Deutsche Tageszeitung - Schusswaffenangriff in Kanada: Polizei identifiziert 18-jährige Täterin

Schusswaffenangriff in Kanada: Polizei identifiziert 18-jährige Täterin


Schusswaffenangriff in Kanada: Polizei identifiziert 18-jährige Täterin
Schusswaffenangriff in Kanada: Polizei identifiziert 18-jährige Täterin / Foto: © AFP

Der tödliche Schusswaffenangriff in dem kleinen Ort Tumbler Ridge im Westen Kanadas ist nach Angaben der Polizei von einer 18-Jährigen aus der Gemeinde verübt worden. Die mit einem Gewehr und einer Pistole bewaffnete Schützin sei mit einer "selbst zugeführten Schusswunde" tot aufgefunden worden, teilte die Polizei in der Provinz British Columbia am Mittwoch mit. Zuvor habe die als Mann geborene Trans-Frau acht Menschen erschossen, darunter ihre Mutter und ihren Stiefbruder.

Textgröße ändern:

Das Motiv der Täterin sei weiterhin unklar, sagte ein Polizeisprecher. Die Trans-Frau war der Polizei demnach bekannt. Einsatzkräfte seien im Zusammenhang mit psychischen Problemen der Schützin mehrfach zum Haus der Familie gerufen worden.

Vor einigen Jahren waren mehrere Waffen aus dem Haus beschlagnahmt worden, wie die Polizei mitteilte. Die Waffen seien jedoch anschließend zurückgegeben worden, nachdem der rechtmäßige Eigentümer ihre Rückgabe beantragt habe. Die Schützin habe in der Vergangenheit eine Waffenlizenz besessen, die jedoch 2024 abgelaufen sei. Auf ihren Namen seien keine Waffen registriert gewesen.

Die Schützin hatte der Polizei zufolge vor vier Jahren die Schule abgebrochen. Sie habe sich "sozial und öffentlich" als Frau identifiziert.

Im 2700-Einwohner-Ort Tumbler Ridge hatten Einsatzkräfte laut Polizei am Dienstag in einer weiterführenden Schule die Leichen von sechs erschossenen Menschen vorgefunden. Dabei handelte es sich um eine 39-jährige Lehrerin und fünf Schulkinder - drei zwölfjährige Mädchen sowie ein zwölfjähriger und ein 13-jähriger Junge. In einem nahegelegenen Wohnhaus wurden zwei weitere Leichen gefunden, die Mutter und der Stiefbruder der Täterin. Die Polizei war zu dem Tatort ausgerückt, nachdem ein weiteres Familienmitglied, ein Mädchen, Alarm geschlagen hatte.

Die Polizei hatte zuvor neun Todesopfer gemeldet, die Behörden korrigierten die Opferzahl aber später nach unten. Eine tot geglaubte Frau sei am Leben. Sie werde schwer verletzt im Krankenhaus behandelt. Es gebe mindestens eine weitere Schwerverletzte. Insgesamt wurden mehr als 25 Menschen verletzt.

Kanadas Premierminister Mark Carney verurteilte in einer Ansprache vor dem Parlament eine Tat von "unvorstellbarer Grausamkeit", die "unsere Nation in Schock und uns alle in Trauer versetzt hat". Das ganze Land stehe den Betroffenen bei. Landesweit wurde für eine Woche Trauerbeflaggung angeordnet.

Der kanadische Premier rief zu Zusammenhalt auf. "Wir werden das überstehen. Wir werden daraus lernen. Aber jetzt ist es Zeit, zusammenzukommen, so, wie es Kanadier immer tun", sagte er. Carney sagte seine Reise zur Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) "fürs Erste" ab, wie sein Büro gegenüber der Nachrichtenagentur AFP erklärte. Er hatte geplant, von Mittwoch bis Sonntag in München zu sein.

Der britische König Charles III., das offizielle Staatsoberhaupt Kanadas, erklärte, Königin Camilla und er seien "zutiefst schockiert und betrübt" über den Angriff. "In einer so eng verbundenen Stadt wird jedes Kind beim Namen bekannt und jede Familie ein Nachbar sein", erklärte er.

Schusswaffenangriffe mit vielen Opfern gibt es in Kanada nur selten. Im Jahr 2020 hatte ein Mann bei einem Amoklauf in der östlichen Provinz Nova Scotia 22 Menschen getötet. Statistiken zeigen einen stetigen Anstieg gewalttätiger Straftaten mit Schusswaffen in Kanada. 2023 verzeichnete das Land 36,9 solcher Fälle pro 100.000 Einwohner. Das ist ein Anstieg von 22 Prozent im Vergleich zu 2018 und von 55 Prozent im Vergleich zu 2013.

(W.Uljanov--DTZ)

Empfohlen

Social-Media-Sucht: Tiktok wendet Prozess in USA durch 100-Millionen-Vergleich ab

Die Videoplattform Tiktok hat mit einem Vergleich einen für Montag geplanten Prozess im US-Bundesstaat Alabama wegen mutmaßlich mangelhaften Schutzes Minderjähriger vor Social-Media-Sucht abgewendet. Wie Generalstaatsanwalt Steve Marshall am Freitag (Ortszeit) mitteilte, soll das Unternehmen im Rahmen der Einigung mindestens 100 Millionen Dollar zahlen und die tägliche Nutzungszeit für junge Nutzer auf zwei Stunden begrenzen.

Social-Media-Sucht: Tiktok in den USA ab Montag erstmals vor Gericht

Die Videoplattform Tiktok soll sich ab Montag erstmals vor einem US-Gericht verantworten. Bei dem Verfahren in Montgomery im Bundesstaat Alabama geht es um den Vorwurf, Tiktok schütze Kinder und Jugendliche nicht ausreichend vor Social-Media-Sucht. Ähnliche geplante Gerichtsprozesse - unter anderem in Los Angeles - hatte Tiktok mit außergerichtlichen Vergleichen abgewendet.

US-Justiz: Pentagon darf Sanktionen gegen Anthropic aufrecht erhalten

Im Konflikt mit dem US-Verteidigungsministerium um seine Einstufung als "Sicherheitsrisiko" hat das US-Unternehmen Anthropic eine juristische Niederlage erlitten. Ein US-Berufungsgericht in Washington bestätigte am Freitag die Maßnahmen gegen das Unternehmen durch das Pentagon. Zwar habe Anthropic nicht in böser Absicht gehandelt. In den USA obliege es aber dem "Präsidenten und dem Verteidigungsminister, zu entscheiden, wie die Risiken gegeneinander abgewogen werden", fügte Richter Gregory Katsas hinzu.

Papst Leo XIV. grüßt von Papamobil aus Menschenmengen in Paris

Papst Leo XIV. hat von seinem Papamobil aus jubelnde Menschenmengen in der französischen Hauptstadt Paris gegrüßt. Nach einer rund zweieinhalb Kilometer langen Fahrt zwischen dem Viertel Montparnasse und dem Place Saint-Michel kam der Pontifex am Freitagnachmittag an der Kathedrale Notre-Dame an, wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP beobachteten. Leo XIV. ist der erste Papst, der das Pariser Wahrzeichen seit seiner Wiedereröffnung im Dezember 2024 nach dem verheerenden Brand besucht.

Textgröße ändern: