Deutsche Tageszeitung - Russischer Hacker in Japan festgenommen: 28-Jähriger nach Deutschland ausgeliefert

Russischer Hacker in Japan festgenommen: 28-Jähriger nach Deutschland ausgeliefert


Russischer Hacker in Japan festgenommen: 28-Jähriger nach Deutschland ausgeliefert
Russischer Hacker in Japan festgenommen: 28-Jähriger nach Deutschland ausgeliefert / Foto: © ANP/AFP/Archiv

Nordrhein-westfälischen Ermittlern ist in internationaler Zusammenarbeit die Festnahme eines 28-jährigen mutmaßlichen Führungsmitglieds der russischen Hackergruppe Qilin gelungen. Bei dem Verdächtigen handle sich mutmaßlich um einen der führenden Köpfe der Gruppierung, sagte Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) am Mittwoch in Düsseldorf. Der russische Staatsangehörige sei von der japanischen Polizei in Tokio nach internationalen Ermittlungen festgenommen worden und am Freitag nach Deutschland ausgeliefert worden.

Textgröße ändern:

Der 28-Jährige habe sich wegen eines Urlaubs in Japan aufgehalten. Die Festnahme sei ein großer Erfolg für die Ermittler in Nordrhein-Westfalen und für den Kampf gegen die Cyberkriminalität, betonte Reul. Zum ersten Mal sei ein deutscher Hacker von deutschen Behörden außerhalb Russlands festgenommen worden. Der Russe sitzt inzwischen in Untersuchungshaft.

Die Hackergruppe Qilin soll laut Reul weltweit fast 4000 Unternehmen und Institutionen angegriffen und erpresst haben, darunter rund 150 in Deutschland. Die Dunkelziffer sei möglicherweise höher. Nach Angaben Reuls wurden weltweit rund 2,9 Milliarden Dollar Lösegeld von den angegriffenen Unternehmen und Institutionen gefordert. Die Hackergruppe gehört laut Reul zu den aktivsten und skrupellosesten Erpresserbanden.

Nordrhein-Westfalens Justizminister Benjamin Limbach (Grüne) hob die Arbeit der bei der Staatsanwaltschaft Köln angesiedelten Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime Nordrhein-Westfalen bei den Ermittlungen hervor. Die Staatsanwälte hätten gemeinsam mit dem Landeskriminalamt die Infrastruktur der Täter analysiert, die Zahlungsströme an Kryptobörsen verfolgt und aus zahlreichen digitalen Spuren die Identität des Verdächtigen ermittelt, sagte Limbach.

Zudem habe Japan den russischen Staatsangehörigen ausgeliefert, obwohl zwischen Japan und Deutschland kein Auslieferungsvertrag bestehe, hob Limbach hervor. "Das zeigt, dass unsere Ermittlungsergebnisse auch international überzeugen", sagte Limbach.

(L.Møller--DTZ)

Empfohlen

Nach fehlgeschlagener Hinrichtung von Christa Pike: Streit um Exekution in Texas

Rund eine Woche nach der fehlgeschlagenen Hinrichtung der US-Todeskandidatin Christa Pike soll im Bundesstaat Texas ein Mann mit demselben Gift exekutiert werden. Dem verurteilten Raubmörder Jamaal Howard sollte am Mittwoch (Ortszeit) im Staatsgefängnis von Huntsville das Mittel Pentobarbital verabreicht werden, das die Atmung lähmt. Howards Anwälte verlangten unter Verweis auf den Fall Pike einen Aufschub in letzter Minute.

Netanjahu am Jahrestag: "Wir werden alle Mörder zur Rechenschaft ziehen"

Am dritten Jahrestag des Hamas-Überfalls auf Israel hat Regierungschef Benjamin Netanjahu unterstrichen, dass die Verantwortlichen für ihre Taten bestraft werden. "Wir werden den Auftrag erfüllen: Wir sind hier, und wir werden alle Mörder zur Rechenschaft ziehen", verkündete der israelische Ministerpräsident laut einer Erklärung am Mittwoch. "An diesem Tag vereint sich das Volk in Gedenken an und in der Sehnsucht nach unseren Liebsten", betonte Netanjahu.

Kabinett beschließt Gesetz zum besseren Schutz von Opfern häuslicher Gewalt

Opfer von häuslicher Gewalt sollen künftig besser geschützt werden. Das Bundeskabinett verabschiedete am Mittwoch einen Gesetzentwurf, der unter anderem vorsieht, dass Verfahren vor Familiengerichten nicht mehr am Wohnort der Betroffenen stattfinden müssen. Stattdessen sollen sie die Wahl zwischen mehreren Gerichtsstandorten haben, um ihren aktuellen Wohnort einfacher geheim halten zu können.

Schülerproteste nehmen leicht ab - Schockgranaten vorerst tabu

Nach einem Protesttag mit Hunderttausenden auf der Straße haben sich die Schülerproteste in Frankreich am Mittwoch etwas beruhigt. In etwa 530 Oberstufen fiel nach Angaben der Regierung erneut der Unterricht aus, etwa 40 Prozent weniger als am Vortag. Vor der blockierten Pariser Hochschule SciencesPo kam es erneut zu Auseinandersetzungen zwischen Protestierenden und der Polizei, die Tränengas einsetzte. Am Abend wurde Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zu einem Staatsbesuch in Paris erwartet.

Textgröße ändern: