Deutsche Tageszeitung - "Dramatische" Waldbrände in Südeuropa: Zehntausende evakuiert - EU-Hilfe für Frankreich und Spanien

"Dramatische" Waldbrände in Südeuropa: Zehntausende evakuiert - EU-Hilfe für Frankreich und Spanien


"Dramatische" Waldbrände in Südeuropa: Zehntausende evakuiert - EU-Hilfe für Frankreich und Spanien
"Dramatische" Waldbrände in Südeuropa: Zehntausende evakuiert - EU-Hilfe für Frankreich und Spanien / Foto: © AFP

Die Waldbrand-Situation in Südeuropa nimmt immer dramatischere Dimensionen an: Allein in Frankreich wurden bereits rund 58.000 Menschen aus bei Touristen beliebten Gegenden an der Atlantikküste evakuiert. Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez nannte die Lage in seinem Land und in den Nachbarstaaten am Freitag "dramatisch", seine Regierung rief für zwei Regionen den "Notstand nationaler Tragweite" aus. Frankreich und Spanien forderten Hilfe von der EU an, diese schickte Löschflugzeuge.

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Der "größte" Waldbrand der Saison in Frankreich wütete nach den Worten von Innenminister Laurent Nuñez in der Nähe der Bucht von Arcachon. Dort wurden nach Angaben der örtlichen Behörden bereits 35.000 Menschen evakuiert, insgesamt sollten laut Nuñez 40.000 Menschen in Sicherheit gebracht werden. Betroffen waren auch Campingplätze und Feriendörfer und somit auch zahlreiche Touristen. Opfer wurden den Angaben zufolge nicht verzeichnet.

Das Feuer, das die bei Touristen beliebte Halbinsel Cap Ferret bedrohte, verwüstete bereits eine Fläche von mehr als 10.000 Hektar. Am Freitagvormittag trafen mehrere hundert Menschen per Boot in Arcachon ein, die von Cap Ferret evakuiert worden waren.

Etwa hundert Kilometer weiter südlich brannten in der Nähe des Ortes Biscarrosse mehr als 2500 Hektar Fläche ab. In diesem Gebiet wurden 23.000 Menschen in Sicherheit gebracht.

Hohe Temperaturen, starker Wind und die Trockenheit der Vegetation nach drei Hitzewellen befördern die Ausbreitung der Flächenbrände. Die Gegend an der Atlantikküste ist von Pinienwäldern geprägt, die derzeit ausgetrocknet sind. Die Feuerwehr rechnete für Freitag mit erschwerten Bedingungen, da der Wind zunehme und die Richtung ändere.

Insgesamt gab es in Frankreich Innenminister Nuñez zufolge 32 aktive Waldbrände unterschiedlicher Intensität. Seit Jahresbeginn brannten demnach 50.000 Hektar Fläche ab - etwa drei Mal so viel wie im entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Angesichts der Waldbrände entsandte die Europäische Union nach Angaben einer Kommissionssprecherin drei Flugzeuge und zwei Helikopter der EU-Rettungsflotte nach Frankreich. Präsident Emmanuel Macron hatte die EU zuvor um Hilfe gebeten.

Zudem wurden den EU-Angaben zufolge vier Canadair-Flugzeuge nach Spanien geschickt. Spanien hatte über den Katastrophenschutzmechanismus der EU vier Löschflugzeuge zur Bekämpfung der Brände angefordert.

In Spanien kämpften hunderte Einsatzkräfte gegen Waldbrände in der Region um die Hauptstadt Madrid. Die Feuer waren nach Behördenangaben am Freitagmorgen noch immer außer Kontrolle. Sorgen machte den Behörden das Wetter: Vor allem der Wind werde die Löscharbeiten am Freitag erschweren, erklärte die Verwaltung der Region Madrid im Onlinedienst X.

Zwei der drei Waldbrände westlich von Madrid waren nach Angaben der Regionalregierung am Freitag kurz davor, sich zu einem Großbrand zusammenzuschließen. Das Flammenmeer dringe in Richtung Navas del Rey rund 50 Kilometer vom Stadtrand von Madrid entfernt vor. Das Feuer sei "außer Kontrolle". Weitere Dörfer würden evakuiert.

Ministerpräsident Sánchez bezeichnete die Waldbrand-Situation in Teilen Spaniens und der Nachbarländer als "dramatisch" und erklärte, die Regierung setze "alle verfügbaren" Mittel ein.

Wegen der Waldbrände rief die spanische Regierung am Donnerstagabend für zwei Regionen den "Notstand nationaler Tragweite" aus. Dieser gelte ab sofort für die Hauptstadtregion Madrid sowie in der nahegelegenen Provinz Ávila, teilte das Innenministerium mit. Durch die Ausrufung des Notstands kann der Staat mehr Mittel und Gelder im Kampf gegen die Flammen mobilisieren.

In den vergangenen Tagen waren in Spanien zahlreiche Brände ausgebrochen. Insgesamt mussten rings um Madrid 10.000 Menschen ihre Häuser verlassen. Durch Waldbrände sind in Spanien in diesem Jahr bislang bereits fast 130.000 Hektar Land verbrannt.

Daneben kämpften auch in Italien Einsatzkräfte gegen die Flammen. Betroffen waren die Mittelmeerinsel Sizilien und die Region Kalabrien.

Wissenschaftlern zufolge verstärkt der menschengemachte Klimawandel die Länge, Intensität und Häufigkeit extremer Hitze, die wiederum günstige Bedingungen für die Ausbreitung von Waldbränden schafft und die Löscharbeiten erschwert.

(T.W.Lukyanenko--DTZ)

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