Deutsche Tageszeitung - Gewalt gegen Gelbwesten 2018: Neun französische Polizisten vor Gericht

Gewalt gegen Gelbwesten 2018: Neun französische Polizisten vor Gericht


Gewalt gegen Gelbwesten 2018: Neun französische Polizisten vor Gericht
Gewalt gegen Gelbwesten 2018: Neun französische Polizisten vor Gericht / Foto: © AFP/Archiv

Gut sieben Jahre nach heftigen Ausschreitungen bei Demonstrationen der sogenannten Gelbwesten in Paris hat ein Prozess gegen neun Polizisten wegen übermäßiger Gewalt begonnen. Zum Auftakt des Prozesses ordnete das Gericht in Paris am Montag an, dass die Beamten der französischen Bereitschaftspolizei CRS nicht in Uniform vor Gericht erscheinen dürfen, was acht von ihnen zunächst getan hatten. Die Staatsanwaltschaft wirft den Polizisten vor, Demonstranten mit Schlagstöcken und Fußtritten traktiert zu haben.

Textgröße ändern:

Die Vorfälle ereigneten sich an einem Samstag im Dezember 2018, der von besonders schlimmen Ausschreitungen geprägt war. Demonstranten hatten unter anderem den Pariser Triumphbogen beschädigt.

Die Polizei hatte in der Umgebung viel Tränengas eingesetzt. Eine Gruppe von Demonstranten flüchtete sich in ein geschlossenes Fastfood-Restaurant. Die Einsatzkräfte hatten den Befehl, das Lokal notfalls mit Gewalt zu räumen. Nach Darstellung der Anklage prügelten die Polizisten auch auf Demonstranten, die sich nicht gewalttätig verhalten hatten.

An dem Tag hatten etwa 5500 Menschen in Paris demonstriert, 318 waren festgenommen worden. Es gab 263 Verletzte, unter ihnen 23 Sicherheitskräfte.

Es seien "außergewöhnliche Umstände" gewesen, gab der Anwalt der Angeklagten, Laurent-Franck Liénard, zu bedenken. "Meine Mandanten standen Hunderten von Demonstranten gegenüber, die auf beispiellose Weise gewalttätig waren", betonte er.

Für den Opfer-Anwalt Arié Alimi handelt es sich um einen besonders markanten Fall von Polizeigewalt während der Gelbwesten-Proteste. "Er zeigt die Brutalisierung des Einsatzes zur Wahrung der öffentlichen Ordnung", erklärte er.

Wenige Monate nach den Ausschreitungen hatten der Europarat und die damalige UN-Menschenrechtskommissarin Michelle Bachelet Frankreich zur Zurückhaltung beim Einsatz von Gewalt gegen Demonstranten aufgerufen. Besonders umstritten war damals der Einsatz von Gummigeschossen.

Die Gelbwesten-Proteste, die 2018 begannen, richteten sich gegen hohe Lebenshaltungskosten und soziale Ungleichheit.

(Y.Leyard--DTZ)

Empfohlen

Mexikos Marine sucht nach zwei vermissten Booten der Hilfsflotte für Kuba

Die mexikanische Marine sucht nach eigenen Angaben nach zwei Booten einer internationalen Hilfsflotte für Kuba. Es habe "weder Kommunikation noch eine Bestätigung ihrer Ankunft" in Kubas Hauptstadt Havanna gegeben, erklärte die mexikanische Marine am Donnerstag (Ortszeit) mit Blick auf die vermissten Boote. Kuba erlebt derzeit eine schlimme Wirtschaftskrise, die durch eine US-Blockade der Öllieferungen aus Venezuela verschärft wird.

Mord bei Einbruch in Kehl: Haft und Unterbringung in Psychiatrie

Nach der Vergewaltigung einer 84 Jahre alten Frau und ihrer anschließenden Ermordung bei einem Einbruch im baden-württembergischen Kehl hat das Landgericht Offenburg einen Mann verurteilt. Der zur Tatzeit 23 Jahre alte Angeklagte sei wegen Mordes in Tateinheit mit Raub mit Todesfolge sowie mit Vergewaltigung mit Todesfolge zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden, teilte ein Gerichtssprecher am Freitag mit. Außerdem sei die Unterbringung des an einer Schizophrenie erkrankten Mannes in der Psychiatrie angeordnet worden.

Vier Jahre Haft für Angriff auf Online-Freundin von Barron Trump

Wegen eines Angriffs auf eine Online-Bekannte des jüngsten Sohns von US-Präsident Donald Trump ist ein in Großbritannien lebender Russe zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Ein Gericht in London verkündete am Freitag das Strafmaß gegen den 22-Jährigen, der die Frau nach Überzeugung der Richter im Januar 2025 aus Eifersucht wegen ihrer Bekanntschaft mit Barron Trump attackiert hatte.

Studie: Zahlreiche Jugendliche erlebten bereits sexualisierte Gewalt

Zahlreiche Jugendliche in Deutschland haben einer Studie zufolge bereits Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt gemacht. Bei einer Erhebung des Bundesinstituts für Öffentliche Aufklärung (BIÖG) gaben 64 Prozent der befragten Jugendlichen und jungen Erwachsenen an, bereits mindestens einmal sexualisierte Gewalt ohne Körperkontakt erlebt zu haben, wie das BIÖG am Freitag in Köln mitteilte. 29 Prozent berichteten zudem von sexualisierter Gewalt mit Körperkontakt.

Textgröße ändern: