nach Angaben des Zolls vom Mittwoch wurden sechs der insgesamt 24 Drogenlabore hierzulande ausgehoben, wobei die Einsätze zumindest größtenteils bereits bekannt waren. Darunter befand sich auch ein im Oktober vergangenen Jahres im brandenburgischen Nauen entdecktes illegales großes Untergrundlabor, weitere Labore wurden in Schleswig-Holstein und Niedersachsen gefunden.

Wie die Generalzolldirektion in Bonn mitteilte, wurden bei der mehrmonatigen Operation in Deutschland 45 Verdächtige festgenommen und mehr als 800 Kilogramm Drogen beschlagnahmt. Dazu kamen etwa 160.000 Liter giftige Abfälle aus der Produktion. Bei den abschließenden Razzien am Freitag wurden demnach hierzulande nochmals eine Cannabisplantage in Nordrhein-Westfalen sowie in Niedersachsen 15.000 Liter Chemikalienabfälle gefunden. Es gab zudem eine Festnahme.

Der Leiter des Zollkriminalamts, Tino Engelmann, sprach am Mittwoch mit Blick auf die internationale Gesamtoperation "von einem bislang in der Größenordnung einmaligen Erfolg". Ermöglicht worden sei dieser durch hervorragende und vertrauensvolle Kooperation aller Behörden.

In Deutschland liefen die Ermittlungen demnach unter dem Decknamen "Operation Nexus" und wurden von einer gemeinsamen Ermittlungsgruppe des Zollfahndungsamts Hannover und der Polizei im niedersächsischen Osnabrück geleitet. "Dieser Erfolg ist kein Zufall, sondern das Ergebnis eines eng verzahnten, grenzüberschreitenden Einsatzes, getragen von einem präzisen Informationsaustausch", erklärte die niedersächsische Landesinnenministerin Daniela Behrens (SPD) dazu.

Laut Europol handelt es sich bei den mutmaßlichen Hauptdrahtziehern um Polen, die meisten anderen Verdächtigen sind ebenfalls polnische Staatsbürger. Die Ermittlungen wurden demnach Ende des Jahres 2024 durch Hinweise der Polizei im polnischen Niederschlesien ausgelöst. Zunächst fielen den Ermittlern verdächtig große Importe bestimmter Chemikalien auf, die legale Bedarfe der Industrie weit überstiegen.

"Ich bin schon eine Weile im Geschäft - das ist mit Abstand die größte Operation, die wir je gegen die Herstellung und den Vertrieb synthetischer Drogen durchgeführt haben", sagte der Leiter des für besonders schwere Straftaten zuständigen Europol-Zentrums, Andy Kraag, der Nachrichtenagentur AFP. Er betonte zugleich, dass es bei dem Kampf gegen derartiger kriminelle Netzwerke nicht nur im Rauschgift gehe. Diese nutzten auch Gewalt, Korruption und Geldwäsche.

Kraag verwies auch auf verheerende Umweltschäden durch die Produktion synthetischer Drogen. Die bei den Razzien beschlagnahmten chemischen Abfälle würden von den Täter üblicherweise in der Landschaft oder in Bächen entsorgen. Er kündigte zugleich weitere ähnliche Aktionen an. Das nun zerschlagene große Vertriebsnetzwerk sei nicht das einzige.

Der anschließende Zugriff am Freitag richtete sich laut Europol gegen die Großhandelsstrukturen des Netzwerks zum Import und Verteilung der Grundstoffe für die Drogenproduktion. Dieses nutzte demnach sieben legale polnische Firmen als Deckmantel für seine Geschäfte. Es gab 19 Festnahmen und 45 Durchsuchungen in Polen. Auch zwei mutmaßliche Haupttäter wurden gefasst sowie weitere vier Verteilzentren entdeckt.

(V.Sørensen--DTZ)

Empfohlen

Schülerproteste in Frankreich: Mehr als 5000 Festnahmen seit Montag

Bei den landesweiten Schülerprotesten in Frankreich sind nach Angaben der Regierung seit Montag mehr als 5000 Menschen festgenommen worden. Innenminister Laurent Nuñez sagte am Freitagabend im Sender TF1, allein am Freitag habe es 1747 Festnahmen gegeben. "Es gab Ausschreitungen in der Nähe von 158 Einrichtungen: Wurfgeschosse, Angriffe auf Ordnungskräfte, Lehrkräfte, Journalisten, Passanten."

Nach Angriff auf SPD-Politiker Ecke in Dresden: Drei Angeklagte kommen vor Gericht

Knapp drei Jahre nach dem Angriff auf den SPD-Europaabgeordneten Matthias Ecke in Dresden kommen drei Tatverdächtige vor Gericht. Das Amtsgericht der sächsischen Landeshauptstadt ließ die Anklage der Staatsanwaltschaft zu, wie es am Freitag mitteilte. Ecke war im Mai 2024 beim Aufhängen von Wahlplakaten angegriffen und dabei so schwer verletzt worden, dass er operiert werden musste.

Sonderermittlerin soll mutmaßliche Gruppenvergewaltigung an US-Eliteuni untersuchen

Rund zwei Jahre nach einer mutmaßlichen Gruppenvergewaltigung an der US-Eliteuniversität Cornell hat der Bundesstaat New York eine Sonderermittlerin berufen. Gouverneurin Kathy Hochul betraute die New Yorker Generalstaatsanwältin Letitia James mit dem Fall. Beide wollten am Freitag vor die Presse treten.

Bayern: Mehr als sechs Jahre Haft für Syrer wegen Einschleusens von Ausländern

Wegen der mehrfachen Schleusung von illegalen Einwanderern ist ein 32-jähriger Syrer in Bayern zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren und zwei Monaten verurteilt worden. Das Landgericht Traunstein sprach ihn unter anderem des banden- und gewerbsmäßigen Einschleusens von Ausländern schuldig, wie ein Gerichtssprecher am Freitag mitteilte. In das Strafmaß wurde auch ein Urteil vom April mit einbezogen.

Textgröße ändern: