Deutsche Tageszeitung - Dahmen dämpft Erwartungen an Sachverständigengutachten zu Corona-Maßnahmen

Dahmen dämpft Erwartungen an Sachverständigengutachten zu Corona-Maßnahmen


Dahmen dämpft Erwartungen an Sachverständigengutachten zu Corona-Maßnahmen
Dahmen dämpft Erwartungen an Sachverständigengutachten zu Corona-Maßnahmen / Foto: © AFP/Archiv

Kurz vor der Veröffentlichung des Sachverständigengutachtens zur Evaluation der Corona-Maßnahmen hat der Grünen-Gesundheitspolitiker Janosch Dahmen die Erwartungen an das Papier gedämpft. Es werde zwar eine gute Grundlage für die weiteren politischen Beratungen bieten können, sagte Dahmen am Freitag in der Sendung "Frühstart" von RTL/ntv. "Ich glaube aber, dass es dort eher juristische Hinweise geben kann zur Gesetzes-Architektur des Infektionsschutzgesetzes."

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Das Gutachten, das am Freitagmittag in Berlin vorgestellt wird, soll als Grundlage für die Beratungen zur Neufassung des Infektionsschutzgesetzes dienen. Dieses läuft in seiner bisherigen Fassung am 23. September aus.

Die Wissenschaftler hätten sich im Vorfeld schon skeptisch gezeigt, ob mit den Mitteln, die der Kommission zur Verfügung standen, eine abschließende Beurteilung möglich sei, sagte Dahmen weiter. "Ich rechne heute eher mit Hinweisen, wo noch weitere Forschung erforderlich ist, wenn es darum geht, die Wirksamkeit einzelner Maßnahmen zu beurteilen."

Nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung bewerten die Experten viele der Maßnahmen skeptisch. Lockdowns hätten nur im Anfangsstadium einer Pandemie eine starke Wirkung, heiße es in der Expertise, wie das Blatt online berichtete. Die als Lockdown bezeichneten Maßnahmen-Bündel hätten "einen kurzfristigen positiven Effekt", würden aber "auf Dauer von der Bevölkerung weniger akzeptiert werden und ihre Wirkung verlieren".

Je länger ein Lockdown in Kraft ist, "umso schwerer wiegen die nicht-intendierten Folgen", heißt es den Angaben zufolge in dem Gutachten. Dazu zählten die Experten unter anderem die "Steigerung der häuslichen Gewalt gegenüber Frauen und Kindern", die "Zunahme von psychischen Erkrankungen" und "existenzielle Nöte". Auch die sogenannten 2G- und 3G-Maßnahmen werden den Angaben zufolge von den Experten kritisch eingeordnet.

Zuvor hatte die "Bild"-Zeitung berichtet, es sei zu heftigem Streit in der 18-köpfigen Sachverständigenkommission gekommen. Der Epidemiologe Klaus Stöhr ist nach Angaben der Zeitung mit der Bewertung zahlreicher Einschränkungen wie Lockdowns, Schulschließungen und 2G-Regeln durch das Gremium nicht einverstanden. Stöhr wünsche sich eine kritischere Bewertung der Maßnahmen, konnte dies aber im Gremium nicht durchsetzen, hieß es demnach.

Stöhr kam als Nachrücker für den Virologen Christian Drosten in das Expertengremium, er übt seit langem deutliche Kritik an den Corona-Maßnahmen von Bund und Ländern. Auch der Bonner Virologe Hendrik Streeck gehört zu den Sachverständigen. Obwohl Streeck die Maßnahmen der Regierung oftmals kritisierte, unterstützt er dem Bericht zufolge im Gegensatz zu Stöhr das Papier.

(P.Vasilyevsky--DTZ)

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