Deutsche Tageszeitung - Pro Asyl kritisiert Einreisevisa für Taliban - besorgte Äußerungen auch aus SPD

Pro Asyl kritisiert Einreisevisa für Taliban - besorgte Äußerungen auch aus SPD


Pro Asyl kritisiert Einreisevisa für Taliban - besorgte Äußerungen auch aus SPD
Pro Asyl kritisiert Einreisevisa für Taliban - besorgte Äußerungen auch aus SPD / Foto: © AFP/Archiv

Die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl hat die Bundesregierung wegen der von ihr genehmigten Einreise weiterer Vertreter der radikalislamischen Taliban nach Deutschland scharf kritisiert. "Mit jedem weiteren Visum wertet die Bundesregierung das international geächtete Taliban-Regime politisch auf", sagte Pro-Asyl-Geschäftsführerin Helen Rezene den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) vom Dienstag. Auch der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Lars Castellucci (SPD), äußerte sich besorgt.

Textgröße ändern:

Durch ihr Vorgehen öffne die Bundesregierung "den Taliban die Tür nach Deutschland und damit nach Europa", kritisierte Rezene. So entstehe eine dauerhafte Zusammenarbeit "mit einem islamistischen Gewaltregime, das die afghanische Bevölkerung terrorisiert und Frauen und Mädchen systematisch entrechtet". Die Bundesregierung betreibe damit "eine schrittweise Normalisierung der Taliban", um Abschiebungen in das Land zu forcieren. "Menschenrechte werden der Abschiebungspolitik untergeordnet", warf sie der Regierung vor.

Castellucci sagte den RND-Zeitungen: "Zu einem Regime wie den Taliban kann es keine normalen Beziehungen geben." Es müsse alles vermieden werden, "was nach einer Normalisierung der Beziehungen oder einer Anerkennung dieses Regimes aussieht", betonte auch er. Der SPD-Politiker wies darauf hin, dass Taliban auch Landsleute im Ausland drangsalieren würden. "Gleichzeitig lassen wir nun weiteres Personal der Taliban nach Deutschland einreisen. Das sehe ich mit Sorge."

Die Bundesregierung hat die Einreise einer sogenannten "technischen Delegation" der Taliban nach Deutschland genehmigt, wie das Auswärtige Amt am Montag bestätigte. Es gehe dabei darum, die "Leistungsfähigkeit" der afghanischen Vertretungen in Deutschland zu steigern. Dabei sei "das klare Ziel der Bundesregierung, die Anzahl von Abschiebungen nach Afghanistan zu erhöhen", betonte ein Sprecher.

Die Bundesregierung erkennt die Taliban-Regierung in Kabul zwar nicht offiziell an, ist aber in Kontakt mit ihr. Bereits zuvor hatte sie einzelnen Taliban-Vertretern die Einreise gestattet. Aus dem Auswärtigen Amt hieß es dazu, die afghanischen Auslandsvertretungen in Deutschland würden jedoch "weiterhin von Personen geleitet, die bereits vor der Machtübernahme der De-facto Regierung akkreditiert waren". Änderungen daran bedürften der Zustimmung der Bundesregierung.

Pro Asyl und weitere Organisationen sprechen hingegen von einer De-facto-Übernahme der afghanischen Botschaft in Berlin sowie der Konsulate in Bonn und München durch die Taliban. Diese würden dort als Leiter der Vertretungen auftreten, auch wenn die bisherigen Amtsträger rein formal weiter im Amt seien. Kritik an der Regierung gibt es deswegen ebenfalls von Grünen und Linkspartei. Befürchtet werden in diesem Zusammenhang auch Risiken für in Deutschland lebende Afghaninnen und Afghanen, wenn diese Auslandsvertretungen ihres Landes aufsuchen.

Vor allem die Union dringt hingegen auf einen harten Kurs bei Abschiebungen. Betroffen sind inzwischen nicht mehr nur Straftäter, sondern auch Menschen, denen keine Vergehen vorgeworfen werden. In München wurde vor wenigen Wochen der afghanische Ingenieur Faridoon Tofan in Abschiebehaft genommen, der seit Jahren in Deutschland unbescholten einer sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit nachgeht. Ihm wird ein regelwidriger Kurzaufenthalt in Italien vorgeworfen.

(T.W.Lukyanenko--DTZ)

Empfohlen

Mann in Mönchengladbach soll Schwägerin getötet haben - Ehefrau in Lebensgefahr

Bei einem eskalierten Familienstreit in einer Wohnung in Mönchengladbach soll ein 51-Jähriger seine 44-jährige Schwägerin tödlich verletzt haben. Auch seine 39-jährige Ehefrau soll der Mann lebensgefährlich verletzt haben, wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Dienstag mitteilten. Die Tat ereignete sich demnach am Montagabend in der Wohnung des 51-Jährigen im Stadtteil Waldhausen. Er wurde kurze Zeit später festgenommen.

30 Jahre nach der Tat: Ex-Gang-Boss wegen Mordes an US-Rapper Tupac Shakur schuldig gesprochen

30 Jahre nach dem Aufsehen erregenden Mord an dem US-Rapper Tupac Shakur ist ein früherer Bandenchef wegen der Tat verurteilt worden. Die Geschworenen eines Gerichts in Las Vegas sprachen den früheren Boss der Gang South Side Compton Crips, Duane "Keffe D" Davis, am Montag (Ortszeit) nach nur wenigen Stunden Beratung wegen Mordes schuldig. Ihm droht damit lebenslange Haft, das Strafmaß soll am 13. Oktober verkündet werden.

Preise für Werbung: US-Behörde und 22 Bundesstaaten verklagen Amazon

Der Onlineriese Amazon soll seine Versteigerungen von Online-Werbung seit Jahren manipuliert und damit die Preise nach oben getrieben haben. Das werfen die US-Verbraucherschutzbehörde FTC und 22 Bundesstaaten dem Konzern vor, wie es in der am Montag eingereichten Klage heißt. Amazon wies den Vorwurf als "fehlgeleitet" und "mangelhaft" zurück; die Aufsichtsbehörden hätten "selektiv" veraltete interne Dokumente herausgegriffen.

Hausbewohner jagt Marder: Schreie rufen in Niedersachsen Polizei auf den Plan

Schreie eines Hausbewohners auf Raubtierjagd haben im niedersächsischen Lachendorf einen Polizeieinsatz ausgelöst. Eine Anwohnerin rief am Montag die Beamten, weil sie aus einem Nachbarhaus laute Schreie einer Mannes wahrgenommen hatte und in Sorge war, wie die Polizeiinspektion Celle am Dienstag berichtete.

Textgröße ändern: