Deutsche Tageszeitung - Sechs Tote und mindestens 16 Verletzte bei Gewalt im Westjordanland

Sechs Tote und mindestens 16 Verletzte bei Gewalt im Westjordanland


Sechs Tote und mindestens 16 Verletzte bei Gewalt im Westjordanland
Sechs Tote und mindestens 16 Verletzte bei Gewalt im Westjordanland / Foto: © AFP

Bei gewaltsamen Konfrontationen im Norden des besetzten Westjordanlands sind am Freitag zwei Israelis und vier Palästinenser getötet sowie mindestens 16 Menschen verletzt worden. Sechs Menschen kamen im Dorf Tell nahe der Siedlung Havat Gilad ums Leben, bei weiteren Vorfällen in Farata und Sarra meldete der Palästinensische Rote Halbmond zehn Verletzte. Im Anschluss kündigte die israelische Armee einen "umfangreichen Anti-Terror-Einsatz" an.

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Zum Ablauf der tödlichen Konfrontation in Tell unterschieden sich die Darstellungen erheblich. Die israelische Armee hatte zunächst von einem Angriff auf israelische Zivilisten gesprochen, die auf einer Wanderung gewesen seien. Später erklärte sie, es habe eine "gewaltsame Auseinandersetzung" zwischen mehreren Dutzend Palästinensern und israelischen Zivilisten gegeben.

Ein Sicherheitsteam aus Havat Gilad und israelische Soldaten seien zum Ort des Geschehens gerufen worden, erklärte ein Militärvertreter. Während der Konfrontation sei von beiden Seiten geschossen worden. Ein Palästinenser habe einem Mitglied des Sicherheitsteams eine Waffe abgenommen.

Nach Armeeangaben wurden ein israelischer Soldat und ein Mitglied der bewaffneten Wachmannschaft der Siedlung getötet. Der israelische Rettungsdienst Magen David Adom meldete zudem zwei Männer mit Schussverletzungen, von denen einer schwer verletzt worden sei.

Auf palästinensischer Seite erklärte der Ortsvorsteher von Tell, Walid Sidan, etwa 20 Siedler seien in das Dorf eingedrungen. Bewohner hätten versucht, ihre Häuser und ihr Eigentum zu verteidigen. Israelische Soldaten hätten anschließend gemeinsam mit den Siedlern das Feuer eröffnet. Das palästinensische Gesundheitsministerium meldete vier getötete und vier verletzte Palästinenser.

Die Angaben beider Seiten konnten nicht unabhängig überprüft werden.

Die israelische Armee nahm später in einem Krankenhaus im nahe gelegenen Nablus zwei Palästinenser fest, denen sie eine Beteiligung an den Auseinandersetzungen vorwirft. Nach Angaben eines Krankenhausmitarbeiters handelte es sich um einen verletzten Mann und dessen Bruder. Wie ein AFP-Reporter berichtete, führten Soldaten mindestens einen Mann in Handschellen aus dem Krankenhaus ab.

Israels Generalstabschef Ejal Samir sagte bei einem Besuch in Tell, jeder "Terrorist", der an dem Angriff beteiligt gewesen sei, werde "verfolgt". Die Armee kündigte an, zusätzliche Kräfte in die Region zu verlegen und den Urlaub von Soldaten im Westjordanland vorerst zu verschieben.

Auch aus anderen Orten im Norden des Westjordanlands wurde Gewalt gemeldet. Im Dorf Farata wurden nach Angaben des Palästinensischen Roten Halbmonds acht Menschen verletzt, sechs davon durch scharfe Munition. Der Ortsvorsteher warf Siedlern vor, Olivenhaine angezündet zu haben. Zwei weitere Männer wurden demnach bei einem Siedlerangriff in Sarra verletzt. Die Palästinensische Autonomiebehörde verurteilt den "Terrorismus" der israelischen Siedler.

Regierungschef Benjamin Netanjahu kündigte Razzien in palästinensischen Dörfern an, in denen Kämpfer vermutet werden. Zudem sollten neue sogenannte landwirtschaftliche Siedlungsvorposten geschaffen und bestehende schneller "legalisiert" werden.

Sämtliche israelischen Siedlungen im Westjordanland sind nach internationalem Recht illegal. Die meist aus wenigen Wohnwagen oder Fertighäusern bestehenden Vorposten sind in der Regel auch nach israelischem Recht nicht genehmigt.

Im seit 1967 von Israel besetzten Westjordanland leben rund drei Millionen Palästinenser und mehr als 500.000 Israelis. Seit Beginn des Gaza-Kriegs im Oktober 2023 wurden dort nach offiziellen israelischen Angaben mindestens 48 Israelis bei palästinensischen Angriffen oder israelischen Militäreinsätzen getötet.

Nach einer AFP-Zählung auf Grundlage palästinensischer Behördenangaben wurden im selben Zeitraum mindestens 1094 Palästinenser von israelischen Soldaten oder Siedlern getötet.

(L.Møller--DTZ)

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