Deutsche Tageszeitung - 42 Jahre nach Tat: Mann wegen Tötung von Krankenschwester vor Gericht

42 Jahre nach Tat: Mann wegen Tötung von Krankenschwester vor Gericht


42 Jahre nach Tat: Mann wegen Tötung von Krankenschwester vor Gericht
42 Jahre nach Tat: Mann wegen Tötung von Krankenschwester vor Gericht / Foto: © AFP/Archiv

Fast 42 Jahre nach dem gewaltsamen Tod einer Krankenschwesterschülerin im bayerischen Aschaffenburg muss sich ihr ehemaliger Lebensgefährte wegen Mordes vor Gericht verantworten. Der mittlerweile 67 Jahre alte Mann gestand die Tötung seiner Exfreundin zu Prozessbeginn vor dem Landgericht Aschaffenburg am Donnerstag, wie eine Gerichtssprecherin sagte. Er ließ durch seine Verteidigung aber erklären, weder heimtückisch noch aus niederen Beweggründen gehandelt zu haben.

Textgröße ändern:

Die Staatsanwaltschaft geht hingegen davon aus, dass diese Mordmerkmale erfüllt sind. In diesem Fall wäre die Tat trotz der langen Zeitspanne nicht verjährt.

Laut Anklage waren der Beschuldigte und das Opfer seit 1982 oder 1983 ein Paar. Der in der Türkei geborene Angeklagte hoffte auf eine baldige Hochzeit, auch im Hinblick auf seine auslaufende Aufenthaltserlaubnis. Die damals 19-jährige angehende Krankenschwester erwog zunächst eine Heirat, trennte sich aber Anfang 1984 von dem Angeklagten und ging eine Beziehung mit einem im hessischen Hanau stationierten Soldaten der US-Armee ein.

Tatsächlich wurde ihrem Exfreund der Anklage zufolge einige Monate später die Aufenthaltserlaubnis entzogen und in der Folge auch das Arbeitsverhältnis gekündigt. Wenige Tage nach der Kündigung tauchte der Angeklagte am 30. Juli 1984 im Wohnheim der 19-Jährigen auf, um sie zur Rede zu stellen. Daraufhin entwickelte sich ein Streit, im Zuge dessen der Beschuldigte schließlich einen Schal um den Hals der 19-Jährigen schlang und sie erdrosselte.

Aus Sicht der Staatsanwaltschaft handelte der damals 25-jährige Angeklagte dabei aus niederen Beweggründen, weil seine Motive Eifersucht, Rache, übersteigerter Besitzanspruch und verletzte männliche Ehre waren. Das Mordmerkmal der Heimtücke sieht die Anklagebehörde zusätzlich erfüllt, weil sich die 19-Jährige keines Angriffs auf ihr Leben versah und ihre Abwehrmöglichkeiten daher erheblich eingeschränkt waren.

Der Angeklagte wurde nach der Tat international gesucht. Im Juli 2025 wurde er in der Türkei festgenommen und einige Zeit später nach Deutschland ausgeliefert. Im Zuge der Ermittlungen stellte sich heraus, dass er in der Zwischenzeit unter Aliaspersonalien erneut in Aschaffenburg gelebt hatte, nämlich von 1998 bis 2014. In dieser Zeit war er laut Polizei mit einer deutschen Staatsbürgerin verheiratet und arbeitete als Handwerker im Landkreis Aschaffenburg. Später lebte er bis zu seiner Festnahme wieder in der Türkei.

(G.Khurtin--DTZ)

Empfohlen

UN: Vertreibung im Westjordanland könnte Verbrechen gegen Menschlichkeit sein

Die Vertreibung zehntausender Palästinenser aus Flüchtlingslagern im besetzten Westjordanland durch Israel könnte nach Einschätzung der Vereinten Nationen ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellen. Mehr als 33.000 Menschen seien Anfang 2025 aus den Lagern Dschenin, Tulkarem und Nur Schams vertrieben worden, erklärte die UNO am Freitag.

Anschläge auf Umspannwerke: Polizei fahndet unter Hochdruck nach Verdächtigem

Nach den Anschlägen auf Umspannwerke in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen fahnden die Ermittler mit Hochdruck nach einem 48-jährigen Verdächtigen. Der Mann aus dem nordrhein-westfälischen Gevelsberg geriet als Verfasser von zwei als authentisch eingeschätzten Bekennerschreiben samt Täterwissen ins Visier, wie Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) und Landesinnenminister Herbert Reul (CDU) am Freitag in Düsseldorf sagten. Einsatzkräfte der Polizei fanden im Wohnhaus des Mannes in Gevelsberg demnach "sprengstoffverdächtige Gegenstände".

Zahl unerlaubter Einreisen im August auf niedrigstem Stand seit über fünf Jahren

Die Zahl unerlaubter Einreisen an den deutschen Grenzen ist im August weiter gesunken. Wie die Bundespolizei am Freitag in Potsdam mitteilte, versuchten im vergangenen Monat 3587 Menschen, ohne gültige Papiere nach Deutschland einzureisen. Dies waren rund 14 Prozent weniger als im Juli und 39 Prozent weniger als im August 2025. Es ist zudem der niedrigste Stand seit über fünf Jahren.

Anschläge auf Umspannwerke: Dobrindt geht von "Klimaextremismus" aus

Nach den Anschlägen auf Umspannwerke in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen geht Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) derzeit von einem Fall von "Klimaextremismus" durch einen mutmaßlichen Einzeltäter aus. Das sagte Dobrindt am Freitag in Düsseldorf vor Journalisten. Er verwies zugleich auf die noch laufenden Ermittlungen und den bisher nicht abschließend geklärten Tathintergrund. Eine abschließende Beurteilung sei aktuell noch nicht möglich, betonte der Bundesinnenminister weiter.

Textgröße ändern: