Deutsche Tageszeitung - Proteste gegen Sparpläne und Missstände an Schulen erschüttern Frankreich

Proteste gegen Sparpläne und Missstände an Schulen erschüttern Frankreich


Proteste gegen Sparpläne und Missstände an Schulen erschüttern Frankreich
Proteste gegen Sparpläne und Missstände an Schulen erschüttern Frankreich / Foto: © AFP

Wenige Tage vor der geplanten Vorstellung des Haushaltsplans mit milliardenschweren Einsparungen haben in Frankreich tausende Menschen für höhere Löhne im öffentlichen Dienst demonstriert. Der Gewerkschaftsbund gab die Zahl der landesweit Protestierenden am Dienstag mit mehr als 300.000 an; die Regierung ging von rund 200.000 Teilnehmern aus. Unabhängig davon erschütterten teils gewaltsame Schülerproteste das Land, bei denen Schulen blockiert und Polizisten attackiert wurden.

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Zu den Demonstrationen für eine bessere Bezahlung der Beschäftigten im öffentlichen Dienst hatten mehrere Gewerkschaften aufgerufen; landesweit waren für den Protesttag 170 Kundgebungen angemeldet. Der Gewerkschaftsbund CGT gab die Zahl der Teilnehmer mit mehr als 300.000 an, darunter 70.000 in der Hauptstadt Paris. Die französische Polizei sprach dagegen von 30.000 Demonstranten in Paris, unter ihnen 8000 Feuerwehrleute. Dem Innenministerium zufolge gab es landesweit 206.000 Teilnehmer.

Weitere Protestkundgebungen gab es in Marseille, wo CGT zufolge 30.000 Menschen auf die Straße gingen. Dort gab die Polizei die Zahl der Teilnehmenden mit 3800 an. Auch in Toulouse, Lille, Bordeaux, Lyon, Nantes und Orléans gab es größere Proteste.

Die Gewerkschaften verweisen darauf, dass die Gehälter im öffentlichen Dienst seit 2017 um nur fünf Prozent gestiegen sind - bei rund 24 Prozent Inflation. "Wir kommen gerade so über die Runden", sagte der 39-jährige Florian, der in Marseille für höhere Löhne auf die Straße ging. "Man kann seinen Job zwar gut machen, aber ein Aufstieg ist unmöglich", fügte er hinzu.

Nach Angaben des Bildungsministeriums beteiligten sich etwa 14 Prozent der Lehrer an den Streiks, bei Grundschullehrern waren es 40 Prozent. Ein Lehrer verdient in Frankreich zu Beginn seiner Karriere etwa 2100 Euro, erst nach etwa 30 Berufsjahren steigt das Gehalt deutlich an.

Die Regierung will in Kürze ihren Haushaltsplan für das kommende Jahr vorstellen, in dem nach Angaben von Premierminister Sébastien Lecornu Einsparungen in Höhe von 54 Milliarden Euro geplant sind. Viele Beschäftigte im öffentlichen Dienst befürchten, die Leidtragenden des Sparkurses zu sein.

Unabhängig davon weiteten sich die teils gewaltsamen Proteste von Oberschülern gegen schlecht ausgestattete Gebäude und lange Schultage aus. Nach Angaben des Bildungsministeriums waren am Dienstag landesweit 400 Schulen von den Protesten betroffen. 40 Schulen wurden demnach blockiert, bei 44 weiteren gab es Blockadeversuche. 40 Menschen wurden festgenommen und zehn Menschen verletzt.

Die Schülerbewegung war vor einigen Tagen im Großraum Paris entstanden und hatte sich schnell auf andere Landesteile ausgeweitet. Schülergewerkschaften hatten dann für Dienstag analog zu den Beschäftigten des öffentlichen Dienstes zu einem Aktionstag aufgerufen.

Die Region Ile-de-France schätzte die Schäden bei den Schülerprotesten auf etwa 200.000 Euro; 75 Bildungseinrichtungen seien betroffen gewesen. In Lyon wurden Polizisten mit Wurfgeschossen und Feuerwerkskörpern beworfen. Die Sicherheitskräfte setzten Tränengas ein. Vor einer Oberschule in Lille wurden Bushaltestellen und Werbetafeln beschädigt. Flaschen und Pflastersteine flogen in Richtung der Polizei. Weitere Zusammenstöße wurden aus Marseille, Lyon und Bordeaux gemeldet.

Auch Studierende mehrerer Universitäten beteiligten sich an den Protesten, etwa in Paris, Toulouse und Nizza. Die linkspopulistische Partei La France Insoumise unterstützt die Proteste ebenfalls. Die Schüler wenden sich gegen zahlreiche Missstände, darunter ungünstige Stundenpläne, zu große Klassen, Lehrermangel, lange Schultage und überhitzte Klassenzimmer.

"Wir, die Kinder der Vororte, fühlen uns im Stich gelassen und vernachlässigt", sagte die 16-jährige Victoire in einer Vorstadt von Paris. An ihrer Schule herrschten "unhygienische Zustände", fügte sie hinzu. An der Lamartine-Schule in Paris riefen die Schüler: "Von acht bis 18.00 Uhr: Sind wir Schüler oder inhaftiert?!"

(V.Varonivska--DTZ)

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