Deutsche Tageszeitung - WHO ruft wegen Affenpocken internationalen Gesundheitsnotstand aus

WHO ruft wegen Affenpocken internationalen Gesundheitsnotstand aus


WHO ruft wegen Affenpocken internationalen Gesundheitsnotstand aus
WHO ruft wegen Affenpocken internationalen Gesundheitsnotstand aus / Foto: © AFP

Als Reaktion auf die anhaltende Ausbreitung der Affenpocken hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) einen weltweiten Gesundheitsnotstand ausgerufen. "Ich habe entschieden, dass der weltweite Ausbruch der Affenpocken einen öffentlichen Gesundheitsnotstand internationaler Tragweite darstellt", sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Samstag bei einer virtuellen Pressekonferenz. Demnach habe das WHO-Notfallkomitee sich zuvor auf keine gemeinsame Empfehlung einigen können. Bislang sind in mehr als 70 Ländern weltweit knapp 17.000 Krankheitsfälle registriert worden.

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Zur Begründung der Entscheidung hieß es in einer WHO-Mitteilung, es gebe "ein klares Risiko" einer weiteren internationalen Ausbreitung. Europa sei allerdings weltweit derzeit das einzige Gebiet, in der das Risiko einer Ansteckung als hoch bewertet werde, erklärte Tedros.

Das WHO-Notfallkomitee hatte am Donnerstag getagt. Bei einer Dringlichkeitssitzung zu den Affenpocken im Juni hatten die Experten dem WHO-Generalsekretär noch davon abgeraten, die höchste Alarmstufe auszurufen. Seitdem haben sich die Infektionsfälle jedoch weiter ausgebreitet. Tedros hatte sich am Donnerstag bei der knapp sechsstündigen Sitzung "besorgt" über die Zunahme der Fälle gezeigt.

Bei den Affenpocken handelt es sich um eine weniger gefährliche Verwandte der seit etwa 40 Jahren ausgerotteten Pocken, die üblicherweise in West- und Zentralafrika vorkommt. Zu den typischen Symptomen der Krankheit gehören hohes Fieber, geschwollene Lymphknoten und Windpocken-ähnliche Pusteln. Übertragen wird die Krankheit durch engen Körper- und Hautkontakt.

Insgesamt waren 98 Prozent der Infizierten Männer. Etwa ein Drittel hatte in den vergangenen Monaten Sexpartys oder Sauna-Clubs besucht.

Tedros sagte, der Affenpocken-Ausbruch konzentriere sich "auf Männer, die Sex mit Männern haben, insbesondere solche mit mehreren Geschlechtspartnern". Entsprechend könne die Ausbreitung "mit den richtigen Strategien" gestoppt werden. Der WHO-Chef rief alle Länder dazu auf, Maßnahmen zu ergreifen, um den betroffenen Personenkreis zu schützen.

Ein weltweiter Gesundheitsnotstand wurde bisher nur sechs Mal ausgerufen, zuletzt im Januar 2020 wegen der rasanten Ausbreitung des damals noch neuartigen Coronavirus. Eine "Notlage von internationaler Tragweite", so der offizielle Begriff, wird bei einem "ernsten, plötzlichen, ungewöhnlichen und unerwarteten" Gesundheitsproblem ausgerufen, das sich in andere Länder ausbreiten kann. Damit werden internationale Maßnahmen aktiviert.

(M.Dorokhin--DTZ)

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