Deutsche Tageszeitung - Vom IS im Niger entführte Schweizerin und Österreicherin zurück in der Heimat

Vom IS im Niger entführte Schweizerin und Österreicherin zurück in der Heimat


Vom IS im Niger entführte Schweizerin und Österreicherin zurück in der Heimat
Vom IS im Niger entführte Schweizerin und Österreicherin zurück in der Heimat / Foto: © APA/AFP

2025 wurden sie im Niger von der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) entführt - nun sind die Schweizerin Claudia Abt und die Österreicherin Eva Gretzmacher freigelassen worden und in ihre Heimatländer zurückgekehrt. Die 69-jährige Schweizerin landete am Donnerstag am Flughafen Belp nahe Bern, wie eine Journalistin der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Das österreichische Außenministerium bestätigte die Landung der 76-jährigen Gretzmacher in Wien.

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Libyschen Medien zufolge war die Freilassung der beiden Frauen durch die Unterstützung des im Osten Libyens einflussreichen Befehlshaber Chalifa Haftar möglich geworden. Sie wurden zunächst in die libysche Stadt Bengasi gebracht. Donnerstagmittag bestätigten dann Bern und Wien, dass die Frauen nicht mehr in der Hand ihrer Entführer seien.

Die Schweizerin Abt sei nach ihrer Entführung am 13. April 2025 im Niger freigelassen worden, erklärte das Außenministerium in Bern. In Bengasi sei sie von Schweizer Mitarbeitenden der Bundesverwaltung in Empfang genommen und medizinisch betreut worden. Ihr gehe es "den Umständen entsprechend gut".

"Ich bin erleichtert, dass die entführte Schweizerin nach mehr als eineinhalb Jahren wieder in Freiheit ist", erklärte der Schweizer Außenminister Ignazio Cassis. Er dankte allen involvierten Stellen im In- und Ausland, die sich "intensiv" für die Freilassung eingesetzt hätten.

Die österreichische Außenministerin Beate Meinl-Reisinger sprach mit Blick auf Gretzmachers Freilassung von großer Erleichterung nach mehr als 21 Monaten. Gretzmacher war am 11. Januar 2025 entführt worden. Meinl-Reisinger dankte allen, die zur ihrer Befreiung beigetragen haben. "Wir haben über viele Monate eng, diskret und vertrauensvoll mit unseren regionalen, europäischen und internationalen Partnern zusammengearbeitet", erklärte Meinl-Reisinger. Diese gemeinsamen Anstrengungen hätten sich nun "ausgezahlt".

"Eva ist frei! Heute ist ein schöner Tag. Ein Tag der Erleichterung, der Freude und vor allem der Dankbarkeit", schrieb der Sohn der Österreicherin, Christoph Gretzmacher, auf Facebook. "Der Albtraum ist vorbei", fügte er hinzu und veröffentlichte ein Foto, auf dem er seine Mutter im Arm hält.

Weder die Schweiz noch Österreich machten Angaben zu den genauen Umständen der Freilassung und äußerten sich auch nicht zu einem möglicherweise gezahlten Lösegeld.

In einem vom Sender Al-Masar TV veröffentlichten Video waren die beiden ausgemergelten Frauen zu sehen, wie sie sich bei dem libyschen Befehlshaber Haftar und dessen Sohn Saddam für ihre Freilassung bedanken.

"Mein Name ist Eva Gretzmacher, ich bin 76 Jahre alt, und ich danke von ganzem Herzen Marschall Haftar und seinem Sohn Saddam, die uns freigelassen haben", sagt eine der Frauen auf Französisch. "Ich war ein Jahr und neun Monate lang als Geisel festgehalten worden", fügte die Österreicherin hinzu. Abbt sagt in dem Video, sie sei "froh, wieder frei zu sein", und dankte ebenfalls Haftar.

Der Regionalgouverneur der nigrischen Region Agadez, General Ibra Boulama Issa, hatte im April 2025 "die Entführung einer Ausländerin namens Claudia" bestätigt. Die mit einem Nigrer verheiratete Frau war demnach aus ihrem Haus in Agadez entführt worden. Auch Abt wohnte zum Zeitpunkt ihrer Entführung in Agadez.

Lange hatte sich niemand öffentlich zu der Entführung der Frauen bekannt. Am Donnerstag erfuhr AFP nun, dass die dschihadistische Gruppe "Islamischer Staat der Sahelprovinz" (ISSP), ein regionaler Ableger des IS, für die Entführung verantwortlich gewesen sei.

Aus Sicherheitskreisen im Mali erfuhr AFP, dass die Frauen am Mittwochmorgen per Flugzeug nach Bengasi gebracht wurden. Aus derselben Quelle verlautete, dass sie in den ersten Monaten ihrer Gefangenschaft in der Region Menaka im Nordosten Malis festgehalten wurden, wo der ISSP sehr aktiv ist. Mehrere Medien veröffentlichten Fotos der Frauen, wie sie - mit der traditionellen Kopfbedeckung der Tuareg - in einem Flugzeug sitzen.

Der Sender Al-Masar teilte im Onlinedienst X mit, dass "der stellvertretende Oberbefehlshaber Saddam Khalifa Haftar als Reaktion auf die Appelle ihrer Familien" in die Bemühungen um die Freilassung der Frauen eingegriffen habe.

Seit dem Sturz von Machthaber Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 ist Libyen geteilt - die offizielle, von der UNO anerkannte Regierung von Ministerpräsident Abdulhamid Dbeibah regiert in Tripolis im Westen. Sie konkurriert mit der Gegenregierung in Bengasi, die vom mächtigen Befehlshaber Haftar unterstützt wird. Die von Haftar befehligten ostlibyschen Streitkräften (ANL) kontrollieren den gesamten Osten und einen Großteil des Südens des Landes.

(L.Barsayjeva--DTZ)

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