Deutsche Tageszeitung - Studie: Kreml-freundliche Posts nutzen Epstein-Akten für Desinformation über die Ukraine

Studie: Kreml-freundliche Posts nutzen Epstein-Akten für Desinformation über die Ukraine


Studie: Kreml-freundliche Posts nutzen Epstein-Akten für Desinformation über die Ukraine
Studie: Kreml-freundliche Posts nutzen Epstein-Akten für Desinformation über die Ukraine / Foto: © US Department of Justice/AFP/Archiv

Zahlreiche pro-russische Beiträge in Onlinediensten haben einer aktuellen Studie zufolge die Akten über den verstorbenen US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein für die Verbreitung anti-ukrainischer Verschwörungserzählungen genutzt. Millionenfach aufgerufene Beiträge in den Onlinediensten Facebook, X und Tiktok zitierten Dokumente der Epstein-Akten als angebliche Beweise für die Falschbehauptung, Russland habe ukrainische Kinder durch "Evakuierungen" vor einem Sexhandel-Netzwerk bewahrt, heißt es in einer am Donnerstag veröffentlichten Studie des Instituts für Strategischen Dialog (ISD), einer Londoner Denkfabrik.

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Die ukrainischen Behörden werfen Russland vor, seit Kriegsbeginn 2022 mehr als 20.000 ukrainische Kinder nach Russland verschleppt zu haben. Der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) hatte wegen der Verschleppung der Kinder Haftbefehle gegen Russlands Präsident Wladimir Putin und die russische Kinderrechtsbeauftragte Maria Lwowa-Belowa erlassen.

Der Kreml gibt jedoch an, die ukrainischen Kinder "gerettet" zu haben. In den nun kursierenden Onlinebeiträgen wird dem ISD zufolge behauptet, die Epstein-Akten würden das Narrativ des Kremls beweisen: Die Akten belegten, dass "Putin keine Kinder aus der Ukraine entführt, sondern sie evakuiert hat, um sie vor dem Verkauf in den Kinderhandel zu schützen", heißt es beispielsweise in einem X-Post, der über drei Millionen Mal geklickt wurde.

Die Ukraine sei ein weltweiter Knotenpunkt für den Sexhandel von Kindern, heißt es weiteren Beiträgen, die das ISD untersuchte. Die Epstein-Akten würden zudem belegen, dass Putin versucht habe, ukrainische Kinder aus einem mit Epstein in Verbindung stehenden Sexhandel-Netzwerk zu retten.

Innerhalb von zwei Tagen seien auf X über 15.000 Beiträge mit vergleichbaren Falschbehauptungen aufgetaucht, heißt es in dem ISD-Bericht. Es gebe zwar keine Beweise dafür, dass Moskau hinter diesen Falschbehauptungen stecke, erklärte ISD-Autorin Liana Sendetska. Doch die Veröffentlichung der Epstein-Akten "spielt ihm (dem Kreml) in die Hände".

Ende Januar waren drei Millionen Dokumente aus den Epstein-Akten veröffentlicht worden. Seitdem geraten immer mehr Politiker und Prominente unter Druck, die in den Dokumenten auftauchen. Eine Erwähnung in den Akten bedeutet jedoch noch keine Verwicklung in Epsteins Affären.

Der bis in höchste Kreise von Politik und Wirtschaft vernetzte US-Investor und Sexualstraftäter Epstein soll mehr als tausend Minderjährige und junge Frauen missbraucht und teils an Prominente weitergereicht haben. Er war 2008 wegen Anstiftung einer Minderjährigen zur Prostitution verurteilt worden. 2019 wurde er wegen des Verdachts auf sexuellen Missbrauch von Minderjährigen festgenommen und beging nach offiziellen Angaben in seiner New Yorker Gefängniszelle Suizid.

(V.Sørensen--DTZ)

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