Deutsche Tageszeitung - AOK: Eigenanteile für Pflegeheimplätze 21 Prozent höher als vor einem Jahr

AOK: Eigenanteile für Pflegeheimplätze 21 Prozent höher als vor einem Jahr


AOK: Eigenanteile für Pflegeheimplätze 21 Prozent höher als vor einem Jahr
AOK: Eigenanteile für Pflegeheimplätze 21 Prozent höher als vor einem Jahr / Foto: © AFP/Archiv

Die Eigenanteile in der stationären Pflege sind einer Auswertung des AOK-Bundesverbands zufolge binnen eines Jahres kräftig gestiegen. Mitte November hätten die sogenannten einrichtungseinheitlichen Eigenanteile, die von den Pflegebedürften bezahlt werden müssen, im Schnitt um 21 Prozent über den Werten vor einem Jahr gelegen, teilte der Verband am Mittwoch mit. Im Durchschnitt müssten die Pflegebedürftigen pro Monat 2001 Euro aus eigener Tasche bezahlen.

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Die Summe setzt sich den Angaben zufolge aus pflegebedingten Kosten von 697 Euro, Kosten für Unterkunft und Verpflegung von 836 Euro sowie Investitionskosten von 468 Euro zusammen. Der "seit mehreren Jahren zu beobachtende Kostenanstieg" in der stationären Pflege "spitzt sich damit nochmals zu", kommentierte der AOK-Bundesverband die Daten.

Eine Entlastung ergebe sich durch die Leistungszuschläge, die zu Beginn dieses Jahres eingeführt wurden, führte der Verband aus. Sie richten sich danach, wie lange jemand schon im Pflegeheim lebt. Bewohnerinnen und Bewohner, die bis zu einem Jahr in der Einrichtung leben, zahlen den Angaben zufolge nach Erhalt der Zuschläge durchschnittlich 1135 Euro selbst. Bei Menschen, die schon länger im Pflegeheim wohnen, fallen die Zuschläge höher aus.

Bei den Eigenanteilen gibt es den Angaben zufolge große regionale Unterschiede. Besonders niedrig fielen sie im Durchschnitt in Niedersachsen aus, in Baden-Württemberg seien sie besonders hoch.

Der AOK-Bundesverband verwies zur Erklärung des insgesamt starken Kostenanstiegs auf die neuen Tarifvorschriften in der Pflege. Seit dem 1. September müssen die Beschäftigten mindestens auf Tarifniveau entlohnt werden. "Aufgrund der Konstruktion der Pflegeversicherung als Teilleistungssystem werden etwa 60 Prozent der zusätzlichen Kosten infolge der höheren Löhne an die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen weitergereicht, den Rest trägt die finanziell ohnehin angeschlagene Soziale Pflegeversicherung über die neu eingeführten Zuschläge", erklärte die Vorstandsvorsitzende Carola Reimann.

Trotz der Anfang des Jahres eingeführten Leistungszuschlags-Regelungen hätten die von den Bewohnerinnen und Bewohnern selbst zu tragenden Pflegekosten jetzt wieder das Niveau von Ende 2018 erreicht. "Die Politik ist gefordert, hier wirksam gegenzusteuern", erklärte Reimann.

Eine Entlastung könne etwa dadurch erreicht werden, dass die Ausbildungskosten aus den Eigenanteilen der Pflegebedürftigen herausgenommen würden. Diese Maßnahme sei im Koalitionsvertrag vereinbart und solle "zeitnah umgesetzt werden".

Eine schnelle Umsetzung sei auch bei dem Vorhaben angezeigt, dass die gesetzliche Krankenversicherung die Kosten der medizinischen Behandlungspflege übernehmen. Die AOK forderte außerdem, dass die Investitionskosten der Einrichtungen vollständig von den Ländern übernommen werden.

Reimann sagte voraus, dass sich das Problem der steigenden Eigenanteile vorerst noch verschärfen werde. Sie verwies auf die hohe Inflation - diese werde die Tariflöhne steigen lassen. "Diese Entwicklungen werden sich auch in höheren Preisen für die professionelle Pflege niederschlagen", erklärte Reimann. Auch bei den Pflegediensten werde es zu weiteren Kostensteigerungen kommen.

(M.Dylatov--DTZ)

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