Deutsche Tageszeitung - EU und UNO verurteilen Haftstrafen gegen Organisatoren von Tiananmen-Mahnwachen in Hongkong

EU und UNO verurteilen Haftstrafen gegen Organisatoren von Tiananmen-Mahnwachen in Hongkong


EU und UNO verurteilen Haftstrafen gegen Organisatoren von Tiananmen-Mahnwachen in Hongkong
EU und UNO verurteilen Haftstrafen gegen Organisatoren von Tiananmen-Mahnwachen in Hongkong / Foto: © AFP

Die EU und die UNO haben die Haftstrafen gegen drei Organisatoren von Tiananmen-Mahnwachen in Hongkong scharf kritisiert. Die EU bezeichnete den Prozess gegen die Demokratieaktivisten am Freitag als "politisch motiviert". UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk forderte eine Aufhebung der Urteile. Ein Gericht in Hongkong hatte die drei Aktivisten zuvor mit Haftstrafen zwischen fünf und sieben Jahren belegt.

Textgröße ändern:

"Die EU bedauert die Verurteilung von drei ehemaligen Führern der 'Hong Kong Alliance in Support of Patriotic Democratic Movements of China' zutiefst", erklärte ein Sprecher der EU-Kommission im Onlinedienst X. Das Urteil untergrabe "das Vertrauen in die Rechtsstaatlichkeit und schadet dem Ansehen Hongkongs", fügte er hinzu.

Türk fordere eine "Aufhebung der Urteile", teilte sein Büro mit. Der Sprecher des UN-Menschenrechtskommissars, Seif Magango, bezeichnete die Urteile als "ein weiteres bedauerliches Ergebnis des zutiefst mangelhaften nationalen Sicherheitsgesetzes". Das von Peking erlassene Gesetz ermöglicht den Behörden in Hongkong seit gut sechs Jahren ein hartes Vorgehen gegen kritische Stimmen.

Die 41-jährige Chow Hang-tung und der 69-jährige Lee Cheuk-yan waren im August wegen "Anstiftung zur Subversion" schuldig gesprochen worden. Am Freitag wurden die beiden Angeklagten, die auf nicht schuldig plädierten, zu rund sieben Jahren Haft verurteilt. Der 74-jährige Ex-Abgeordnete Albert Ho, der sich im Januar schuldig bekannt hatte, wurde zu etwas über fünf Jahren Haft verurteilt.

Die drei Aktivisten hatten in Hongkong jährliche Mahnwachen zum Gedenken an die Niederschlagung der Proteste auf dem Pekinger Tiananmen-Platz im Jahr 1989 organisiert. Sie wurden 2021 angeklagt und sind seitdem inhaftiert.

Chow hatte bei einer Anhörung im Juli gesagt, sie bereue nichts. Als sie am Freitag von Polizisten abgeführt wurde, winkte sie ihren Unterstützern zu. Lee bekreuzigte sich im Gericht und wandte sich lächelnd seiner Frau zu, die ankündigte, dass ihr Mann Berufung einlegen werde.

Hongkong und Macau waren jahrelang die einzigen Orte auf chinesischem Territorium, an denen Mahnwachen für die Toten vom Tiananmen-Platz erlaubt waren. 2020 erließ Peking dann das sogenannte Sicherheitsgesetz, um gegen die Demokratiebewegung in Hongkong vorzugehen. Nach der Festnahme ihrer führenden Mitglieder löste sich die Hongkong-Allianz 2021 auf.

In den Morgenstunden des 4. Juni 1989 war die chinesische Armee in Peking mit Panzern gegen Studentinnen und Studenten vorgegangen, die auf dem Tiananmen-Platz für mehr Demokratie demonstrierten. Hunderte, nach einigen Schätzungen sogar mehr als tausend Menschen, wurden damals getötet. China versucht mit aller Macht, das Ereignis aus dem nationalen Gedächtnis zu löschen.

(B.Izyumov--DTZ)

Empfohlen

Auto geklaut und zu schnell gefahren - Polizei fahndet mit Blitzerfoto

Ein Autodieb in Potsdam hat der Polizei die Ermittlungsarbeit erleichtert und sich nach der Tat blitzen lassen. Nach dem Mann wird nun mit dem Blitzerfoto gefahndet, wie die Polizei am Freitag in Brandenburg an der Havel mitteilte.

Mutmaßlich Anschlag für Hamas vorbereitet: Sieben Männer in Berlin angeklagt

Die Bundesanwaltschaft hat sieben mutmaßliche Mitglieder der radikalislamischen Hamas wegen der Vorbereitung eines Anschlags auf israelische oder jüdische Ziele angeklagt. Wie die Behörde am Freitag in Karlsruhe mitteilte, sollen die in den vergangenen Monaten festgenommenen Verdächtigen federführend an Waffenbeschaffung und Tatplanung beteiligt gewesen sein. Sie geht demnach davon aus, dass die Hamas schon einen konkreten Anschlag in Deutschland oder Österreich plante.

81-jährige Frau in Baden-Württemberg von Sohn getötet

Im baden-württembergischen Winnenden ist eine 81-jährige Frau offenbar von ihrem psychisch kranken Sohn getötet worden. Eine Nachbarin alarmierte am Mittwochnachmittag die Einsatzkräfte, weil sie laute Schläge aus der Wohnung der Frau hörte, wie die Polizei am Freitag in Aalen mitteilte.

Betrüger erbeuten 200.000 Euro von Senior in Rheinland-Pfalz

etrüger haben von einem Senior aus Rheinland-Pfalz rund 200.000 Euro erbeutet. Der Mann fiel auf die Masche des Schockanrufs herein, wie die Polizei in Ludwigshafen am Freitag mitteilte. Demnach rief ein Unbekannter am Donnerstag den Mann aus Freinsheim an und gab sich als Gerichtsmitarbeiter aus. Er gab an, die Tochter des Seniors einen habe tödlichen Unfall verursacht.

Textgröße ändern: