Deutsche Tageszeitung - Experte: Le-Pen-Urteil gibt Startschuss für Frankreichs Präsidentschaftswahl

Experte: Le-Pen-Urteil gibt Startschuss für Frankreichs Präsidentschaftswahl


Experte: Le-Pen-Urteil gibt Startschuss für Frankreichs Präsidentschaftswahl
Experte: Le-Pen-Urteil gibt Startschuss für Frankreichs Präsidentschaftswahl / Foto: © AFP/Archiv

Das Urteil im Berufungsverfahren gegen die französische Rechtspopulistin Marine Le Pen am Dienstag gibt nach Einschätzung eines Experten den Startschuss für den Präsidentschaftswahlkampf in Frankreich. "Alle Parteien warten ausnahmslos auf das Urteil und auf die Antwort zu der Frage, mit wem sie es zu tun bekommen", sagte der Politikwissenschaftler Jacob Ross von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) der Nachrichtenagentur AFP.

Textgröße ändern:

Die Fraktionsvorsitzende des Rassemblement National (RN) erfährt am Nachmittag, ob die Berufungsrichter das Urteil der ersten Instanz bestätigen oder nicht. Falls Le Pen erneut zu fünf Jahren Nichtwählbarkeit verurteilt wird, bedeutet dies das Aus für ihre geplante Präsidentschaftskandidatur.

Die hohe Aufmerksamkeit für das Urteil im Prozess um die Veruntreuung von EU-Geldern zeige zugleich, "wie zentral der RN und seine Themen für den kommenden Wahlkampf werden", sagte Ross.

Falls Le Pen nicht antreten kann, soll an ihrer Stelle der 30 Jahre alte Parteichef Jordan Bardella kandidieren. "Aus deutscher Sicht gibt es eine leichte Präferenz für Bardella, auch wenn er in Berlin noch recht unbekannt ist", sagte Ross. Le Pen habe sich in den vergangenen Jahren immer wieder als Deutschland-Gegnerin gezeigt. Bardella hingegen gelte, auch aufgrund seines Alters, "als weniger ideologisch festgelegt und formbar".

Bardella hatte in einem Interview mit der "FAZ" im Mai "Übereinstimmungen" mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) betont - unter anderem in der Migrationspolitik. Er äußerte sich zudem mehrfach positiv zur Politik der italienischen Regierungschefin Giorgia Meloni, zu der Berlin eine pragmatische Beziehung aufgebaut hat.

Bardellas Unerfahrenheit sei jedoch zugleich seine Achillesferse, sagte Ross. "Wollen die Franzosen wirklich von einem dann 31-Jährigen ohne Arbeitserfahrung außerhalb der Partei geführt werden?", gibt er zu Bedenken.

Riskant seien auch die "Flügelkämpfe" innerhalb der Partei. Obwohl Le Pen und Bardella sich in den vergangenen Monaten demonstrativ harmonisch gezeigt haben, zeichnen sich mehr und mehr thematische Unterschiede ab, etwa mit Blick auf die Rente, die Außenpolitik oder ein mögliches Bündnis mit anderen rechten Parteien.

Mit dem Urteil im Berufungsverfahren wurde am Nachmittag gerechnet. Neben Le Pen sind zehn weitere Personen und die Partei angeklagt. Die Anklage wirft Le Pen vor, die Gehälter von EU-Parlamentsassistenten systematisch genutzt zu haben, um die Parteifinanzen aufzubessern. Der Schaden wurde auf 4,4 Millionen Euro beziffert.

(V.Sørensen--DTZ)

Empfohlen

20-Jähriger in Leverkusen erstochen - Täter flüchtig

In einer Grünanlage im nordrhein-westfälischen Leverkusen soll ein junger Mann einen 20-Jährigen erstochen haben. Wie Polizei und Staatsanwaltschaft in Köln am Dienstag mitteilten, war der Täter zunächst flüchtig. Nach ihm wurde gefahndet, auch ein Spürhund und ein Hubschrauber waren dabei im Einsatz.

Eurojackpot geknackt: Fast 40 Millionen Euro gehen nach Schleswig-Holstein

Ein Glückspilz aus Schleswig-Holstein hat den Eurojackpot geknackt und fast 40 Millionen Euro gewonnen. Wie die Westdeutsche Lotterie am Dienstag in Münster mitteilte, bekommt die Gewinnerin oder der Gewinner 39.496.021,60 Euro. Die richtigen Gewinnzahlen lauteten 4, 5, 7, 48 und 50 mit den Eurozahlen 4 und 5.

Bekannte mit Stich in Hals getötet: Dreieinhalb Jahre Haft für Mann in Niedersachsen

Wegen der Tötung einer Bekannten mit einem Stich in den Hals hat das Landgericht im niedersächsischen Hildesheim einen 63-Jährigen am Dienstag zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Schuldig gesprochen wurde er wegen Totschlags, wie ein Gerichtssprecher mitteilte. Die zuständige Kammer sah es als erwiesen an, dass der 63-Jährige die Frau im Februar in Alfeld getötet hatte.

BSG: Gesetzliche Unfallversicherung greift bei Wegeunfall wegen Unterzuckerung

Die gesetzliche Unfallversicherung greift auch dann, wenn ein Mensch mit Diabetes wegen einer Unterzuckerung auf dem Heimweg sein Wohnhaus verpasst und in einen Autounfall verwickelt wird. Das Bundessozialgericht (BSG) in Kassel gab am Dienstag der Revision eines Beschäftigten der Deutschen Post statt, der sich bei einem entsprechenden Unfall erhebliche Verletzungen zugezogen hatte. (Az. B 2 U 5/24 R)

Textgröße ändern: