Deutsche Tageszeitung - Kolumbien: Ex-Guerillachef wirft designiertem Präsidenten Schüren von Gewalt vor

Kolumbien: Ex-Guerillachef wirft designiertem Präsidenten Schüren von Gewalt vor


Kolumbien: Ex-Guerillachef wirft designiertem Präsidenten Schüren von Gewalt vor
Kolumbien: Ex-Guerillachef wirft designiertem Präsidenten Schüren von Gewalt vor / Foto: © AFP

Der frühere Chef der Farc-Guerilla, Rodrigo Londoño, hat Kolumbiens designiertem rechtsgerichteten Präsidenten Abelardo de la Espriella das Schüren von Gewalt vorgeworfen. Londoño sagte am Dienstag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP, die "anhaltende Stigmatisierung" von Ex-Guerillakämpfern werde von "Hassbotschaften begleitet", die Gewalt auslösen könnten. "Es gibt Menschen mit einflussreichen Plattformen, die solche Botschaften verbreiten", sagte er. Dies sei "extrem gefährlich".

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Die Präsidentenwahl in Kolumbien hatte inmitten der schlimmsten Gewaltwelle seit Jahren stattgefunden. Zehn Jahre nach dem historischen Friedensschluss zwischen der Regierung und der vormals mächtigen Guerilla-Organisation Farc sind in dem südamerikanischen Land weiterhin viele bewaffnete Gruppen aktiv. Das Spektrum reicht von Abspaltungen der Farc über rechte paramilitärische Gruppierungen bis hin zu Drogenbanden.

Vor diesem Hintergrund hatte De la Espriella im Wahlkampf eine rigorose Sicherheitspolitik versprochen. Im Zuge dessen kündigte er an, mit harter Hand gegen ins Drogengeschäft verwickelte Banden vorzugehen und Bombenangriffe auf deren Stützpunkte zu starten. Zudem wolle er alle Sondergerichte abschaffen, die aus seiner Sicht ehemaligen Farc-Chefs Straffreiheit ermöglicht haben.

Den auch unter seinem Kampfnamen "Timoschenko" bekannten Londoño nannte De la Espriella jüngst einen "Kriegsverbrecher". Er erklärte, der ehemalige Farc-Chef verdiene eine lebenslange Haftstrafe, und kündigte an, auf dieses Ziel hinzuarbeiten. Londoño zufolge hatten sich ehemalige Guerilla-Chefs schriftlich an De la Espriella gewandt. In dem Schreiben erkannten sie demnach den Wahlsieg des rechten Hardliners an und zeigten sich offen für Gespräche.

Die Farc kämpfte ein halbes Jahrhundert lang gegen die Regierung in Bogotá, bevor sie 2016 in ein Friedensabkommen einwilligte. Kolumbiens scheidender Präsident Gustavo Petro hatte sich in seiner auslaufenden vierjährigen Amtszeit durch Verhandlungen mit bewaffneten Gruppen um eine weitere Befriedung bemüht. Jedoch gelang ihm kein größeres weiteres Abkommen. Am Montag kündigte De la Espriella an, das im Präsidialamt angesiedelte Friedensbüro zu schließen. Mit seiner Regierung werde es "keine falschen Friedensprozesse mehr geben".

Zuletzt waren 39 Zivilisten in einer abgelegenen Region im Nordwesten des Landes durch Kämpfer der Guerrillagruppe ELN verschleppt worden. Am Dienstag wurden sie vom Militär befreit.

(T.W.Lukyanenko--DTZ)

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