Deutsche Tageszeitung - Tödliche Schüsse auf Polizisten in Saarland: Junger Täter soll in Psychiatrie

Tödliche Schüsse auf Polizisten in Saarland: Junger Täter soll in Psychiatrie


Tödliche Schüsse auf Polizisten in Saarland: Junger Täter soll in Psychiatrie
Tödliche Schüsse auf Polizisten in Saarland: Junger Täter soll in Psychiatrie / Foto: © AFP/Archiv

Im Prozess um die tödlichen Schüsse auf einen Polizisten im saarländischen Völklingen hat das Landgericht Saarbrücken den Mordvorwurf gegen den Angeklagten fallengelassen. Der zur Tatzeit 18-Jährige sei wegen einer paranoiden Schizophrenie bei den Schüssen schuldunfähig gewesen, urteilte das Gericht am Mittwoch. Der Mann soll nun unbefristet in der Psychiatrie untergebracht werden. Die Deutsche Polizeigewerkschaft sprach angesichts des Urteils von einem "Schlag ins Gesicht" für alle Polizisten.

Textgröße ändern:

Angeklagt war Ahmet G. wegen Mordes, versuchten Mordes und besonders schweren Raubes. Er soll den Polizisten am 25. August nach einem Raubüberfall auf eine Tankstelle in Völklingen erschossen haben, als dieser ihn bei seiner Flucht festnehmen wollte. Ein weiterer Beamter wurde verletzt.

Im Gegensatz zur Anklage stellte die Kammer keine Mordmerkmale bei dem Angeklagten fest. Die Auswirkungen seiner psychischen Erkrankung seien für ihn leitend gewesen. Das Gericht folgte der Einschätzung eines Gutachters, wonach G. nur bei dem Raubüberfall auf die Tankstelle eine bestehende Schuldfähgkeit hatte - diese sei jedoch eingeschränkt gewesen. Eine Jugendstrafe wurde wegen der Unterbringung nicht verhängt für den Überfall.

Der Landesvorsitzende Saarland der Deutschen Polizeigewerkschaft, Markus Sehn, reagierte mit Fassungslosigkeit auf das Urteil. "Der heutige Prozesstag ist ein Schlag ins Gesicht für alle Kolleginnen und Kollegen", erklärte Sehn. Das Urteil bringe keine Gerechtigkeit.

Es gebe eine saarländische Polizei vor und nach dem Tod des Kollegen. Einige Polizisten, die am Einsatz beteiligt waren, seien zum Teil schwer traumatisiert und könnten vereinzelt aufgrund posttraumatischer Belastungsstörungen ihren Dienst nicht mehr verrichten.

Der stellvertretende Bundesvorsitzende der Gewerkschaft, Heiko Teggatz, forderte die Staatsanwaltschaft auf, Rechtsmittel einzulegen. Nur dies gebe Hoffnung auf ein gerechteres Urteil.

Dagegen erklärte die saarländische Landespolizei, das Urteil sei das Ergebnis eines rechtsstaatlichen Verfahrens, das mit großer Sorgfalt, unter umfassender Prüfung aller Beweise und unter Wahrung der Rechte aller Beteiligten geführt worden sei. Gerade in einem so emotional belastenden Fall zeige sich die Bedeutung des Rechtsstaates, erklärte die Behördenleitung: "Entscheidungen werden auf Grundlage von Recht und Gesetz getroffen - unabhängig, objektiv und frei von äußerem Einfluss."

(U.Beriyev--DTZ)

Empfohlen

Geiselnahme in Berlin beendet - Täter mit Taser überwältigt

Die nächtliche Geiselnahme in einem Supermarkt in Berlin ist beendet. Ein Spezialeinsatzkommando überwältigte den Täter am Samstagmorgen, wie Polizeisprecher Florian Nath mitteilte. Der Mann hatte in dem Geschäft eine Frau gegen 22.00 Uhr am Freitagabend in seine Gewalt gebracht.

Mehr als 14.000 Menschen bringen sich in Taiwan vor Taifun "Bavi" in Sicherheit

Wegen des herannahenden Taifuns "Bavi" haben sich mehr als 14.000 Menschen im Norden Taiwans in Sicherheit gebracht. Mehr als 27.000 Haushalte waren am Samstag ohne Strom; zahlreiche Geschäfte blieben geschlossen. In der Hafenstadt Keelung östlich der Hauptstadt Taipeh waren bei starkem Wind und Regenfällen nur wenige Menschen auf der Straße.

Geiselnahme in Berlin: Mann hält Frau in Supermarkt seit Stunden in seiner Gewalt

Ein Mann hat in einem Supermarkt in Berlin eine Frau als Geisel genommen. Der Täter verschanze sich nach wie vor mit der Frau in dem Geschäft im Stadtteil Marienfelde, sagte ein Polizeisprecher am Samstagmorgen der Nachrichtenagentur AFP. Der Mann hatte die Geisel am Freitagabend gegen 22.00 Uhr in seine Gewalt gebracht.

Zahl der Erdbeben-Toten in Venezuela steigt auf über 4000

Gut zwei Wochen nach dem schweren Doppel-Erdbeben in Venezuela ist die Zahl der Todesopfer auf mehr als 4000 gestiegen. Bislang seien 4118 Todesopfer gemeldet worden, teilte am Freitag Parlamentspräsident Jorge Rodríguez mit. Die Zahl der Verletzten liege bei 16.740. Zudem werden noch immer tausende Menschen vermisst, zu deren genauer Zahl machte die Regierung aber weiter keine Angaben.

Textgröße ändern: