Deutsche Tageszeitung - Nach tödlichem Angriff auf Klinik in Kabul: Taliban drohen Pakistan mit Rache

Nach tödlichem Angriff auf Klinik in Kabul: Taliban drohen Pakistan mit Rache


Nach tödlichem Angriff auf Klinik in Kabul: Taliban drohen Pakistan mit Rache
Nach tödlichem Angriff auf Klinik in Kabul: Taliban drohen Pakistan mit Rache / Foto: © AFP

Zwei Tage nach dem pakistanischen Angriff auf eine Entzugsklinik in Kabul mit hunderten Toten und Verletzten hat die afghanische Taliban-Regierung Vergeltung angedroht - und sich zugleich gesprächsbereit gezeigt. Pakistan kündigte derweil am Mittwoch eine Waffenruhe für das bevorstehende Zuckerfest zum Ende des Ramadan an. Zuvor hatte erstmals eine westliche Nichtregierungsorganisation bestätigt, dass "hunderte" Menschen in der Klinik getötet und verletzt wurden.

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"Wir werden Rache üben", sagte Innenminister Siradschuddin Hakkani am Mittwoch bei einem Massenbegräbnis für die Getöteten. Die Drogenentzugsklinik in der afghanischen Hauptstadt war am Montagabend angegriffen worden. Das von den radikalislamischen Taliban geführte Innenministerium gab die Zahl der Todesopfer mit 408 an. 265 weitere Menschen seien verletzt worden. In der Klinik waren Drogensüchtige aus dem ganzen Land behandelt worden.

Der Norwegische Flüchtlingsrat (NRC) bestätigte am Mittwoch als erste unabhängige Partei, "dass es Hunderte von Toten und Verletzten gab". Die Nichtregierungsorganisation schickte Mitarbeiter an den Angriffsort, wie NRC-Landesdirektor Jacopo Caridi der Nachrichtenagentur AFP sagte. "Nach dem, was wir gesehen und nachdem wir mit anderen (am Rettungseinsatz) Beteiligten besprochen haben, können wir sagen, dass es Hunderte von Toten und Verletzten gab."

Die pakistanische Regierung bestritt einen vorsätzlichen Angriff auf die Klinik. Stattdessen habe die Armee "militärische und terroristische Infrastruktur" in Kabul angegriffen. Darunter seien Munitionslager und andere Ziele gewesen, "die mit feindlichen Aktivitäten gegen Pakistan in Verbindung stehen".

Einige der Todesopfer wurden am Mittwoch bei regnerischem Wetter in einem Massengrab auf einem Hügel in Kabul beerdigt. Ehrenamtliche Mitarbeiter des Roten Halbmondes trugen die einfachen Holzsärge zu dem Grab. Das Sicherheitsaufgebot war groß. Angehörige der Toten waren bei der Zeremonie jedoch nicht zu sehen, wie Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten.

Bei der Zeremonie wurden nur ein Teil der bereits identifizierten Opfer beerdigt, da einige der identifizierten Leichen für die Beisetzung in ihre Heimatorte zurückgebracht wurden. Die Identifizierung weitere Opfer dauere noch an, erklärten die Behörden.

"Heute ist ein trauriger Tag", sagte der afghanische Innenminister Hakkani. Pakistan werde "die Konsequenzen" seiner "Verbrechen" zu spüren bekommen. Gleichzeitig setze die Regierung in Kabul auf Gespräche: "Wir wollen keinen Krieg, aber die Lage hat sich so entwickelt. Also versuchen wir, die Probleme durch Diplomatie zu lösen."

Pakistans Informationsminister Attaullah Tarar erklärte, die "vorübergehende Pause" bei den Angriffen auf Afghanistan solle mit dem Ende des Fastenmonats Ramadan am Donnerstag beginnen und bis Montag anhalten. Saudi-Arabien, Katar und die Türkei hätten um die Feuerpause gebeten, fügte er im Onlinedienst X hinzu. "Im Falle eines grenzüberschreitenden Angriffs, einer Drohnenattacke oder eines Terrorvorfalls in Pakistan", würden die Angriffe auf Afghanistan aber "sofort" und mit "verstärkter Intensität" fortgesetzt.

Der Konflikt zwischen Pakistan und Afghanistan war Ende Februar erneut eskaliert. Islamabad wirft Kabul vor, bewaffneten extremistischen Gruppen Unterschlupf zu gewähren, die immer wieder Anschläge in Pakistan verüben. Kabul weist das zurück. Die beiden Nachbarländer vereinbarten unter Vermittlung Katars und der Türkei im Oktober zwar eine Waffenruhe, konnten sich aber in mehreren folgenden Verhandlungsrunden nicht auf eine dauerhafte Vereinbarung einigen.

(L.Møller--DTZ)

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