Deutsche Tageszeitung - Tausende Indonesier warten nach tödlichem Erdbeben auf Hilfe

Tausende Indonesier warten nach tödlichem Erdbeben auf Hilfe


Tausende Indonesier warten nach tödlichem Erdbeben auf Hilfe
Tausende Indonesier warten nach tödlichem Erdbeben auf Hilfe / Foto: © INDONESIA'S NATIONAL SEARCH AND RESCUE AGENCY (BASARNAS)/AFP

Nach einem schweren Erdbeben mit dutzenden Todesopfern auf der indonesischen Insel Flores haben am Sonntag tausende Überlebende auf Hilfe gewartet. Hunderte Gebäude wurden bei dem Erdstoß der Stärke 7,7 am Samstag beschädigt, rund 5000 Menschen mussten nach Behördenangaben ihre Häuser verlassen. Experten zählten fast 1000 Nachbeben. Betroffene Gebiete waren von der Stromversorgung abgeschnitten, mindestens eine wichtige Zufahrtsstraße war nach einem Erdrutsch unpassierbar. Die Zahl der Todesopfer stieg auf mindestens 53, mehr als 130 Menschen wurden verletzt.

Textgröße ändern:

"Wir brauchen Essen, Trinken, Medikamente und Windeln für die Kinder", berichtete Umri aus dem Dorf Nangahale an der Nordküste von Flores. Gemeinsam mit zahlreichen weiteren Dorfbewohnern harrte Umri aus Angst vor weiteren Beben auf einem Hügel oberhalb des Dorfes im Freien aus. Bertolomeus Tiga aus dem Dorf Kisol sagte der Nachrichtenagentur AFP, Polizisten hätten zwar am Samstag einen Schadensbericht aufgenommen, Hilfe sei jedoch zunächst nicht eingetroffen.

Nach Angaben von Katastrophenschutzchef Suharyanto waren am Sonntag mindestens fünf Hubschrauber, mehrere Flugzeuge, ein Marineschiff und weitere Schiffe auf dem Weg ins Erdbebengebiet. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz und Roten Halbmond (IKRK) kündigte einen Hilfseinsatz an.

Die indonesische Regierung entsandte 275 Tonnen Hilfsgüter. Benötigt wurden nach Angaben der Rettungskräfte vor allem Zelte, Decken, Feldbetten, sauberes Trinkwasser, Stromgeneratoren sowie Lebensmittel und Medikamente. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bot an, die Such- und Rettungseinsätze mit Hilfe des Copernicus-Satellitenprogramms zu unterstützen.

Sie habe noch nie ein derart starkes Beben erlebt, sagte Yulian Yuita Ekalia, die in Ruteng mehr als 100 Kilometer vom Epizentrum entfernt lebt. "Es hat sich angefühlt wie auf einem Trampolin, es war sehr beängstigend", schilderte die Universitätsdozentin. "Alles im Haus ist heruntergefallen: der Fernseher, die Pokale meines Sohnes, die Geschirrregale, die Koffer auf den Schränken."

In der Stadt Ruteng wurde das Krankenhaus schwer beschädigt, Patienten wurden in eilig aufgestellte Zelte verlegt. In einem zum Operationssaal umfunktionierten intakt gebliebenen Lagerraum erhielt eine Schwangere einen Not-Kaiserschnitt, wie Krankenhaussprecherin Yohana Raisita Damalia Mari sagte: "Zum Glück ist der Eingriff gut verlaufen, der Patientin und ihrem Baby geht es gut."

Indonesien liegt auf dem sogenannten Pazifischen Feuerring, wo mehrere Erdplatten zusammenstoßen. Es kommt daher häufig zu Erdbeben und Vulkanausbrüchen. 1992 kamen bei einem Beben der Stärke 7,7 auf Flores rund 2500 Menschen ums Leben. Im Dezember 2006 ereignete sich vor der Küste der indonesischen Insel Sumatra ein schweres Beben der Stärke 9,1. Der dadurch ausgelöste Tsunami kostete in Südostasien etwa 220.000 Menschen das Leben, allein in Indonesien starben 170.000 Menschen.

(W.Uljanov--DTZ)

Empfohlen

Nach Angriff auf SPD-Politiker Ecke in Dresden: Drei Angeklagte kommen vor Gericht

Knapp drei Jahre nach dem Angriff auf den SPD-Europaabgeordneten Matthias Ecke in Dresden kommen drei Tatverdächtige vor Gericht. Das Amtsgericht der sächsischen Landeshauptstadt ließ die Anklage der Staatsanwaltschaft zu, wie es am Freitag mitteilte. Ecke war im Mai 2024 beim Aufhängen von Wahlplakaten angegriffen und dabei so schwer verletzt worden, dass er operiert werden musste.

Sonderermittlerin soll mutmaßliche Gruppenvergewaltigung an US-Eliteuni untersuchen

Rund zwei Jahre nach einer mutmaßlichen Gruppenvergewaltigung an der US-Eliteuniversität Cornell hat der Bundesstaat New York eine Sonderermittlerin berufen. Gouverneurin Kathy Hochul betraute die New Yorker Generalstaatsanwältin Letitia James mit dem Fall. Beide wollten am Freitag vor die Presse treten.

Bayern: Mehr als sechs Jahre Haft für Syrer wegen Einschleusens von Ausländern

Wegen der mehrfachen Schleusung von illegalen Einwanderern ist ein 32-jähriger Syrer in Bayern zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren und zwei Monaten verurteilt worden. Das Landgericht Traunstein sprach ihn unter anderem des banden- und gewerbsmäßigen Einschleusens von Ausländern schuldig, wie ein Gerichtssprecher am Freitag mitteilte. In das Strafmaß wurde auch ein Urteil vom April mit einbezogen.

Mutter von Drillingen erstochen - Ehemann in Osnabrück wegen Mordes verurteilt

Weil er seine Frau erstochen haben soll, soll ein Mann aus Niedersachsen lange ins Gefängnis. Das Landgericht Osnabrück verurteilte ihn am Freitag nach Angaben eines Sprechers wegen Mordes und verhängte eine lebenslange Freiheitsstrafe. Der Mann hatte demnach im Prozess gestanden, seine Frau, eine Mutter von Drillingen, getötet zu haben.

Textgröße ändern: