Mindestens neun Tote bei neuem Schusswaffenangriff auf Schule in der Türkei
Beim zweiten Schusswaffenangriff auf eine Schule in der Türkei in zwei Tagen hat ein Schüler mindestens neun Menschen getötet. Weitere 13 Menschen seien bei dem Angriff in der südtürkischen Stadt Kahramanmaras verletzt worden, sagte Innenminister Mustafa Ciftci am Mittwoch bei einem Besuch der Stadt. Bei den Todesopfern handele es sich um acht Schüler und einen Lehrer. Der 13 oder 14 Jahre alte Schütze sei ebenfalls tot.
Der Angreifer habe am Mittwoch in Kahramanmaras, der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, mehrere Schusswaffen im Rucksack mit in die Schule gebracht, erklärte Gouverneur Mükerrem Ünlüer. "Er ist in zwei Klassenzimmer eingedrungen und hat wahllos das Feuer eröffnet." Die Waffen gehörten demnach vermutlich dem Vater des Täters, einem ehemaligen Polizisten.
Nach der Tat habe sich der Angreifer selbst erschossen, sagte der Gouverneur. Es sei aber noch unklar, ob es sich dabei um einen Suizid gehandelt habe "oder ob das im Chaos passiert" sei. Laut der amtlichen Nachrichtenagentur Anadolu wurde der Vater des Angreifers, ein ehemaliger Inspektor der städtischen Polizei von Kahramanmaras, festgenommen.
Nach Angaben von Innenminister Ciftci wurden sechs der 13 Verletzten auf der Intensivstation behandelt, drei von ihnen schwebten in Lebensgefahr. Der Angriff trug sich den Behörden zufolge gegen 13.30 Uhr Ortszeit zu, in den betroffenen Klassenzimmern waren Schüler im Alter von etwa zehn Jahren. Die Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen auf.
In einem Video, das eine Anwohnerin von einem Nachbargebäude der Schule aufnahm und das von AFP verifiziert wurde, ist zu sehen, wie Schüler aus einem Fenster in der ersten Etage der Schule springen, während Dutzende andere über den Hof rennen. Während der anderthalbminütigen Aufnahme sind Schreie sowie etwa 15 Schüsse zu hören.
Auch Zeugen sprachen gegenüber örtlichen Medien von zahlreichen Schüssen. Von der Nachrichtenagentur IHA verbreitete Aufnahmen zeigten, wie ein zugedeckter Körper in einem Krankenwagen weggebracht wurde. Vor dem Gebäude standen weitere Krankenwagen bereit, an der Schule waren weinende Eltern zu sehen.
"Wir haben überhaupt keine Informationen", sagte eine Frau unter Tränen der Nachrichtenagentur IHA. "Es wurde auf Kinder gezielt." Die türkische Aufsichtsbehörde für audiovisuelle Medien untersagte es türkischen Fernsehsendern, Bilder von dem Angriff zu zeigen.
"Unser Herz blutet", erklärte Parlamentspräsident Numan Kurtulmus. "Wir sprechen der ganzen Nation unser Beileid aus." Die Schulen in der Provinz Kahramanmaras werden am Donnerstag und Freitag geschlossen bleiben.
Erst am Dienstag hatte ein junger Mann an seiner ehemaligen Schule in der südöstlichen Provinz Sanliurfa mit einer Schusswaffe 16 Menschen verletzt und sich anschließend das Leben genommen. Bei den Verletzten handelte es sich nach Angaben des Innenministerium um zehn Schüler, vier Lehrer, einen Polizisten und einen Kantinenmitarbeiter. Neun der Verletzten wurden am Mittwoch noch im Krankenhaus behandelt, wie Staatschef Recep Tayyip Erdogan vor dem erneuten Schusswaffenangriff mitgeteilt hatte.
Derartige Schusswaffenangriffe kommen in der Türkei relativ selten vor. Im Mai 2023 hatte ein verwiesener Schüler an seiner früheren Schule den 74-jährigen Direktor erschossen. Nach seiner Flucht wurde der Angreifer festgenommen. Die Gewalttat löste landesweit Diskussionen aus. Tausende Lehrer demonstrierten in Istanbul für bessere Sicherheitsvorkehrungen an Schulen.
In der Türkei gelten strenge Waffengesetze. Der Besitz einer Schusswaffe erfordert eine Registrierung und einen Waffenschein inklusive einem Nachweis der psychologischen Eignung sowie eine Überprüfung auf mögliche Vorstrafen. Auf illegalen Waffenbesitz stehen strenge Strafen. Laut den Schätzungen einer türkischen Stiftung sind in der Türkei allerdings dennoch zahlreiche Schusswaffen im Umlauf, die meisten davon illegal.
(Y.Ignatiev--DTZ)